Ausstellungsbesprechungen

Kunstmaschinen – Maschinenkunst

Am laufenden Band - Ich bin Jackson Pollock! Mit dem Gefühl kann der zufriedene Besucher ein selbst gemaltes respektive ausgedrucktes Werk mit nach Hause nehmen. Die Ausstellung »Kunstmaschinen – Maschinenkunst«, die im Museum Tinguely in Basel noch bis zum 29. Juni andauert, macht es möglich.

Miltos Manetas treibt hier sein Spiel mit dem altehrwürdigen Erbe des Action Painters. Am PC kann der Betrachter eigene Werke im Stil Jackson Pollocks »zeichnen« und das Werk als Ausdruck gleich behalten. Mancher wird sich bei diesem Experiment an die frühen Zeiten des Paint-Programms erinnert fühlen, als die digitale Sprühdose freudige Farbschwaden auf den Bildschirm zauberte. Hier generiert das Programm Drippings und Pourings, die keine Farbflecken auf der Kleidung hinterlassen. Der Betrachter beeinflusst allerdings nur die Richtung und Intensität der Malbewegung und bleibt damit abhängig von der Programmierung. Die Offenbarung der Künstlerpersönlichkeit auf der Leinwand wird ad absurdum geführt.

Deutliche Ähnlichkeiten mit expressiver Kunst sind auch bei den Werken von Jean Tinguely nicht zu übersehen. Seine Malmaschinen aus den 1950er Jahren kritzelten im Klima des abstrakten Expressionismus emsig auf dem Papier. Sie scheinen dabei immer einen Funken Zufall zuzulassen, der den Ablauf der maschinellen Tätigkeit minimal variiert. Ist er gewollt? Gerade aus der nicht gelungenen Wiederholbarkeit entspringt das einzigartige Original. Eine Variation, die nicht vermeidbar ist.

Was auf den ersten Blick oberflächlich und banal daher kommt, zielt in seiner Aussage auf grundsätzliche Fragen der Kunstwissenschaft. Wer ist der Künstler? Wer fällt die Entscheidung? Welchen Stellenwert hat der Betrachter? Möglicherweise gründen Originalität und Einzigartigkeit gerade auf der nicht gelingenden Wiederholbarkeit. Entscheidungen müssen trotzdem gefällt werden, wenn der Prozess als beendet gewertet werden soll. Die Entscheidungsgewalt obliegt schlussendlich allein dem Menschen.

Mit mehreren übereinander gestapelten Bildschirmen inszeniert Jon Kessler einen variationsreichen Sonnenaufgang. Das pathetisch Motiv entpuppt sich allerdings als Zusammenspiel rationaler Technik im Kleinformat, bestehend aus einer sich drehenden Rolle und einer gleißend leuchtenden Glühbirne, deren Licht durch einen orangefarbenen Filter von einer kleinen Videokamera aufgefangen wird. Alles in allem eine nüchtern anmutende Installation, die beweist, wie einfach der Betrachter mit Hilfe einer schönen Oberfläche in die Irre zu führen ist.

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Vollkommen unprätentiös gibt sich die Bohrmaschinen-betriebene Zeichenmaschinen »Making Beautiful Drawings« von Damien Hirst und widerspricht damit dem glamourösen Bild, das der Künstler momentan in der öffentlichen Wahrnehmung zeichnet. Die Idee ist so simpel wie die Ausführung selbst. Ein Blatt Papier liegt auf der sich drehenden Scheibe und wird nach Anweisung des Besuchers mit Farbe konfrontiert. Das durch den Stempel zertifizierte Bild kann der entscheidende Betrachter dann sein eigen nennen.

Schnell wird klar, dass es hier nicht in erster Linie um fertige Produkte geht. Die Hauptrolle spielen Automaten oder Maschinen, die nicht nur etwas herstellen, sondern auch den Akt der Produktion selbst zur Unterhaltung machen. Gleich einem Performance-Künstler, dessen Handlung sich zum eigentlichen Werk erklärt. Antoine Zgraggen radikalisiert diesen Gedanken, indem er seine »Zerquetscherin« nicht produzieren, sondern zerstören lässt. Mit viel Lärm gehen Alltagsobjekte durch das Zutun der sich selbsterklärenden Maschine zu Bruch. Sehr zur Freude der Besucher, die aufgefordert werden, sich ungeliebter Gegenstände zu entledigen.
 

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