Porträts

Jürgen Zimmermann

„Ich hab mir einen Stein genommen und geschaut, was drin ist. Hab eine Woche geklopft, aber nichts gefunden.“

„Kunst kann man nicht erklären, Kunst ist ein Herantasten, man zeigt irgendjemanden irgendwie was. Leben lässt sich auch nicht erklären.“
„Kunst hat bei mir etwas mit Zufall oder Abfall zu tun.“

Jürgen Zimmermann ist eigentlich Bildhauer. Doch in seiner Wohnung, die zugleich auch sein Atelier ist – wohnt er in seinem Atelier, oder arbeitet er in seiner Wohnung? – hängen Comiczeichnungen, Fotografien, Malereien. Zimmermanns einfache Erklärung zu dieser Vielfalt: „Ich langweile mich schnell, dann kommt was Neues.“ Jürgen Zimmermann ist 53 Jahre alt. Er studierte bei Wilhelm Loth, Hans Kindermann, Hiromi Akiyama und Otto Herbert Hajek 1974 bis 1980 Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe. Hier lebt und wirkt er seit 25 Jahren.

In allen Ecken und Winkeln seiner Wohnung sind zahlreiche größere und kleinere Kunstwerke verschiedenster Gattungen zu betrachten. Das Auge findet keine Ruhe, der Rundgang durch seine Wohnung gleicht einer Entdeckungsreise. Eine ganze Reihe von überdimensionalen Berlinern dient in den verschiedensten Ausführungen und Materialien als Sitzgelegenheit. (In der Region um Karlsruhe werden zwei Sorten von Hefegebäck als Berliner und Amerikaner bezeichnet) Diese stammen aus einer großen Ausstellung in Berlin, die den Titel „Ich bin kein Amerikaner“ trug.

Oft bringen ihm Freunde Fundstücke mit, zum Beispiel alte verrostete Nägel oder Treibholz, in der Hoffnung Zimmermann könne etwas damit anfangen. In seinem Keller häufen sich Mengen von (für andere Menschen) „unbrauchbaren“ Gegenständen. Doch irgendwann, wenn der Künstler durch Zufall auf eines dieser Objekte stößt, kommt ihm die passende Idee: So sah er beispielsweise in vertrockneten Zitronenschalen gelbe Unterhosen, die er in einem Holzkästchen (ebenfalls ein Fundstück) zur Schau stellt.

Der Künstler strebt keine eigene Handschrift an. Doch kommt es immer wieder vor, dass Leute von einem „typischen Zimmermann“ sprechen. Vielleicht erkennt man ihn an seinen  ungewöhnlichen Materialien, den aparten Ideen.

Mit einem Glas Wein in der einen und einer Zigarette in der anderen Hand bemerkt er, dass das Leben lachhaft sei. Zimmermann versucht es trotzdem von der leichten Seite zu nehmen. Außerdem sagt er, dass sowohl das Leben, als auch seine Arbeiten aus Zufällen bestünden.

Jürgen Zimmermanns Kunstwerke vermitteln gelegentlich den Eindruck, dass der Künstler den Betrachter in gewisser Weise belächelt und mit seinen Erwartungen spielt. So z. B. auch in seiner aktuellen Plakatwand, die seine Silhouette zeigt und mit „Das ist ein original Zimmermann“ bzw. „Artgerächt“ betitelt ist. Auch wenn Jürgen Zimmermann gerne tief stapelt, kann man ihm fast geniale Züge kaum absprechen.

Dieses Porträt entstand im Rahmen der von Dr. Kirsten Claudia Voigt geleiteten Übung „Künstler im Porträt, eine Schreibwerkstatt“ des SS 2005 am Institut für Kunstgeschichte der Universität Karlsruhe.

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