Kataloge

Knoebel, Imi (Hrsg.): Imi Knoebel. Werke von 1966 bis 2006. Ludwigshafen, Kerber Verlag 2007.

Es ist ein hinreißendes Rot, in dem der Namenszug auf dem Weiß des Innentitels steht – vorn wirkt es etwas gedämpfter auf dem nebulös getönten Grund: Imi Knoebel. Das steht da, als sei der Name schon Programm, und in der Tat, sein Träger gehört zu den eigenständigsten Künstlern Deutschlands.

Die Stars heißen Richter und Rauch – dagegen mag Knoebel (als Kommilitone Jörg Immendorffs) etwas verborgen agieren, ungeachtet dessen, dass er bereits viermal auf der Documenta zu sehen war. Freilich, die formalen Wurzeln des Malewitsch-Verehrers im Konstruktivismus und in der konkreten Kunst treten zur Zeit gegenüber der figurativen Kunst etwas zurück. Aber andrerseits fällt die Wucht der Bildwerke – zwischen Malerei und Plastik – auf, die Imi Knoebel seit Jahrzehnten präsentiert. Sein Werk erscheint so jung, dass man schon zweimal hinschauen muss: konstruktiv ja, aber man würde ihm nicht gerecht werden, wenn man es allein im Bereich der Geometrie verorten würde – man denke nur an die Serie der »Ich nicht«-Bilder. Kaum zu glauben: Imi Knoebel wird im Dezember 67 Jahre alt. Stellt man seine Kistenobjekte etwa neben die Arbeiten der 1973 geborenen Phoebe Washburn, sieht man die Spuren, die Knoebel bis in die Gegenwart gelegt hat.

 

 

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»Werke von 1966 bis 2006« auf, um dann in fundierten Essays, einem köstlichen Interviewgespräch zwischen Knoebel und Johannes Stüttgen sowie locker platzieren Abbildungen genau den jugendlich erscheinenden Künstler vorzustellen, dessen form- und farbvielfältiges Schaffen nicht anders als fulminant zu bezeichnen ist. Prägend auf dem Weg dahin war ohne Frage Knoebels Lehrer Joseph Beuys, der nicht nur der wirkungsmächtigste Allroundkünstler war, sondern ein exzellenter Pädagoge nebenher. Im Katalog wird der Kollege Ulrich Rückriem zitiert, der über den neben Knoebel bedeutendsten Beuys-Schüler (Abbildung Palermo) sagte, was für Knoebel gleichermaßen zutrifft: »Er war ein Beuys-Schüler… Er hat sich doch wirklich vollkommen von Beuys wegbewegt.« Der Übervater mit anthroposophischem Blut in den Adern ließ es zu, dass seine besten Schüler eigene Wege gingen, was für seine Größe spricht. Mehr noch: Anders als die privatmythologische Kultivierung des eigenen Werks bei Joseph Beuys fanden seine Schüler zu allgemeingültigen Positionen, die durchaus an dessen Tiefgänge anknüpften, ohne allzu auratisch zu wirken oder zur Pose einer Nachahmung zu geraten. Im Falle Imi Knoebels geht es darum, der gegenstandslosen Kunst in Installationen, Projektarbeiten, malerischen Skulpturen usw. ein neues Profil zu geben, naturgemäß unter Aussparung irgendeiner politischen Aussage (was Beuys vehement verfolgte). Umso mehr betonte Knoebel die Wechselwirkung von Installation, Farbe und Raum bzw. Architektur. Anders als die Ludwigshafener Ausstellung, die das Werk chronologisch vermaß, konzentriert sich das Buch zur Retro-Schau auf eine von Knoebel selbst bestimmten Auswahl, was dazu führte, dass manche wichtigen Aspekte des Gesamtwerks – zum Beispiel die »Sternhimmel«-Fotografien – nun in den Hintergrund treten. Andrerseits gewinnt der Katalog den Charme eines Künstlerbuchs, was durch die liebevolle Gestaltung noch unterstrichen wird.

 

Das Katalogbuch, das zu der großartigen Ausstellung im Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen im Sommer dieses Jahres erschienen ist, nimmt die Rechnung lapidar mit dem Untertitel