Ausstellungsbesprechungen

Frischzelle 13: Markus Amm, Kunstmuseum Stuttgart, verlängert bis 6. Februar 2011

Markus Amm stellt sich elementaren Fragen der Malerei: Wie verändert die Grundierung den Bildträger? Wie entsteht mit einfachsten Mitteln eine räumliche Illusion? Was vermag eine gemalte Linie im Gegensatz zu einer Fuge zwischen zwei Leinwänden, die aber optisch wie eine Linie wirkt? Günter Baumann ist diesen Fragestelleungen nachgegangen und zeigt sich von den Ergebnissen verblüfft.

In Deutschland ist Markus Amm vielleicht weniger bekannt als in England, wo der gebürtige Stuttgarter inzwischen lebt und arbeitet. Denn die Tatsache, dass Amm sich gerade in seiner Geburtsstadt in einer so genannten Frischzelle des Kunstmuseums eingerichtet hat, die in ihrem am schwersten bespielbaren Winkel jungen Künstlern ein Forum bietet, das ihnen sonst schwer zugänglich wäre, überrascht: Obwohl erst knapp über 40 Jahre alt, hat Markus Amm seinen Platz in der Erbengemeinschaft des Konstruktivismus schon gefunden und die Initialdusche in der Frischzelle kaum nötig. Umso wichtiger und spannender ist das Unterfangen, die vordergründig spröde Kunst Amms einmal mehr vorzustellen. Spannend ist dabei die im Grunde harmlose Frage, die uns vor dem Werk des Malers in den Sinn kommt: Ist die Linie auf die Leinwand gemalt oder ist sie vielmehr ein Riss, der sich über die Leinwand zieht. Im ersten Fall wäre Markus Amm eher Zeichner als Maler, im zweiten sogar weniger grafisch als plastisch Gestaltender, mithin Bildhauer. In seinem Minimalismus entfacht er eine Debatte über die Kunst genauso wie über die Gattungen. Er überzeugt im kleinen Format so souverän wie im kleinen, er ist auf dem Feld der monochromen Malerei so sicher wie auf dem der Collage, was einer unbändigen Faszination an der Illusion entspringt. So harmlos die Fragestellung auch ist, so komplex sind die Antworten. Amm zeigt, dass sich sinnliche und inhaltliche Elemente einerseits und formale Strenge andererseits keineswegs wie die zwei berühmten Königskinder unerreichbar gegenüberstehen. Pate standen ihm dabei die alte japanische Kunst der sparsamen Komposition und die neue japanische Pop-Art-Kultur, die auch vor der eigentlich unschönen, weil trivial geklebten Collage nicht Halt macht. Klebeband ist nicht der einzige Bezug aus der Kiste einer Arte povera, auch die Heftklammern vermitteln den Eindruck des Improvisierten, doch spricht die ästhetische Ordnung auf der Leinwand eine andere Sprache: in fallweise messerscharfer Klarheit, hochsensibel und auf höchstem intellektuellem Niveau introvertiert. Es gehe ihm »um Komposition«, meinte Amm, »allerdings geht es auch darum, eine Komposition völlig zu zerlegen, oder auch darum, genau das Gegenteil von einem schönen Bild zu machen«. Markus Amm hält seine Bilder in einem numinosen Schwebezustand zwischen abstrakt-meditativer Zeitlosigkeit und nahezu anarchischer, sinnlich-konkreter Eigenbrötlerei, zwischen spontaner Gestik und altmeisterlicher Technik bis hin zur Grundierung, und nicht zuletzt zwischen malerischem Desillusionismus und fotografisch-subtilem Illusionismus.