Ausstellungsbesprechungen

art Karlsruhe 2004

Gestern ist die erste art Karlsruhe, die neue, internationale Messe für Moderne Kunst in Baden-Württemberg, auf dem Messegelände vor den Toren der Stadt eröffnet worden. Dort präsentieren 82 Galerien aus neun Ländern in einer der neu gebauten, lichtdurchfluteten, säulenfreien Messehallen auf rund 13.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche vier Tage lang Kunstwerke von der Klassischen Moderne bis zur Kunst der Gegenwart.

Gut ins Messegeschehen integriert setzen elf Skulpturen-Plätze genauso konzeptionelle Schwerpunkte wie One-Man- und One-Woman-Shows. Durch die Möglichkeit einer eindeutigen Positionierung der Galerien über einzelne Künstler geben sie der Veranstaltung ein eigenes Profil.

 

Auch die Präsentationen in der Aktionshalle tragen zur Profilierung der Messe bei. Dort gezeigte Sonderschauen wie „Kunst nach 1945“ (Sammlung Hurrle, Durbach) und „Positionen aus 25 Jahren Kunstförderung“ (Kunststiftung Baden-Württemberg) bekunden das kreative Potenzial der regionalen Kunstszene. Ihren internationalen Anspruch drücken die Ausstellungen der Projektgruppe „MOMAK – Museum of media and Art Kabul“ und des Karlsruher Centre Culturel Franco-Allemand aus. Als Partnerland hat die art Karlsruhe Frankreich gewählt und das Gastland auf der diesjährigen Messe ist Süd-Korea.

 

Wichtige Händler fehlen auf der art Karlsruhe, 20 Prozent der Galeristen kommen aus dem Ausland, mehr als die Hälfte aus dem Bundesgebiet und ein Viertel aus Baden-Württemberg. Mit ihnen sind Künstler vertreten, die von ihrem Werdegang her mit Karlsruhe verbunden sind. Dabei zeigt die Messe mit den Galerien artpark (Seoul), Multiple Box(Hamburg), völcker & freunde (Berlin) sowie Westenhoff & Schwarzer (Hamburg/Düsseldorf) in vielerlei Hinsicht bemerkenswerte Beiträge von Künstlern wie Georg Baselitz, Werner Bokelberg, Moo-Hyoung Kwon oder Max Liebermann. Provokatives oder Herausforderndes ist ihre Sache aber nicht: Die Veranstaltung dokumentiert weitgehend pflegeleichte Positionen.

 

Die art Karlsruhe ist als ein Imageprojekt konzipiert und soll der Stadt bei ihrer Bewerbung als Europäische Kulturhauptstadt 2010 Wettbewerbsvorteile verschaffen. Dass sie bei einer erwarteten Besucherzahl von etwa 12.000 bis 17.000 und bei einer gegenwärtig wachsenden Kauflust unter Kunstsammlern ein wirtschaftlicher Erfolg wird, ist wahrscheinlich. Auf jeden Fall beweist die neue Messe, dass Karlsruhe keine Stadt von Kunstweltrang ist, und macht das durch ein freundliches Klima und perfekte Organisation wett. So kommen interessierte Besucher hier voll auf ihre Kosten.