Ausstellungsbesprechungen

Italien

Altehrwürdig das Gebäude, klein - aber fein - die Ausstellung - die Kulturabteilung des Italienischen Generalkonsulats präsentiert im Marmorsaal der Bayerischen Staatsbibliothek "Italien, ein einmaliges Land. 1900 - 2000". Womit die Italophilie der ehemals königlich-bayerischen Untertanen einmal wieder bewiesen wäre und das, obwohl Bayern immer noch lieber Bier als Wein trinken.

Ludwig I. hätte seine wahre Freude gehabt! Ob das vollmundige, in seiner Gesamtheit etwas überraschende Versprechen des Ausstellungsfolders - "Durch diese umfangreiche Ausstellung wird die italienische Fotografie des letzten Jahrhunderts zum ersten Mal in Deutschland der breiten Öffentlichkeit vorgestellt." - in allen Punkten der Wahrheit entspricht, konnte nicht letztgültig verifiziert werden. Fakt ist, dass die Ausstellung selbst bereits seit 4 Jahren auf Welttournee ist und nun wirklich erstmalig in Deutschland Station macht. Gezeigt werden Fotografien von und aus Italien, von gewöhnlichen und außergewöhnlichen Italienern (Intellektuelle, Kriminelle, Politiker). Alltag und Landschaft, Politik und Kultur, Polizei und Mafia: Trotz dominierender Idylle bleibt kaum ein Thema unbesprochen. Kurze - durchaus selbstironische - Texte in italienischer, englischer und deutscher Sprache leiten die einzelnen Themengruppen ein, wobei die Fotografien selbst platzsparend, jedoch eindeutig beschriftet sind. Insgesamt eine im Verhältnis von Text zu Bild ausgewogene und überaus anregende Ausstellung, deren Besuch lohnt und nichts kostet. Der Eintritt ist frei und zu den normalen Öffnungszeiten der Bayerischen Staatsbibliothek möglich. Ideale Entspannung nach langer Arbeit in benachbarten Bibliotheken und Archiven, angenehmer Ausklang eines Sightseeing-Tages, gelungene Einstimmung auf den nächsten Sprung über die Alpen...aber bei aller Begeisterung: extra für diese Ausstellung nach München fahren sollte man nicht.

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Wen nur der Doppelpack begeistert, der sollte sich einen flotten Dreier gönnen und gleich neben der Staatsbibliothek das Hauptstaatsarchiv besuchen: auch hier gibt es zur Zeit Italien gratis, aber eher mit eindeutig zeithistorischem Bezug und sicher nicht leichtfüßig. Entspannung ist hier nicht angesagt, eher Anspannung! "Zuflucht auf Widerruf. Exil in Italien 1933 - 1945" beschreibt Schicksale überwiegend jüdischer Exilanten in Italien vor und während der deutschen Besatzung bzw. vor und nach der Einführung der faschistischen Rassengesetze 1938. "Zuflucht auf Widerruf. Die jüdischen Kinder der Villa Emma in Nonantola 1942 - 1943" beschäftigt sich mit Leben und Überleben einer Gruppe von 73 jüdischen Kindern in Nonatola bei Modena, die nur der Mut der Dorfbewohner vor dem sicheren Tod bewahrte. Ausstellungsfolder und Begleitprogramm sind online verfügbar, daher kurz und knapp: interessant, sehenswert, gut. 

Weitere Informationen

Italien, ein einmaliges Land. 1900 - 2000

Öffnungszeiten:       Mo - Fr   9.00 - 21.00 Uhr

                            Sa, So  10.00 - 17.00 Uhr

Eintritt frei


Zuflucht auf Widerruf/ Refugio Precario - "Exil in Italien 1933 - 1945" und "Die jüdischen Kinder der Villa Emma in Nonantola 1942 - 1943"

Öffnungszeiten:       Mo - Do 8.00 - 18.00 Uhr

                            Fr          8.00 - 16.00 Uhr

Eintritt und Führungen frei


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