Ausstellungsbesprechungen

Katja Strunz – Im Geviert, Ausstellung im Saarlandmuseum in Saarbrücken bis 26. September 2010

Die Präsentation »Im Geviert«, die ein Beitrag zum Jahr der Bildenden Kunst (mit dem Motto »Kunstraum Saarbrücken«) darstellt, zeigt drei große Arbeiten von Katja Strunz, deren künstlerische Handschrift einen hohen Wiedererkennungswert erlangt hat. Neben den so genannten »Faltarbeiten«, die von unterschiedlichen Materialien geprägt werden, umfasst das Œuvre der Künstlerin Metall- und Holzobjekte, reliefartige Strukturen, Foto- und Papiercollagen sowie partiell architektonische, raumgreifende Installationen. Leitfaden der meist ortspezifischen Werke ist für Katja Strunz dabei das Ausloten von Form, Raum und Zeit. Unsere Autorin Verena Paul hat sich die Präsentation angesehen.

Bereits vor Betreten des Saarlandmuseums führt mich mein Weg entlang des in sattem Grün leuchtenden und an der Saar sich anschmiegenden Skulpturengartens, der inzwischen einen bereichernden Neuzugang in Gestalt zweier Arbeiten von Katja Strunz erhalten hat. In unmittelbarer Nachbarschaft zu großen Kastanienbäumen ragt eine beinahe sechs Meter hohe, schwarze Stahlskulptur (»Einfall« betitelt) empor, deren Härte und dynamische Entschiedenheit jedoch durch kleine Risse und Bruchstellen gemildert wird. In dieser Arbeit toben sich – und das wird deutlich, wenn man sie von allen Seiten in Augenschein nimmt – zwei Gegenspieler aus: da gibt es auf der einen Seite drängende Aufwärtsbewegungen, jene zitternde Kraftballung und auf der anderen Seite das Auffalten, partielles Einreißen der Metallplatten sowie die damit einhergehende Fragilität.

Einige Meter davon entfernt ist »Einfalt und Ort« positioniert. Hier hat Katja Strunz die Kanten der Metallplatten zumeist gegeneinandergesetzt und – im Vergleich mit der benachbarten Skulptur – nur wenig Berührungspunkte mit der Erde geschaffen. Dennoch ist nichts von einer aufstrebenden Bewegung zu spüren, vielmehr beugt sich das aus fünf großen Metallstücken komponierte Werk, als sei es – einst ebenso energiegeladen wie seine Skulpturenschwester – »eingefaltet«.

Eindringlicher und gewinnbringender wird unser Seherlebnis, wenn wir darüber hinaus erfahren, welches philosophische Gedankengut Katja Strunz ihren Arbeiten unterlegt hat. Denn sie orientierte sich an den Ausführungen Martin Heideggers zur Konstellation der Welt als «Geviert«. Dieses der Präsentation ihren Namen verleihende Geviert besteht nach Auffassung des Philosophen aus Erde und Himmel sowie aus den Sterblichen und Göttlichen, die auf einen zentralen Aspekt des menschlichen Seins verweisen und zudem den räumlichen Antipoden zum temporalen Ereignis bilden. Dergestalt können die beiden im Außenraum aufgestellten Skulpturen als Teile des Gevierts, als vom Himmel auf die Erde gefallene Fragmente einer Konstruktion verstanden werden. Obwohl »Einfall« sich noch spitz nach oben streckt, zeugen seine »Verletzungen« jedoch von dem zuvor sich ereignenden Fall, der die zweite Arbeit »Einfalt und Ort« beugte.

Die Räumlichkeit des Gevierts kann allerdings – so das Heideggersche Verständnis – erst durch das »Wohnen« des Menschen in ihm entstehen. »Wohnen« assoziiert er mit den Begriffen des »Denkens« und des »Bauens«, so dass es nicht verwundert, wenn die Künstlerin in ihrem dritten Werk »Einfalt der Vier« das bestehende viereckige Raumkonzept des Ausstellungspavillons im Saarlandmuseum aufgreift und den Raum in eine geknickte und teilweise zusammengefaltete, weiße Jalousie aus Stahl und Holz übersetzt. Es ist gerade diese Installation, die mich fesselt. Ganz klein steht der Betrachter vor jener Arbeit, der es gelingt, Stahl zerbrechlich wirken zu lassen. Das wird nicht zuletzt durch die warme Beleuchtung evoziert, welche die Knicke und Falten sanft heraushebt und bei Betrachtung aus räumlicher Distanz an Papier denken lässt.

Fazit: Hier sind skulpturale Werke im wunderbaren Bunde mit philosophischen Gedanken, Sinn für Ästhetik, sowie Ausdruckskraft und bilden dahingehend eine echte Bereicherung für den Betrachtenden!