Ausstellungsbesprechungen

Glanzlichter. Hinterglasmalerei in der Gegenwartskunst, Villa Rot, Burgrieden-Rot, bis 13. Februar 2011

Es gehört auf den ersten Blick Mut dazu, Hinterglasmalerei zu präsentieren: Kaum eine künstlerische Technik ist so mit der Laien- bzw. Hobbykunst verbunden wie sie, und irritiert reibt man sich die Augen, diese regional verankerte Kunst mit der Gegenwartskunst konfrontiert zu sehen. Günther Baumann hat sich die Ausstellung mit dieser ungewöhlichen Mischung einmal angesehen.

Die Hinterglasmalerei mit der Gegenwartskunst in Verbindung zu setzen: Genau das hat sich das Museum auf die Fahnen geschrieben, und es schafft auch noch eine Brücke zur asiatischen, ost- und südeuropäischen Tradition, von der süddeutschen Hinterglasmalkunst ganz zu schweigen. Dabei biedern sich die Künstler keineswegs irgendeiner folkloristischen Thematik an, wofür schon die Namen stehen: Unter den durchaus selbstbewussten Teilnehmern der Ausstellung sind Conrad Botes, Michael Burges, Pipilotti Rist, Cornelia Renz, Robert Schaberl, Stephen Cone Weeks, Hugo Suter, Mikael Fagerlund, Jan Kummer und Julien Opie, die über jeden Zweifel erhaben sind. Diesmal sind sie angetreten, um dem etwas verstaubten Begriff der Hinterglasmalerei auf die Sprünge zu helfen. Was im Vorfeld des Ausstellungsbesuchs verwunderlich scheint, macht einer Faszination Platz: Der für die Nähe, die sich hier zur Malerei an sich zeigt, aber auch zur Plastik und Installation, sogar die Videokunst gibt sich vertraulich. Die internationale zehnköpfige Besetzung – neben Deutschland ist die Schweiz prominent vertreten, dazu sind Österreich, Großbritannien, Schweden, Kanada und Südafrika mit von der Partie – macht die Schau zur exemplarischen Vorführung der unterschiedlichen Medien unter einem sozusagen erzklassischen Vorzeichen.

Die Villa Rot scheut sich nicht vor einer Vermischung von »High« und »Low Culture«, zuletzt hat sie dies mit einer Ausstellung zum »Haar« unter Beweis gestellt. Die Hinterglasmalerei spielt mit beiden Ebenen, wie sie auch mit den Qualitäten der Farbe spielt. Kräftig erscheint sie da, wo sie ihre materielle Hinter-Gründigkeit behauptet (vom Arbeitsprozess her gedacht, entsteht das Bild nicht durch den Auftrag der Farben übereinander, sondern eben hintereinander); transparent wirkt sie da, wo das Glas als Bildträger fungiert (wenn man das Licht zum Quasi-Komplizen macht). Überrascht nimmt man zur Kenntnis, wie vielseitig Glas bearbeitet werden kann, und dass sich auch ein Monitor als Malgrund oder Bild-Schirm eignen kann. Die Bandbreite ist grandios: Da sind die politisch-sarkastischen Comics von Conrad Botes, die Farberuptionen des Michael Burges neben kristallinen Naturbilder von Stephen Cone Weeks, die nüchternen Farbstäbe und -objekte Mikael Fagerlunds; dazu kommen die nur vordergründig naiven Lebensalmanache Jan Kummers und die lebensferneren Weltbilder Jolian Opies gegenüber den schrillen Lebenswelten von Cornelia Renz, Pipilotti Rist bringt die Hinterglasmalerei videotechnisch ins Rennen, Robert Schaberl lässt das Acryl auf Glas vibrieren, und Hugo Suter setzt dem Glas mit ätzenden Tinkturen zu. Insgesamt überzeugen die Arbeiten, gerade weil sie die Heiligen-Aura des Hinterglasmediums innovativ und ironisch konterkarieren, aber auch die profanen Heiligen – man denke an Hugo Suters Rembrandt-Imitat – werden »hinter Glas« gebannt, um sie zugleich zu demontieren.

So ungewöhnlich die Ausstellung in Burgrieden-Rot auch ist, so eigenwillig ist der außerordentlich gewitzte Katalog, der die Schau mit schlagwortartigen Sentenzen und Zitaten sowie zahlreichen Abbildungen begleitet, die in feiner Komposition und bestechender Typographie zum genussvollen Blättern einladen.