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Kunst in Basel April/Mai 2018

Die drei schönsten Tage in Basel, nämlich die Fasnacht, sind vorbei und nun ist in Basel die Hoffnung groß, dass sich der Frühling von seiner angenehmen Seite zeigt. Schön ist auch die Vielfalt an Kunst, die es momentan in Basel zu betrachten gibt. Claude Spiller verrät mehr.

Kunst in Basel
Kunst in Basel

Außer der großen Ausstellung »Basel Short Stories« zeigt das Kunstmuseum Basel eine Schau, die sich einem wohl einzigartigen Ereignis widmet: In einer Volksabstimmung stimmten 1967 die Basler und Baslerinnen für den Ankauf von zwei Gemälden von Pablo Picasso. Das Kunstmuseum Basel und die Stadt Basel wurden für diesen Entscheid reich belohnt, denn der Künstler schenkte daraufhin dem Museum vier weitere Werke. Auch die Mäzenin Maya Sacher-Stehlin war vom Abstimmungsresultat so angetan, dass sie ein bedeutendes kubistisches Bild von Picasso in die Sammlung des Museums übergab. Die Ausstellung » Kunst. Geld. Museum. 50 Jahre Picasso-Story« beleuchtet die damaligen Beteiligten und zeigt anhand historischer Dokumente die Hintergründe dieses viele Basler und Baslerinnen mit Stolz erfüllenden Momentes ihrer Stadtgeschichte.

Noch bis zum 28. April sind in der Galerie Carzaniga Bilder von Till Freiwald zu sehen. Sein Thema ist das menschliche Antlitz, das er meistens frontal als Aquarell darstellt. Die Gesichter von Menschen, die wir nicht kennen, zeigen keine Mimik, vielmehr strahlen sie Ruhe aus, die auch unheimlich sein kann. Dieser ambivalente Eindruck der dargestellten Personen wird vom Künstler auch dadurch bewirkt, dass er bei seinen Werken keine extremen Farbkontraste oder grelle Farben verwendet. Neben den Werken von Till Freiwald sind in der Galerie Stadtansichten von Paris zu sehen. Wer die Stadt an der Seine liebt, sollte diese Ausstellung nicht verpassen. Der Blick vornehmlich Schweizer Künstler und Künstlerinnen, wie beispielweise Catherine Gfeller, Irène Zurkinden, Andreas His oder Varlin, zeigt die Stadtlandschaft in ihren verschiedenen Facetten.

Gleich am Anfang der Ausstellung von Michael E. Smith in der Kunsthalle Basel stehen schräg auf der Treppe zwei gegenübergestellte Sessel. Ihre violette Farbe übernimmt das Violett im historischen Wandbild über dem Treppenabsatz und vermindert so die Irritation des Betrachters angesichts der »unmöglichen« Position der beiden Sessel. Auch die Überreste einer Kellertür, die mit präparierten Vögeln verziert ist, nimmt Bezug auf die Engel im erwähnten Wandbild. In seiner ersten Einzelausstellung in der Schweiz arbeitet Smith mit wenigen unbetitelten Gegenständen. Die beiden Haupträume sind daher fast leer. Doch was da ist, entfaltet seine ganz eigene Poesie.

Unter dem Titel »Dialogue – Abstrakt trifft Figurativ« präsentiert die Galerie Katapult die Kunstschaffenden Silvana Pizzirusso, Miguel Moyanos, Marlene Cardona Orùs und Isack. Für an lateinamerikanischer Kunst Interessierte lohnt sich die Ausstellung allemal. Etwa wenn Silvana Pizzirusso die Künstlerin Frida Kahlo in eigenwilliger Manier porträtiert. Den beiden Porträts ist ein Arbeitsprozess vorangegangen, der verschiedene Techniken kombiniert. Nach der Auswahl des Porträts werden in einem digitalen Prozess Farbfilter und Verpixelung angewandt. Danach malt die Künstlerin von Hand den digitalen Entwurf auf die Leinwand. Entstanden sind eindrückliche Bilder, die in der Tradition der Pop Art stehen.

Da macht jemand den Künstler zum Affen, so ist der erste Eindruck, in der sehenswerten Ausstellung der Galerie Tony Wüthrich. Stefan à Wengen hat die Selbstporträts berühmter Künstler als Vorlage für seine Gemälde genommen und dabei jeweils das Haupt und die Hände des jeweiligen Malerfürsten durch einen Kopf und Hände eines Affen ersetzt. So amüsant dies auf den ersten Blick erscheint, so einfach ist es dann doch nicht. À Wengen nimmt Bezug auf das 1740 von Baptiste Siméon Chardin gemalte Bild »Le Singe Peintre« und fragt sich: »Habe auch ich nun einen Affen angewiesen, vielleicht einen solchen gar mit Stendhal-Syndrom, seinesgleichen als Van-Eyck-Gemälde zu malen? Sind die Bilder gegebenenfalls eine Ahnengalerie späterer Verwandten des Lemuren Chardins? Oder bin ich es selbst, der scheinbar ein Spiel treibt und darin umgekehrt in die Rolle des Menschenaffen schlüpft, um ›unbewusst‹ und lustvoll befreit die alten Meister zu imitieren?«