Porträts

Angela Junk-Eichhorn über Simon, Julius und Thilo

Haker: Mit figurativer Malerei haben Sie sich während des Studiums bei Klaus Arnold auseinandergesetzt. Später malten Sie abstrakt. Als ich nun Ihren Beitrag zur Ausstellung in der Hildapromenade sah, konnte ich kaum glauben, vor einem Bild von Ihnen zu stehen. Sie malen drei Figuren. Woher kommt dieser für den Betrachter plötzlich erscheinende Wandel zurück zur Figur?

Junk-Eichhorn: Eigentlich habe ich mich gar nicht so weit entfernt von meinen bisherigen Werken. „Simon, Julius, Thilo“ ist zwar figurativ aber auch eine Art Collage. Und das ist ja eigentlich das Grundvorgehen in meiner Arbeit. Ich arbeite mit fertigen Dingen, die mir entgegengebracht werden oder eben da sind. Diese sind dann die ersten Schablonen oder Formen auf der Leinwand und fordern wieder etwas anderes heraus, eine Reaktion. Man muss sich also anschauen: Wie ist „Simon, Julius, Thilo“ entstanden?

Haker: Und wie ist es entstanden? Inwieweit ist das Bild eine Collage?

Junk-Eichhorn: Als wir Künstler den Titel der Ausstellung genannt bekamen – „Go West“ – assoziierte ich damit sofort „Herausforderung“, „Abenteuer“ und „in die Welt raus gehen“.

Die drei Jungs kenne ich und die Namen im Titel sind ihre realen Namen. Der rechte ist mein Sohn und der Linke mein Neffe. Die Zwei sind sehr eng befreundet und haben sich gemeinsam die Nächte um die Ohren geschlagen. Sie versprühen Abenteuerlust, Neugier, und sie wollen die Welt erobern. Deswegen kam ich auf die Idee, dass die Plakatwand ein Porträt von den beiden sein sollte. Der Dritte in der Mitte ist jünger. Er ist der Sohn einer Freundin und erst später dazu gekommen, um das Trio zu vervollständigen.

Um nun auf die Collage zu kommen: Wie ich sonst die Form gegeben habe, habe ich jetzt ein Gesamtgeschehen. Die Jungs waren das Gegebene. Ihre Art und ihr Auftreten, das inspirierte mich und damit habe ich gearbeitet. Ich hatte das Bild und das was entsteht vorher nicht im Kopf, sondern das Bild ist erst mit ihnen entstanden.

Haker: Betrachtet man das Bild, scheint Julius, der Mittlere, nicht ganz zu den beiden Äußeren zu passen. Weshalb haben Sie ihn ausgesucht?

Junk-Eichhorn: Ja, er passt nicht da hin. Aber mir ist kein Besserer eingefallen. Er hat eine andere Art. Seine Jugend hat mich fasziniert. Zuerst war es so, dass er genauso stand wie die anderen. Doch die Arme bei ihm waren irgendwie verkrampft. Also habe ich gesagt, er soll sich zu Hause fotografieren lassen. Das hat er gemacht und auf diesem Foto waren die Arme verschränkt. Ich dachte: Sieh an! Das ist dann wohl seine Haltung. Er geht anders in die Welt. Da ist noch ein Schutz; das Verschränken ist ja ein „sich schützen“. Das fand ich sehr interessant.

Haker: Hatten Sie nur Fotos der Jungen als Vorlage?

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Junk-Eichhorn: Nein. Die Köpfe sind vor dem Modell entstanden. Ich sollte dazu sagen, dass wenn man ein Gesicht nimmt und malen will ist es in dem Moment so: Ich male ja nicht ein Gesicht, sondern das Modell ist eigentlich eine Hilfe, wie man die Farben anordnet. Ich orientiere mich an dem, was ich sehe, wie ich die Farben setze. Ich male immer sofort und zeichne nicht vor. Ich fange einfach an mit einem Pinsel Farben zu setzen und das Gesicht entsteht. Deswegen ist es in dem Moment egal ob es ein Gesicht ist oder sonst etwas.

Haker: Demnach haben Sie nur die Gesichter direkt vom Modell gemalt?

Junk-Eichhorn: Nein. Bei den Kleidern habe ich zwar vom Modell angefangen, dann aber mit Fotos weitergearbeitet. Denn hier ging es mir ja gar nicht um Genauigkeit.

Haker: Warum haben Sie darauf verzichtet, das Holz der Plakatwand gänzlich zu bemalen? Es scheint noch überall hervor.

Junk-Eichhorn: Das Holz war Farbe für mich in dem Moment. Ich fand es interessant, wie sich die Figuren aus dem Grund entwickelten. Wenn man es so will, ist es wie bei Michelangelo, der die Figur aus dem Stein herausschlug und sagte, sie wäre bereits drin. Die Figuren der Jungs waren im Holz drin und haben sich allmählich herausgelöst. Aber ich wollte sie nicht völlig herauslösen, sondern schon noch gebunden haben. Wenn die Drei in die Welt hinaus wollen, haben sie dafür ihren blauen Raum – dafür steht das Blau im Bild.

Haker: Da fällt mir gleich auf, dass bei Ihrem Sohn, ganz rechts, so gut wie gar kein Blau vorhanden ist. Wollen Sie ihn nicht in die Welt lassen?

Junk-Eichhorn: Es ist schon Blau vorhanden. An der rechten Seite.

Haker: Ein bisschen, ja. Aber lange nicht so viel wie bei den anderen. Weswegen?

Junk-Eichhorn: Jetzt muss man sagen, das Bild von Thilo war ursprünglich links gedacht und Simon war rechts gedacht. Dann hätte es anders ausgesehen. Das Blau wäre zusammengegangen und hätte Thilo erreicht. Beim aufstellen habe ich gesehen, dass eine bessere Spannung entsteht, wenn ich die beiden wechsele. Es bestand dann dieser harte Bruch zwischen dem Blau und dem Holz.

Haker: Wann war für Sie klar, dass das Bild fertig ist?

Junk-Eichhorn: Da muss ich sagen, ich habe eher das Gefühl, nicht fertig geworden zu sein. Mir ist  nachher die Zeit weggerannt. Ich würde gerne noch ein wenig weiter malen und weiß auch noch nicht, ob das Bild im Gesamten so bleibt.

Bei den Köpfen war es eindeutiger. Die habe ich in ein paar Sitzungen gemalt, und es war hier ziemlich eindeutig, dass es der Sache nichts mehr bringt, wenn ich noch weiter mache. Ich habe eine Konzentration erreicht, die ich nicht verbessern kann.

Haker: Ich bedanke mich für das nette Gespräch.


Dieses Porträt entstand im Rahmen der von Dr. Kirsten Claudia Voigt geleiteten Übung „Künstler im Porträt, eine Schreibwerkstatt“ des SS 2005 am Institut für Kunstgeschichte der Universität Karlsruhe.


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