Ausstellungsbesprechungen

Farbfeldmalerei, Who’s Afraid of Red, Yellow and Blue?

Ob jemand nun Angst haben muss vor Rot, Gelb und Blau, kann man in Baden-Baden noch nicht einmal sagen: Barnett Newmans berühmtes Thema, das der Ausstellung den Titel entlieh, ist hier nicht zu sehen. Das ist allerdings kein Grund zur Betrübnis – was Karola Grässlin, seit einem Jahr Leiterin der Kunsthalle, unter diesem Schlagwort und zwischen Minimal Art und Farbfeldmalerei zeigt, macht einen grandiosen Eindruck. Neben Arbeiten von Newman sind durchweg Meister ihres Fachs zu sehen:

Dan Flavin, Günther Förg, Ellsworth Kelly, Yves Klein, Imi Knoebel, Morris Louis, Kenneth Noland, Palermo, Stephen Prina, Ad Reinhardt, Gerhard Richter, Mark Rothko und Heimo Zobernig. Nachdem zwei Generationen ihre Farbfeldspuren hinterlassen haben, behauptet niemand mehr ernsthaft, das seien Ergüsse von Anstreicherlehrlingen (die immerhin manche Halbirre dazu verleiteten, Newmans Bilder noch in den 80er-Jahren zu zerschneiden). Statt Angst macht sich die Augenweide breit. Dabei präsentieren sich die »alten Hasen« wie Dan Flavin in einer leuchtenden Lebendigkeit, und die Erben minimalistisch-farbfeldmalerischer Positionen wie Imi Knoebel oder Günther Förg agieren mit einem Selbstbewusstsein, das die Gegenwärtigkeit dieser Kunst unterstreicht. Knoebel scheint übrigens Newmans Frage im Sinn gehabt zu haben, als er einem seiner Werke den Titel »Ich nicht« gab.

 

Grässlin knüpft mit der spektakulären Schau an alte Traditionen des Hauses an, und sie spekuliert mit der Sammlung ihres Museumsnachbarn Frieder Burda, die nicht nur die Ausstellung mitbestückt hat, sondern auch als Schwergewicht in wohlwollender Nachbarschaft gehalten werden will. Der Museumsbesucher profitiert davon, sofern die Stars sich ein derartiges Stelldichein geben wie in Baden-Baden, wo sich die amerikanische und europäische Kunst in der metaphysischen Ausrichtung rangeln. Neben Burda sind so bildstarke Sammler wie Froehlich, Knecht, Weishaupt u.a. mit von der Partie. Und die bringen richtig Farbe in die frisch renovierten Räume der Kunsthalle. Nicht mehr und nicht weniger, denn bei aller Vielfalt dieser exzellenten Auswahl eint die Bilder jene absolute Malerei – fernab von Abbild und Emotion. Und dabei können wir uns eben doch des Gefühls nicht erwehren: Die Sublimierung der Kunst ist – absolut und emotional – faszinierend. Wie sagte Yves Klein: »Für mich sind die Farben Lebewesen, sehr entwickelte Individuen, die sich bei uns, wie bei allem einfügen. Die Farben sind die wahren Bewohner des Raumes.«

 

 

 

Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag 11–18 Uhr

Mittwoch 11–20 Uhr

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