Ausstellungsbesprechungen

Niederländische und flämische Malerei. Doppelausstellung in Düsseldorf: Ein Fest der Malerei – Die niederländische und flämische Gemäldesammlung des 16.–18. Jahrhunderts / Slow Art

Das museum kunst palast ist im Besitz von rund 260 niederländischen und flämischen Gemälden, entstanden zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert.

Um nun ein »Fest der Malerei« auszurichten, haben die Leiterin der Gemäldesammlung Bettina Baumgärtl und ihre Mitarbeiter(innen) 200 Exponate ausgekoppelt und um 40 Leihstücke aus dem Rijksmuseum Amsterdam, der Gemäldegalerie in Kassel, der Alten Pinakothek München u.a. wiederum vermehrt, die dem Bestand über das »gute Mittelfeld« (Baumgärtl) hinaushelfen sollen – zwar kann das Haus auf die Sammlung des Kurfürsten Johann Wilhelm und Anna Maria Luisa aus der Medici-Familie zurückgreifen und nennt zudem Arbeiten von Rubens, Brueghel und Snyders ihr eigen; nur sind einst viele der besten kurfürstlichen Meisterwerke nach München abgewandert, um dort den Grundstock der bedeutenden Sammlung der Alten Pinakothek zu bilden. Nun kehren, nach 200 Jahren, ein paar der Exponate auf Zeit nach Düsseldorf zurück.

An der neuen (alten) Festtafel haben sich unterdessen manche Tischkärtchen geändert, und die Gäste erscheinen in teilweise neuem Gewand: Zum einen mussten etwa 400 Bilder unter die Lupe genommen werden, um überhaupt die niederländischen und flämischen Arbeiten herauszufiltern. 80 Werke sind nach der Restaurierung neu zu bewerten, ein paar verschollen geglaubte Arbeiten tauchten wieder auf, und in den Zuschreibungen konnten Korrekturen vorgenommen werden. Dass dabei die Grenzen beider vor allem konfessionell getrennter Kulturregionen der nördlichen reformierten und der südlichen spanisch-katholischen Niederlande nicht mehr so strikt gezogen werden, entspricht den aktuellen Gepflogenheiten (man denke an die eben eröffnete Ausstellung »Die Entdeckung der Landschaft« in der Staatsgalerie Stuttgart), man integriert sogar Maler anderer Nationalität wie die Deutschen Nicolaus Knüpfer oder Johannes Lingelbach, die in den Niederlanden als Künstler heranreiften – de Leipziger Knüpfer etwa spielte eine wichtige Rolle in der Utrechter Schule und wurde der Lehrer von Jan Steen.

Die Kuratorin hat die Gelegenheit ergriffen und den Ausstellungskatalog gleich zum Bestandskatalog umfunktioniert. Dabei werden zwar manche mittlere Arbeiten unter dem Objektivierungsdruck geadelt, aber umgekehrt lassen sich einige »Hinterbänkler« ausmachen, die sich unter neuer Beleuchtung als Meisterwerke entpuppen. Lässt man den Band Revue passieren, fällt erst auf, welche Glanzstücke da neben Rubens’ Riesenbild »Himmelfahrt Mariae« aufscheinen: Van Beyerens aufgewühlte See vor Dordrecht (»Die Mündung der Maas mit Segelbooten und Ruderkahn«), noch wilder ist das Meer bei Van Eertvelt; Van Borssoms, Dubois’ oder Van Goyens schier endlos-weite Landschaften bei Kleve oder in einer fiktiven Rheinwanderer; Van Brekelenkams anheimelnde, »An einem Kamin sitzende Frau mit Brotzeit«, selbst das Reiterbildnis oder das Selbstbildnis von Douven, darstellend den Kurfürsten Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg. Weitere Namen wie Everdingen, Francken d.J., Van Mieris, Van der Neer, Adriaen von Ostade, J. Ruisdael, Van Scorel, Waterlandt u.a.

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In Erweiterung der Gemäldeschau haben die Ausstellungsmacher um Mattijs Visser einen Gang herunter geschalten und – unter dem Titel »Slow Art« – mit der Vorstellung von etwa 45 zeitgenössischen Beispielen (von 38 Künstlern) aus den Niederlanden und dem flämischen Teil Belgiens die Linien von Landschaftsmalerei, Stillleben, Genre u.a. weiterzuziehen, sozusagen nach dem Langstreckenlauf durch das Goldene Zeitalter das Auslaufen entlang der Gegenwart. So ganz scheint sich der rote Faden nicht immer nachvollziehbar zu zeigen, aber etliche sehr beachtliche Arbeiten sind zu sehen: titelgebend etwa das Karussell Carsten Höllers, das sich in 24 Stunden nur einmal dreht; oder Cindy Wrights »Nature Morte«, einem ins zu enge Glas gepressten Fisch; als Star sicher ist Luc Tuymans zu nennen, der ein »Flämisches Dorf« beigetragen hat; eindringlich der »Fleischklumpen« von Jan Fabre (bestehend aus zusammengesteckten Juwelenkäfer).

Im Begleitprogramm waren bzw. sind unter anderen renommierte Autoren zu Gast: Anfang Oktober trat Hugo Claus auf mit Gedichten; und am 23. Oktober sollte man Cees Nooteboom nicht vergessen. Für Kinder gibt es kleine Rätselspiele.

 

 

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Öffnungszeiten
Dienstag – Sonntag 11–18 Uhr

Eintrittspreise
Einzelkarte EURO 7,- / 4,-