Ausstellungsbesprechungen

Bernhard Heiliger, Kosmos eines Bildhauers

Bernhard Heiligers kraftvolle Bildsprache hat die Entwicklung der Plastik nach 1945 geprägt wie kaum ein anderer, zumal seine Arbeiten im öffentlichen Raum eine außerordentliche Präsenz haben – allein in Berlin stehen ein Dutzend Heiliger-Arbeiten. Da auch das Museum Würth im Besitz von nicht weniger als zehn Werken des Bildhauers ist, lag es nahe, in enger Zusammenarbeit mit der Bernhard-Heiliger-Stiftung diese größte je gezeigte Werkschau zu präsentieren, die bereits in noch größerem Format im Berliner Martin Gropius-Bau zu sehen war.

Unter den gezeigten 60 freiplastischen Exponaten sind 12 Großplastiken, dazu kommen Reliefarbeiten sowie Beispiele aus dem reichhaltigen zeichnerischen Werk.

 

Skulpturale Meilensteine wie das »Denkmal für den unbekannten politischen Gefangenen« (1953, Wettbewerbsbeitrag), in ihrer Expressivität atemberaubende Porträts (»Kopf Karl Hofer«) oder auch in bester Tradition von Brancusi, Arp und anderen stehende abstrakte Plastiken machen Heiliger zu einem singulären Künstler, dessen Oeuvre zurecht als Kosmos bezeichnet werden darf. Das Faszinierende in den Arbeiten des »deutschen Moore« ist die gelegentliche Schwerelosigkeit der massigen Formen, die durch ihre elegante Oberflächengestaltung noch den Raum rhythmisieren. »Ein Pulsschlag muss jede Arbeit durchströmen, Energien müssen entfesselt, aber auch wieder beruhigt werden, nicht aber erstarren.«

 

1915 geboren, fand der einstige Schüler von Arno Breker – die Ausstellung spart die frühen Arbeiten unter dem Einfluss von Hitlers Starbildhauer weitgehend aus – erst mit 30 Jahren die Freiheit, seinen letztlich abstrakten Stil zu finden, dem er bis zu seinem Tod 1995 treu blieb. Frühe Begegnungen mit Aristide Maillol und Richard Scheibe sensibilisierten den angehenden Künstler allerdings schon bald für die gezielte Oberflächenspannung als Charakterzug der Plastik schlechthin. Zusammen mit Kricke und Uhlmann, Mataré und Wotruba brachte Heiliger die Gattung im deutschsprachigen Raum auf internationales Niveau – als angemessene Würdigung seiner Arbeit winkten im nicht nur eine Professur in Berlin, sondern auch die Teilnahme an der Documenta 1955, 1959 und 1964 sowie an der Biennale in Venedig 1956.

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Im Zentrum steht, so macht der emphatische Ausstellungstitel deutlich, der stein- oder auch metallgewordene Kosmos eines Bildhauers. Dass Heiliger selbst dieses Vokabular vor Augen hatte, zeigt – neben volltönenden Werknamen wie »Die Flamme« (1962/63) – ist es etwa die Gruppe »Kosmos 70« (1963–70), die teilweise gezeigt wird: das Original hat die imposanten Maße von 900 x 1514 x 388 cm und befindet sich im Besitz der Sammlung des Bundestages. Das Schicksal des Objekts ist bislang noch nicht geklärt: Im neuen Reichstag sollte die Arbeit Platz finden, nur erwies sich Fosters dafür vorgesehener Ort als zu eng.

Ausnahmsweise lag der Katalog nicht in den Händen des Swasidoff-Verlags. Da die Schau eine Übernahme ist, hat de Wienand Verlag die Regie übernommen. Heraus kam ein erschöpfender Band, der keine Frage offen lässt, zumal das angehängte Werkverzeichnis das Buch zum Standardwerk macht.

 

 

Öffnungszeiten

Täglich 10–18 Uhr

 

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