Ausstellungsbesprechungen

Bernard Buffet: Maler

Das Frankfurter Moderne Museum betreibt einmal mehr Tiefgrabungen. Im vollen Bewusstsein, dass ein Teil der kunstinteressierten Öffentlichkeit entsetzt sein würde über eine Ausstellung von Werken des französischen Künstlers Bernard Buffet, vertrauten die Ausstellungsmacher auf den anderen Teil, der hier die Möglichkeit gesehen hat, einen wichtigen Künstler wieder zu entdecken.

Den einen gilt er als oberflächlich mit Hang zum Kitsch, die anderen sehen in ihm einen Pop-Artisten mit anderen Mitteln, dessen Produktion derart überbordete, dass man zwar den Eindruck nicht los wird, einzelne Arbeiten fast déjà-vu-haft gespeichert zu haben, aber doch vor einer Fülle von geschätzten 8000 Gemälden nur kapitulieren kann, auf denen die Zeitgenossen von fünf Jahrzehnten wie die Eulen, Alltagsgeräte und Autos so aussehen wie die spitz hochgereckte Signatur. Rund 60 Arbeiten machen jetzt in Frankfurt Lust auf mehr, was der Katalog noch unterstreicht, der scheinbar mit Bedacht verspätet erschien: Udo Kittelmann greift denn auch im Vorwort die kontroversen Positionen zu Beginn der Schau auf – ein geschickter Schachzug, denn so nahm er den Kritikern den Wind aus den Segeln. Das Museum für Moderne Kunst wusste, was es tat.

 

Buffet war Autodidakt, und ob nun gespenstische Mensch-Tier-Szenerien, nackte oder bekleidete Menschen, Porträts oder Allerweltsgesichter auf der Leinwand zu sehen sind: Immer sind es letztlich Selbstporträts eines Menschen, der nicht wirklich glücklich gewesen sein konnte und der sich am Ende eines langen Lebens – 1928–1999 – das Leben nahm angesichts einer sich verschlechternden Parkinson-Erkrankung.

 

Wie immer man zu dem Werk steht, es entstand eine Reihe von Bildern, die wie Chiffren ihrer Zeit wirken: Clowns, Eulen, Waffenschützen usw. Mit seinem »Engel des Krieges« rückt Buffet formal sogar nahe an Picassos »Guernica« heran, ohne freilich dessen Größe zu erreichen.

 

Es ist eine tragische Verquickung von Zeitumständen gewesen, dass Bernard Buffet, einst durchaus häufiges Ziel der Feuilletons, in weitestgehende Vergessenheit geriet. Nach dem Besuch der späten, ja: auch überfälligen Frankfurter Retrospektive ertappt man sich dabei, wie man erleichtert aufatmet: A painter is back! Heute können wir in ihm einen Existenzialisten feiern, der weit über seine Zeit hinaus die Befindlichkeiten der Menschen auf den Punkt genau darzustellen imstande war, der traumhaft zu inszenieren vermochte; mit seinen teils unheimlichen Psychogrammen, die gerade durch ihre Untiefe beklemmend wirken, tritt er auch als Nachfolger der Surrealisten zu tage. Unbeirrt ging er seinen Weg, auch als die abstrakten Zeichen der Zeit und die Erweiterungen der Kunstwelten um multi- und intermediale Deutungsmuster den Millionär, der es gar nicht nötig hatte, mit den Wölfen zu heulen, ins Abseits führten. Wie man nun sieht, sind jedoch die Trassen breit genug, dass die Malerei Bernard Buffets erstaunlich gut im Rennen um die Kunstlorbeeren bestehen kann. Mehr noch: Zwischen scheinbar harmlosem Uhu – in der Ausstellung auf niedlichem rosafarbenem Wandhintergrund – und drastischer Kreuzigungsszene, zwischen melancholischem Clown und skelettiertem, aber zuweilen kindlich ungezogenem Tod, nicht zuletzt zwischen heimeligen Kleinformaten und beängstigenden Dimensionen öffnen sich schier unendliche Weiten, und die scheinbare Oberflächlichkeit fasziniert in ihrer breiten Fülle.

 

 

Öffnungszeiten

Dienstag, Donnerstag bis Sonntag 10–17 Uhr

Mittwoch 10–20 Uhr

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