Ausstellungsbesprechungen

Archäologie Land Niedersachsen

Strahlend steht der Regenbogen über der Geest, der Bohlenweg führt tief ins Moor und langsam wandert der Blick über Berge und Hügel an die Küste. Hinter jeder der bogenförmig aufgestellten Landschaftsdarstellungen verbergen sich archäologische Sensationen, denn die Exponate aus 400.000 Jahren niedersächsischer Geschichte wurden zum Teil noch nie gezeigt.

Anlass dieser Ausstellung ist das 25-jährige Jubiläum des Niedersächsischen Denkmalschutzgesetz. Die Ausstellung ist in zwei Schwerpunkte gegliedert. Im unteren Teil werden die Exponate geografisch gegliedert. Auf der Empore werden die Ergebnisse des recht jungen Zweiges der Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit bis in die 40er Jahre des 20. Jahrhunderts präsentiert.

 

Unterfüttert werden die Ergebnisse noch von der Archäometrie, dem Labor der Kriminalisten unter den Geschichtswissenschaftlern, wie die Arbeit der Archäologen auch bewertet wird.

 

 

Die Landschaften im Kurzüberblick:

 

Der Harz

In den Bergen des Harzes spielt natürlich vor allem die Montanarchäologie eine tragende Rolle. Da die vielen Höhlen aber auch Begräbnisstätten von Tier und Mensch waren, kommen besonders die Paläontologen zu ihrem Recht. In der Einhornhöhle wurden völlig neue Erkenntnisse über ihre eiszeitlichen Bewohner gewonnen, während in der Lichtensteinhöhle den Anthropologen mittels DNA-Analyse die Erstellung eines faszinierenden Stammbaumes einer Großfamilie gelang.

 

Berg- und Hügelland

Dieses Gebiet zeichnet sich durch eine waldreiche Landschaft mit Tälern, Becken und Höhenzügen aus. Das Leinetal und das Eichsfelder Becken waren auf Grund ihrer Fruchtbarkeit seit der Jungsteinzeit besiedelt und der Rohstoffreichtum sorgte im Mittelalter für die Ansiedlung vielfältiger Werkstätten, Glashütten und Töpfereien.

Einer der berühmtesten Orte der archäologischen Denkmalpflege in Niedersachsen ist sicher Kalkriese – der Schauplatz der Varus-Schlacht im Teutoburger Wald.

 

Bergvorland

Die Hünenburg bei Watenstedt und die Rekonstruktion von Kampfhandlungen um 1279 herum bilden die Höhepunkte im Bereich der Börde. Die ältesten Speere die je gefunden wurden, geben Raum für völlig neue Erkenntnisse.

 

Die Geest

Hier in der niedersächsischen Tiefebene wurde eines der spannensten Kapitel der Archäologie Niedersachsens geschrieben.

 

Das berühmte Bernsteintier von Weitsche wurde jahrelang auf Grund seiner Körperform für ein Pferd gehalten. Vor kurzem wurde nun der Kopf gefunden – und belegt eindeutig, dass es sich um einen Elch handelt. Die Bernsteinfunde gelten als die ältesten Kunstobjekte Niedersachsens.

Die Geest wird in ihrer Struktur von Großstein- und Flachgräbern geprägt. Diese lassen darauf schließen, dass die Menschen sesshaft wurden. In Niedersachsen geschah dies im 4. Jahrtausend v.Chr. und damit immerhin 1000 Jahre später als im Süden.

 

Datierungen mit Thermoluminizenz und Radiokarbon

Bei der Thermoluminizenz wird gemessen, inwieweit sich durch Sonne gebleichte Quarze wieder mit Lichtenergie (Luminizenz) aufgeladen haben. Der Wert gibt an wie viel Zeit seit der Bleichung verstrichen ist.

 

Bei lebenden Organismen wird mit Hilfe des C14-Gehaltes Rückschlüsse auf den Todeszeitpunkt getroffen und damit auf das Alter der Fundstücke.

 

Das Moor

Typisch für das Moor, seit Jahrtausenden für die Menschen Gefahr und Lebensraum zugleich, sind die Wege die der Mensch seit der Jungsteinzeit durch die sumpfige und brackige Landschaft schlägt.

 

Beim Aufspüren der Spuren wird die geophysikalische Prospektion angewandt. Mit Geo-Radar, Luftschall-Reflexionsseismik und geoelektrischen Verfahren wird der Verlauf von Moorwegen, Torfmächtigkeiten und die Topografie des unter dem Torf befindlichen mineralischen Untergrundes erkundet.

 

Dabei dringt man auch in das Alltagsleben der Jungsteinzeit ein. Als Beispiel dient die Rekonstruktion eines jungsteinzeitlichen Wagens. Mit der gleichzeitigen Ausstellung der Fundstücke lässt sich der Nachbau vergleichen und nachvollziehen.

 

Das Küstenland

Durch die besonderen klimatischen Verhältnisse ist vor allem ein reicher Schatz an organischen Materialien wie Holz, Leder und Knochen überliefert.

 

Damit sind besonders die Disziplinen Archäozoologie und Archäobotanik angesprochen.

 

Die Grabbeigaben aus einem der Bootsgräber an der Fallwart bei Wremen können zu Recht als bemerkenswert eingestuft werden. Fußschemel, ein prunkvolles Gefäß in Vogelform aus Holz, ein Tisch und vor allem ein Prunkstuhl, ausgestellt als Repliken, die Originale sind zu empfindlichen. Die Eindrücke aus dem Leben des 5. Jahrhunderts werden dadurch nicht geschmälert, sondern dem interessierten Betrachter besonders plastisch vor Augen geführt.

 

Burgen, Schlösser, Stadtarchäologie

Auf der Empore des Forums wird ein wichtiger und relativ junger Zweig der Archäologie vorgestellt -  die Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit, mit einem Schwerpunkt auf der  Stadtarchäologie. Hier ist das Miteinander von Schriftquellen und Ausgrabungen am engsten. Zum einen geben die schriftlichen Quellen Aufschluss darüber, wo man graben sollte, zum anderen verifizieren oder auch korrigieren die Ausgrabungen bisherige Annahmen.

Sehr neu ist das Gebiet der 40er Jahre des vergangen Jahrhunderts, wo Geschichte und Archäologie sich bei der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Zeit.

 

Des weiteren werden die Themen Burgen, Schlösser und Kirchen detailliert dargestellt. Die Abbildung eines Lackprofils (der Querschnitt durch die Erdschichten), unterhalb der St. Amandus-Kirche in Papenburg zeigt sehr deutlich, wie faszinierend die Arbeit eines Archäologen sein kann.

 

Fazit

Mit dieser Ausstellung ist es dem Landesmuseum gelungen, Archäologie für alle Altersklassen spannend zu präsentieren. Das die Archäologie keine verstaubte Wissenschaft ist, wird mit dieser Ausstellung eindrücklich belegt.

Allerdings braucht man viel Zeit, die gesamte Ausstellung zu erfassen und gerecht zu würdigen. Aber durch das sehr moderate Eintrittsgeld steht einem zweiten oder auch dritten Besuch nichts im Wege.

Weitere Informationen

Ausstellungsdauer
21. April 2005 bis 31. Juli 2005

 

Öffnungszeiten
Dienstag-Sonntag 11:00-18:00 Uhr, Donnerstag 11:00-20:00 Uhr sowie 01.05.2005, 16.05.2005; 05.05.2005 bis 18:00 Uhr
Montag sowie 15.05.2005, 17.05.2005 und 03.07.2005 geschlossen