Ausstellungsbesprechungen

Okko Oinonen. On top of the Iceberg. Intellectual Exiles.

In der Ausstellung »Okko Oinonen. On top of the Iceberg. Intellectual Exiles« zeigt die Galerie Robert Morat bis zum 9. Januar 2008 die Arbeiten des 1970 geborenen, in Helsinki lebenden und arbeitenden Fotografen Okko Oinonen. Die Arbeit dieses jungen Künstlers wird weit über die Grenzen Finnlands ausgestellt und ist international publiziert.

Die Konzept-Serie von Inszenierungen Okko Oinonens basiert auf dem 1953 erschienen Roman »Fahrenheit 451« von Ray Bradbury. Darin entwirft der amerikanische Science-Fiction-Autor die düstere Zukunfts-Vision einer Gesellschaft, in der es unter Höchststrafe verboten ist, Bücher zu lesen oder zu besitzen. Fahrenheit 451 – dies entspricht 232 Grad Celsius – bezeichnet die Temperatur, »bei dem Bücherpapier Feuer fängt und verbrennt.«

Eine Gruppe von Dissidenten, die in den Wäldern vor den Toren der Stadt lebt, sucht jedoch die Schriften der Vergangenheit Wort für Wort im Gedächtnis zu bewahren, um sie mündlich weitergeben zu können. Bradbury nimmt mit seinem Roman kulturkritisch die Verlorenheit des Individuums in einer technisch perfektionierten Welt ins Visier.

Doch was reizt Okko Oinonen an diesem Roman und wie fängt er diese fantastische Stimmung mit der Linse ein? Es ist besonders die Atmosphäre, die zwischen Realität und Fiktion changiert, die vom Fotografen visuell umgesetzt wird. Geht die Faszinationskraft von »Fahrenheit 451« nicht zuletzt von der vielfach poetisch anmutenden Sprache aus, so begegnet uns auch bei den fotografischen Arbeiten eine »lyrisierte« Bildsprache.

Etwa bei der Fotografie »Poetics«, auf der eine junge Frau an einen mächtigen Baumstamm gelehnt ist. Die Augen nach oben gerichtet zeugt ihr Gesichtsausdruck von Konzentration und man könnte glauben, Worte zu hören, die sie vor sich hinmurmelt. Vor ihrem Bauch hält sie mit beiden Händen ein geschlossenes Buch umschlungen. Möglicherweise ist diese zarte, zerbrechliche Gestalt eine der in Bradburys Roman auftauchenden Menschen, die die Letter der Vergangenheit auswendig lernen, um sie vor dem Vergessen zu bewahren? Es könnte sein. Auf jeden Fall entwickelt Oinonen mit dieser Arbeit einen Schwebezustand zwischen Realität und Fiktion: Gebündelte Lichtstrahlen bilden nämlich über der Frau einen Kranz, der die Szenerie unwirklich, ja bisweilen sakral erscheinen lässt und die kontemplative Haltung der auf dem Waldboden Liegenden unterstreicht.

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Ähnlich »surreal« ist die mit »Letters on dancing and ballets« betitelte Fotoarbeit Oinonens. Auch hier sehen wir eine junge Frau, die zum Himmel blickt und vor sich auf dem Boden ein Buch aufgeschlagen hat. Das Gewässer im Hintergrund, auf dem die Wassertropfen tanzen, das von links oben einfallende Licht und die seltsame »tüllerne« Stofflichkeit, welche die Frau wie ein Tutu umgibt – das alles ruft beim Betrachter Interesse und Neugierde hervor. Eine Neugierde, die dazu verleitet, sich auf einen intensiven Dialog mit der Arbeit einzulassen.

Mit dieser jungen, zeitgenössischen Position aus Finnland setzt die Galerie Robert Morat am Jahresende einen wunderbaren Akzent. Dem Besucher werden Arbeiten präsentiert, die von poetischem Zauber durchdrungen, in eine andere Welt führen. Also nehmen Sie sich die Zeit, verlassen für Momente unsere hektische Welt und treten in eine Welt voll Ruhe und magischen Lichts ein!

 

Weitere Informationen

 

Öffnungszeiten
Dienstag bis Freitag 11-18 Uhr
Samstag 11-16 Uhr
 
Eintrittspreise
frei