Ausstellungsbesprechungen

Die Bilder tun was mit mir … - Einblicke in die Sammlung. Museum Frieder Burda, Baden-Baden, bis 20. Juni 2010

Ach ja, die Märchen von heute spielen nicht in verwunschenen Wäldern, die Prinzen sind wahrscheinlich auch nicht mehr, was sie früher einmal waren. Nur gut, dass die Könige zwar keine Kronen mehr tragen, aber zuweilen eine grandiose Kunstsammlung, die es zu verwalten und zu präsentieren gilt. Günter Baumann über die Sammlung Frieder Burda.

Bekanntlich besitzt Frieder Burda rund 850 Arbeiten, die er der Öffentlichkeit in den vergangenen Jahren mit verschiedenen Schwerpunkten in seinem schönen weißen Museum in Baden-Baden auszugsweise gezeigt hat. Das allein wäre nun keineswegs märchenhaft, denn der deutsche Südwesten ist voll mit exquisiten Sammlungen, deren Hausherren die Kunstlandschaften bis in die Provinz hinein füllen, dass sich die Kunsthallen und Staatsgalerien nur die Augen reiben können. Anlässlich der aktuellen Schau »Die Bilder tun was mit mir…« hat sich aber eine veritable Prinzessin gefunden, die Stieftochter Burdas, Patricia Kamp, die mit ihren rund 30 Jahren eine gefühlsbetonte Ausstellung aus dem fast unerschöpflichen Fundus des Vaters entwickeln durfte, wozu ihr – um im Märchenstoff zu bleiben – ein über die Landesgrenzen hinaus bekannter, wenn auch schon etwas betagter Prinz, Jean-Christophe Ammann (Jahrgang 1939), über die Schulter gesehen hat.

Eine solche Chance ist wahrhaftig nicht von dieser Welt: Kamp, die bisher noch nicht fachlich hervorgetreten ist, hat sie genutzt – und eine tatsächlich bezaubernd unbefangene, in manchen Teilen brave, aber durchweg sehenswerte Auswahl getroffen. Natürlich ging sie nicht ganz unschuldig ans Werk: Mit ihrem Studium in Paris, einem Praktikum in einer New Yorker Galerie und dem M.A.-Abschluss in London hat sie Stationen vorgelegt, die sich Menschen vom Lande kaum leisten können. Doch neidlos muss man anerkennen, dass die Zeit sicher nicht allein zum Shopping vertan wurde: Eine Spielwiese wie das Burda-Museum muss erst einmal bespielt werden. Nichts ist zwingend, doch vieles bestechend: Gregory Crewdsons digitaler Druck »Beneath the Roses« und Matthias Weischers titelloses Gemälde eines Straßenautos lassen eine fast elektrisierende Wirkung jeweils einander zuspringen, was weniger gut klappt bei der berühmten, an sich monumentalen »Kerze« Gerhard Richters, die zwischen zwei Riesen-Prints von Axel Hütte an Glanz verliert. Insgesamt bietet die Schau mit Arbeiten von Rauschenberg bis Neo Rauch, von Kiefer bis de Kooning Klassiker bis in die Gegenwart, mit William N. Copley, Douglas Kolk und Nedko Solakov sind Künstler dabei, die noch nicht im Kanon angelangt sind, aber das großartige Gespür des Sammlers und seiner Berater verraten. Patricia Kamp bringt die Werke untereinander recht wach und wacker ins Gespräch, auch das ist eine Kunst, ganz gegen ein Märchenklischee, das besagt, die Erlösung vom Ungemach wäre nah gewesen, wenn man denn danach gefragt hätte. Ohnehin befindet sich das Burda-Museum keineswegs im Dauerschlaf, der findet in Baden-Baden zum Glück woanders statt.

Weitere Informationen

Der begleitende Katalog enthält neben den Exponaten und den notwendigen Informationen ein sehr unterhaltsames Nähkästchen-Gespräch zwischen der Jungkuratorin, Ammann und Burda.

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