Ausstellungsbesprechungen

China macht Druck. Zeitgenössische chinesische Druckgrafik

An China kommt man nicht vorbei – wirtschaftlich schon lange nicht mehr (dafür wird manche Menschenrechtsverletzung wohlfeil übersehen), sportlich rüsten die Recken aus Fernost gerade auf, um zu den Olympischen Spielen gut da zu stehen – und seit wenigen Jahren kann kaum noch eine Ausstellung mit globalen Positionen auf chinesische Teilnehmer(innen) verzichten: und die sind nicht die schlechtesten Exportschlager.

In Bietigheim-Bissingen präsentieren sie ihre Grafik, in einer Breite, die sämtliche Skepsis über freie künstlerische Kunstausübung nahezu verstummen lässt. Von der Abstraktion harter Ecken (Liu Wentao) bis zu überraschend realistischen Elementen (Zeng Hao), von der Ironisierung sowohl der Propagandakunst (Wang Guanyi) wie auch der westlichen Kultur (Zeng Fanzhi).

 

Überhaupt dominieren die witzelnden Motive, mit zynischer, sarkastischer oder auch nur humorvoller Nuance – ob das dem Gesamtbild der chinesischen Grafik entspricht, lässt sich nur schwer von hier aus sagen. Aber wir begegnen diesem Phänomen auch im Bereich der Malerei. Allerdings haben die grandiosen zeichnerischen Siebdrucke von Ye Yongqing, die sich mit scheinbar naivem Strich ganz selbstbewusst-ernst geben, keineswegs Alibifunktion. China macht Druck – der Titel der Bietigheimer Schau ist doppeldeutig. Zwar kann die Kunst kaum die Gesellschaft in Ostasien verändern, aber womöglich ist sie Zeichen dafür, dass diese bereits im Ändern begriffen ist. Und dass das System nicht allein hymnisch bejubelt wird, ist schlichtweg gut zu wissen. Übrigens auch, dass die westliche Kunst nicht die Kopierschablone abgibt. Nein, es gibt eigenes, beeindruckendes Potential. Davon zeugen zum einen die Lachfratzenmenschen von Yue Mingjun, die in halber Bestürzung, halber Genugtuung sich nach beiden Seiten absetzen, zum anderen Künstler wie Zeng Fanzhi, die drastisch auf eigene Positionen pochen: In »The Last Supper« wird Leonardos Abendmahlszene zum theatralischen Bühnenwerk, was die westliche Tradition als überholt entlarvt. Außerdem führt sie asiatischen Betrachtern vor Augen, – eine Melone ist soviel und sowenig wie Brot – dass die eine Tradition der anderen fremd bleiben wird.

 

Es war nicht einfach, die Ausstellung in der bestehenden Form nach Bietigheim Bissingen zu holen. Tatsächlich stellten sich die chinesischen Behörden hier und da quer, manches von den 130 Exponaten kam auf Umwegen nach Deutschland. Kontrovers diskutiert wurde auch Xu Bing, der vor über 15 Jahren in Ungnade gefallen war, mittlerweile in Amt und Würden steht – seine Kunst zeigt sich in der Bietigheimer Schau als historischer Rundumschlag. Insgesamt darf man davon ausgehen, dass hier tatsächlich ein ganz bedeutender Beitrag der chinesischen Kunst zur Druckgrafik gezeigt wird, die in einzelnen Techniken ja auch in Asien ihren Ursprung genommen hat.

 

Die Künstler im einzelnen: Fang Lijun, Hou Chun-ming, Kang Jian Fei, Liu Wentao, Liu Ye, Lu Hao, Ren Rong, Song Yonghong, Su Xinping, Tan Ping, Wang Guangyi, Xin Haizhou, Xu Bing, Xue Song, Yang Shaobin, Ye Yongqing, Yue Mingjun, Zeng Fanzhi, Zeng Hao, Zhang Xiaogang, Zhou Chunya, Zhou Tiehai.

 

 

 

Öffnungszeiten

Dienstag bis Freitag 14–18 Uhr

Donnerstag 14–20 Uhr

Samstag/Sonntag 11–18 Uhr

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