Kunstspiele-Rezensionen

Das Prestel Säulenspiel

Zum ersten Mal begegnen sie uns im Kunstunterricht an der Schule. Und im Kunstgeschichts- oder Architekturstudium führt absolut kein Weg an ihnen vorbei.

Die Rede ist von den klassischen Säulenordnungen. Thomas Fackler hat ihnen nun ein kurzweiliges Kartenspiel gewidmet – und auf diesem Weg lernt jeder spielerisch leicht, wie sich dorische, ionische und korinthische Säulen voneinander unterscheiden und was es mit Basis, Schaft und Kapitell auf sich hat.

Prestels Säulenspiel besteht aus 54 Karten. Man kann es alleine, zu zweit, oder mit drei bis vier Spielern spielen. Drei Spiele in einem. Eine informative Broschüre erklärt nicht nur die Spielregeln, sondern liefert auch kunsthistorisches Hintergrundwissen: Was ist ein Abakus? Was sind Kanneluren – und was ein Echinus? Ein kurzes Glossar klärt diese und andere Fragen, deren Antwort für das Spiel selbst –  keine Sorge! – allerdings nicht benötigt wird.

Allein gespielt wird Prestels Säulenspiel zu einer netten Variante der Fächer-Patience. Das Spiel zu drei oder vier Spielern verläuft temporeich, am interessantesten, weil: abwechslungsreichsten jedoch ist das Kartenspiel bei zwei Spielern. Aber gerade hier hätte man sich eine etwas ausführlichere und klarer formulierte Spielanleitung gewünscht. Auf den Karten, deren quadratisches Format etwas gewöhnungsbedürftig ist, ist jeweils die Basis, der Schaft oder das Kapitell einer der Säulenordnungen zu sehen. Im Wesentlichen geht es nun in allen drei Varianten um das schnelle und richtige Zusammen- bzw. Anlegen der Säulenteile. Dabei kommt es weniger auf Strategie, sondern in erster Linie auf das richtige Kartenglück und das schnelle Erkennen freier Anlegeplätze an.

Der renommierte Spieleautor Thomas Fackler zeigt, dass auch aus einem scheinbar so trockenen Stoff wie den klassischen Säulenordnungen eine nette Spielidee herauszuholen ist. Sensationell neu sind die drei Spielvarianten freilich nicht, aber sie variieren geschickt bekannte Karten(ablege)spiele. Einziger Minuspunkt ist die Spielverpackung, die sich, einmal geöffnet, als ausgesprochen unpraktisch erweist.