Ausstellungsbesprechungen

Adolf Fleischmann zum 40. Todesjahr. Erinnerung an eine Stiftung - Staatsgalerie Stuttgart, bis 22. Februar 2009

Etwas unvermittelt stößt man in der Stuttgarter Staatsgalerie auf Arbeiten von Adolf Fleischmann (1892–1968), dessen 40. Todesjahr Anlass für die kleine Schau mit rund 40 Bildern, darunter Collagen und Zeichnungen, ist. Schade, dass sich für diese Kabinett-Ausstellung par excellence im Haus kein wirkliches Kabinett finden ließ. So kann man diese ohnehin schon unscheinbaren Meisterwerke eher beiläufig zur Kenntnis nehmen. Dabei lässt sich kaum ermessen, welch unterschwellige Wirkung von ihnen ausging. Fleischmann konnte dieses Phänomen wohl selbst nicht fassen. »Damals«, schrieb er 1965, »als ich diese Malerei begann, hatte ich keine Ahnung, dass ich einmal der Papa einer ganzen Bewegung sein würde.« Die Rede war von der Op Art, zu der er sich zurecht nicht zählen wollte, die in ihm jedoch einen Vorläufer sah. Was ihm gelang, war lediglich eine Illuminierung und Musikalisierung des Konstruktivismus – allein Paul Klee ist dies schon früher ein Anliegen gewesen.

Wenn die Staatsgalerie nun des Malers gedenkt, ist das auch eine Referenz an Fleischmanns Frau Elly, die 1976 fast 20 Blätter ihres Mannes stiftete, die das Haus veranlassten, die Sammlung um weitere Arbeiten zu erweitern. Gerade das auch hier präsente frühe Werk ist wegen schmerzlicher Kriegsverluste ein bedeutender Zeuge für das vielseitige Schaffen des Künstlers. Schier unerschöpflich war das Spiel der Farb- und Formrhythmen. Elly Fleischmann berichtete, er habe »eine unglaubliche Phantasie [gehabt]. Ich habe ihn manchmal gefragt, ob ihm die Art seiner Malerei [nach 1950] nicht langweilig würde. Da hat er mich ausgelacht und mir gesagt, er habe noch so viele Formen im Kopf, dass es für zwei Leben ausreiche.« Tatsächlich hat die abstrakte Kunst der figurativen voraus, dass sie ihr Form- und Farbrepertoire unendlich fortsetzen kann, ohne je an Grenzen zu gelangen. Vor der Gefahr einer monotonen Rhythmisierung, einer anderen Art der Wiederholung, war Fleischmann dadurch gefeit, dass er an der traditionellen Malerei festhielt: Der Pinselstrich sollte genauso erkennbar bleiben, wie die Handzeichnung bei Verzicht auf Lineal oder Abklebbänder eine lebendige Vibration mit sich brachte, die den Künstler von den Konstruktivisten wie den Op-Art-Malern unterschied. Vor allem in seinen grandiosen Abfolgen senkrechter Striche, die dem rechteckigen Format kaum merklich ein Oval einschrieben, hat Adolf Fleischmann Werke von bleibender Schönheit geschaffen, geistvolle Utopien, die ohne jegliches revolutionäres Pathos auskamen. Wohl glaubte der Hölzel-Schüler nicht an die Visionen einer neuen Welt, die sie sich hinter etlichen konstruktivistischen Arbeiten aufdrängten. Dagegen setzte er beharrlich auf eine poetische Stille, die doch auch so manch Tröstendes vor einem finsteren biographischen Hintergrund hatte. Dies lässt sich zumindest vor Bildern erahnen, die der Farbe eine grauschwarze oder blaugraue Schicht unterlegen – Reflexe, die daran erinnern, dass er als Vertriebener der Nazis eine lange Odyssee antrat, die ihn schwerkrank erst 1965 endgültig in seine schwäbische Heimat zurückbrachte.


 

Weitere Informationen

Öffnungszeiten
Mi, Fr, Sa + So: 10 – 18 Uhr
Neu: Di + Do 10 –20 Uhr
Mo geschlossen

Katalog
Zur Ausstellung ist ein Katalogheft erschienen.
Corinna Höper: Adolf Fleischmann zum 40. Todesjahr - Erinnerung an eine Stiftung. Ladenpreis 9,80 €
Diese Publikation ist leider nur über das Museum zu beziehen.