Ausstellungsbesprechungen

Fernand Léger »Paris - New York«

»In neuem Licht« Zeitlebens blieb Fernand Léger (1881-1955) ein bodenständiger Modernisierer, dessen Kunst eine einfache, klare und aber umso stärkere Sprache spricht.

In der Retrospektive »Paris - New York« präsentiert die Fondation Beyeler bis zum 7. September 2008 das Werk des französischen Künstlers aus den Jahren 1912 bis 1955. Im Mittelpunkt steht dabei seine Beziehung zu Amerika und sein Einfluss auf nachfolgende amerikanische Künstler.

Über 100 teils großformatige Werke dokumentieren in der Ausstellung das Leben und Schaffen Légers, der zu den wichtigsten Künstlern der Klassischen Moderne gezählt wird. Den Auftakt bilden die drei Fassungen des Titels »La femme en bleu« aus dem Jahr 1912, die erstmals gemeinsam zu sehen sind. Ihnen schließen sich die Werke unter dem Titel »Contraste de formes« aus den Jahren 1912/13 an, welche von abstrakten Formgebilden aus Gittern und Kuben beherrscht werden. In seinen frühen Werken entwickelte Léger einen Kubismus, der sich besonders durch seine Farbigkeit auszeichnet. Aus Farbflächen und räumlichen Elementen setzte er Figuren und Landschaften systematisch zusammen.

Der Erste Weltkrieg bildet in Légers Schaffen eine Zäsur. Nach dem vierjährigen Kriegseinsatz beginnt er mit »mechanischen Bildern«, die die Geschwindigkeit, Geometrie und Farbe technischer Objekte ins Zentrum stellen. Er möchte nun keine ästhetische »Spiele« mehr spielen, sondern die Dinge des Lebens abbilden. Die moderne Stadt als großer Komplex wurde zu seinem wichtigen Themenspender, dessen visuelle Sprache er in abstrakten Farbfläche einfängt. Léger war stets beeindruckt von diesem dynamischen Ort, an dem sich Menschen, Gebäude und Reklametafeln zu einem bewegten Farbgeflecht zusammenfügen.

Die Faszination an Schnelligkeit und Dynamik lebte Léger, unter Mithilfe seines Freundes Dudley Murphy, 1924 mit dem Experimentalfilm »Ballet Mechanique« aus, der in der Ausstellung zu sehen ist. Dieser gibt einen bewegten Eindruck vom dem, was die Künstler dieser Zeit beschäftigt hat. Mit verschränkten Spiegeln versuchten sie die Dreidimensionalität eines Körpers auf der Fläche zu fassen. Die stakkatohafte Aneinanderreihung der Filmsequenzen greift die Faszination am dynamischen Zeitgeist auf.

Die mechanische Struktur bleibt Légers weiteren Gemälden erhalten. Es ist nicht nur der Rhythmus der Bilder, sondern auch die harten, metallisch wirkenden Formen, die Légers Freude an der Bewegung und dem Fortschritt der Technik illustrieren. Seine Figuren setzte er aus zylindrischen »Bausteinen« oftmals vor einem flachen, abstrakten Hintergrund zusammen. Der vielzitierte kühle, plakative Stil lässt die Figuren wie Skulpturen erscheinen, deren Individualität der Darstellung einer »klassischen Schönheit« gewichen ist.

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In den USA hinterließ Léger 1925 mit einer erfolgreichen Einzelausstellung in New York seine ersten Spuren. Sechs Jahre später reiste er das erste Mal in das große Land, dessen moderner Geist ihn tief beeindruckte. Während des Zweiten Weltkriegs lebte er gar im New Yorker Exil, wo er künstlerisch sehr produktiv war. Dort entstanden viele großformatige Werke zu denen die variationsreichen Fassungen des Bilderkreises »Les plongleurs« gehören. Ihre bunte Gestaltung und die breiten, schwarzen Konturen lassen ahnen, wer diese Ideen später aufgreifen wird. In den gesamten, retrospektiven Ausstellungsverlauf sind einzelne Werke von amerikanischen Künstlern eingefügt, die überraschende Gemeinsamkeiten und Einflüsse deutlich werden lassen. Mit der überdimensionalen Wiedergabe von Details nahm Léger Methoden der Pop Art-Künstler vorweg und sein Medienbewusstsein macht ihn gleichsam zu deren Geistesverwandten.

Später sind es die amerikanischen Künstler, die auf Légers Freude am Fortschritt antworten. In der Ausstellung bringt Roy Lichtensteins »peace through chemistry« diese Verbundenheit ganz repräsentativ zum Ausdruck. Nicht nur der Titel, sondern ebenso Lichtensteins Art, die Gegenstände schwarz konturiert in den drei Grundfarben darzustellen, verweisen unmittelbar auf Légers Werke, die während des Exils entstanden sind. Spürbar nah sind auch die Arbeiten von Ellsworth Kelly, wenn dessen streifenartigen Farbflächen ihr Gegenüber in Légers Werken finden, die das Lichtermeer der Reklametafeln des Broadway illustrieren.

So hat man bisher wahrscheinlich nicht über Légers Bildideen nachgedacht. In der Konfrontation mit der Kunst aus den Sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts werden Gemeinsamkeiten offenbar, die Légers Werke in einem neuen Licht erscheinen lassen.
 

 

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Mittwoch 10-20 Uhr