Ausstellungsbesprechungen

Adam Fuss, Vom Leben und Tod

Er experimentierte mit einer Lochkamera herum als zufällig sein erstes Fotogramm entstand - es sei dahin gestellt, ob man an so etwas wie den Zufall glaubt. Inzwischen zählt Adam Fuss zu den international anerkanntesten Fotokünstlern. Unter dem Titel „Leben und Tod“ widmet ihm nach dem Museum of Fine Arts in Boston auch die Kunsthalle Bielefeld eine Ausstellung.

Es sind 60 Arbeiten von Mensch und Tier von kitschig bis provokant von schwarz/weiß bis bunt, die zur Zeit den Ausstellungsort in einer tempelähnlichen Atmosphäre wiegen. Eine spirituelle Aura erwartet den Besucher, wenn die Stufen zur 2. Etagen hinter ihm liegen. Als erstes streckt vor seinen Augen das weiße Kaninchen alle viere von sich. Vielleicht ist es einer von den beiden Kadavern, deren Gedärme auf einem anderen Bild über die gesamte Fläche verteilt sind. Es ist der Tod, in aller Deutlichkeit als Schädel auch in drei weiteren Werken dargestellt.

Ihm gegenüber das Leben, welches von vorn herein jegliche Friedhofsstimmung verbannt. Der Anfang des menschlichen Daseins, der Säugling, der sich auf allen Vieren über das Wasser bewegt. Das Wasser als Lebenselixier. Kreise formen sich auf seiner Oberfläche. Das Wasser als Element. Es drückt die Verbundenheit Fuss\' zur Natur aus, die er schon im Kindesalter wahrnahm. Mit dreieinhalb Jahren fotografierte er sein Kindermädchen, das einen Vogel zum Landen auf ihrer Hand bewegen wollte. Die hochfliegenden Zweibeiner wie auch der aufsteigende Rauch faszinieren den Künstler bis heute. Was entschwindet, versucht er auf Fotopapier zu bannen. Was gen Himmel neigt, fixiert er auf seinen Bildern.

Zweifellos kann nicht alles gefallen. Die Sonnenblumen beispielsweise sind schwierig einzuordnen. Die Kleider und Schmetterlinge hingegen wirken sehr kitschig, selbst wenn die silbrigen Gewänder für Fuss die Anwesenheit des Todes markieren. Doch es scheint, als könne das eine Bild nicht ohne das andere sein. Den Eindruck von einem Werk nimmt der Betrachter mit zum nächsten. Er befindet sich in einem Kunsttempel.

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