Ausstellungsbesprechungen

...5 minutes later, Installationen

Auf den ersten Blick wirkt das Konzept, der noch bis zum 9. März 2008 in den KUNSTWERKEN in Berlin währenden Ausstellung »… 5 minutes later«, wie eine mal eben aus dem Ärmel geschüttelte Idee. Das verbindende Kriterium aller Arbeiten bezieht sich auf deren Entstehungszeit, die fünf Minuten nicht übersteigen sollte.

Natürlich beschränkt sich das Konzept nicht auf eine solche Oberflächlichkeit, sondern impliziert die Auseinandersetzung mit dem Schaffensprozess von Kunstwerken. Die Kuratorin Susanne Pfeffer fokussiert und differenziert die zwei Ebenen des Entstehungsprozesses – der häufig langen Zeit der Ideenfindung und der manchmal äußerst kurzen Zeit, in der das Kunstwerk tatsächlich geschaffen wurde und bezieht Stellung zur Diskussion um die Wertigkeit von Idee und Skizze in der zeitgenössischen Kunst.

 

Trotz der Unterschiedlichkeit der Medien und der künstlerischen Herangehensweisen, fallen bei einigen Arbeiten überraschende Ähnlichkeiten auf. Ceal Floyer hinterlässt im Ausstellungsraum eine weiße Linie, die mit einem Markierungsgerät in fünf Minuten auf den Boden gemalt wurde und deutet so auf die zeitliche Dimension ihrer Arbeit hin. Durch das erneute Abschreiten kann der Besucher die Dauer der Entstehung prüfen.

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Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Annette Kelm, die den Mund der Kuratorin fotografiert und dadurch eine Person involviert, die die nur fünf minütige Entstehungsdauer bezeugt. Die Künstler Thomas Demand und Thomas Rentmeister haben für diese Ausstellung für sie ungewöhnliche Arbeiten geschaffen. Demands Fotografie wirkt wie eine seiner eigentümlichen, am Computer gebauten Arbeiten. Sie zeigt eine Hoteltür, an deren Klinke ein rotes einfarbiges Schild hängt. Tatsächlich aber handelt es sich um eine wirkliche Fotografie, wodurch sich die für seine Arbeiten typische Irritation ins Gegenteil umkehrt.

 

Auch Rentmeister verändert seine meist langwierige Arbeitsweise und schafft in kürzester Zeit eine raumgreifende Installation aus unzählbar vielen weißen Objekten. Die Arbeiten Albrecht Schäfers und Ulla von Brandenburgs sind hingegen thematisch durch das Sichtbarmachen von Unsichtbarem verknüpft. Albrecht Schäfer klemmt in seiner Installation zwei Dachlatten zwischen Decke und Boden und lenkt die Aufmerksamkeit auf nicht sichtbare Strukturen im Raum. 

 

Ulla von Brandenburg filmt einen kugelförmigen Spiegel, wodurch der Schöpfer der Arbeit zu Beginn und am Ende des Films sichtbar wird.

 

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Die Ausstellung besticht durch die Qualität der Arbeiten und eine liebevolle Inszenierung. Leider ergeben sich für den Besucher an einigen Positionen Unklarheiten. In dem Begleittext erhält er zwar Informationen über die Idee der Ausstellung, allerdings bleiben ihm die versteckten Bedeutungen der Kunstwerke häufig verborgen, vor allem auf Grund der Dominanz konzeptioneller Arbeiten. Fast ironisch wirkt in diesem Zusammenhang die Aufforderung Robert Barrys gleich zu Beginn der Ausstellung, für fünf Minuten über die unsichtbaren Aspekte der visuellen Kunst in der Ausstellung nachzudenken. Hoffen wir, dass der Besucher diese Aufforderung nicht allzu ernst nimmt und diesen Prozess durch Diskussionen oder sich anschließende Recherchen verlängert.

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Des Weiteren befindet sich in den Kunstwerken eine Präsentation herausragender Experimentalfilme des Filmemachers Lutz Mommartz. Die zwischen 1967 und 1975 entstandenen Arbeiten leben besonders von ihrer humorvollen Leichtigkeit und einem spielerischen Umgang mit der Kamera. Schlussendlich können die Besucher noch einen Blick in das neu eröffnete Hotel Marienbad wagen, das von ihren ersten Gästen, der Künstlergruppe Marienbad, eingerichtet wurde. Der Name und das am Eingang angebrachte Neonschild stammen von dem schottischen Künstler Douglas Gordon.

 

 

 

 

Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag 12 - 19 Uhr
Donnerstag 12 - 21 Uhr

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