Ausstellungsbesprechungen

Olaf Metzel – Zeichnungen

»Ich will gar nicht interpretieren, ich lege eigentlich nur eine Art Mosaik oder Puzzle zusammen« – was Olaf Metzel anlässlich seiner temporär in Nürnberg aufgestellten Skulptur »Auf Wiedersehen« sagte, gilt für sein ganzes Werk, mehr noch: Objekt für Objekt, Bild für Bild addiert sich ein Puzzlesteinchen zu einem Gesamtkunstwerk, das zum Leidwesen mancher Betrachter keine Stube im Elfenbeinturm ausfüllt, sondern sich ungemütlich und laut-malerisch einmischt in der Kakophonie unsrer Lebenswirklichkeit.

Dass Metzel mit seinen plastischen Arbeiten immer wieder aneckt, ist kaum verwunderlich, versteht er sich doch als Homo politicus. Aber bedauerlich findet es der 1952 in Berlin geborene Künstler, langjähriger Professor und schließlich 1995–99 Rektor der Münchner Akademie der bildenden Künste, schon: »Ich dachte natürlich, wir sind in Deutschland ein bisschen toleranter geworden , souveräner. Aber dem ist nicht so.«

Metzel macht keine Kunst light, und nicht alles erschließt sich einem unmittelbar. Dessen ungeachtet gehört er zu den wichtigen Bildhauern unserer Zeit, dessen Installationen sich mal betont spröde, mal bewusst dekonstruktivistisch geben. Was sich jedoch vordergründig auf Aggression und Alltagsgewalt zu bauen scheint, wird als Kunst im öffentlichen Raum zum Träger eines Situationismus, der seit den 50er und 60er Jahren Politik, Kunst und Theorie vereint, und im Museum werden die Arbeiten zum ästhetischen Akt. Dass die Staatsgalerie Metzel nicht als Plastiker, sondern als Zeichner und Collageur präsentiert, macht den Zugang nicht einfacher. Denn zum Großteil nehmen die zwischen grafischen Arbeiten die Installationsobjekte und Skulpturen – etwa den »Stammheim«-Ehrenkranz (1984), der an der Wand des Außenhofs des alten Stuttgarter Kunstgebäudes lehnt – vorweg, die jedoch so assoziativ um die Zielwerke kreisen, dass sie eine autonome Natur entfalten. Hier wie dort nimmt er jedoch ausdrücklich Bezug auf die Welt der Wirtschaft (»Cashflow«, »Turbokapitalismus«), des gnadenlosen Alltags (»Du und du nicht«, »Last order«) und der allzu flotten Durchhaltesprüche (»Da muss man durch«, »Schlechte Karten«).

Fortsetzung von Seite 1

Farbig aufstrahlende Chiffren wechseln ab mit akkuraten Detailzeichnungen, anarchische Pinselschmisse rebellieren gegen ein mit architektonischen Umrisszeichnungen oder Stadtplänen bedrucktes Papier. Überall ist Bewegung, ein Horror vacui scheint Olaf Metzel anzutreiben, wenn es nicht die Wut an der unabweislichen Umgebung ist, die den Künstler bedrängt, und die ihn drängt, das Papier zu traktieren. Wie weit Metzel aber von rein gestischem Aktionismus entfernt ist, zeigen die Entwurfszeichnungen für den bereits erwähnten Kranz, die als Zwischenglied und Vermittler von Christi Dornenkrone auf Jerg Ratgebs »Herrenberger Altar« fungieren. Metzel griff tatsächlich 1984 auf dieses Werk in der Stuttgarter Staatsgalerie zurück. Vor dem Hintergrund vernichtender Kräfte – so wird ein Basketballfeld zum Schlachtfeld der zerstörerischen Gedanken – blüht zwischendurch die schroffe Schönheit des entfesselten Linienspiels auf, das sich zu einer Stechpalme, zum Ornament eines Kopftuchs, zu einem rasant leuchtenden Velodrom, zu einer Leonardo da Vinci verpflichteten Freitreppe verdichtet. Und in jüngster Zeit zauberte Metzels Zeichnerhand mit Pastellkreide eine überdimensionale Blockschokolade, die wie die Weintrauben des Zeuxis auf eine kulinarische »Vernichtung« wartet. Nichts als Illusion – wie schon das »Strickmuster« von 1993.

 

Weitere Informationen

 

Öffnungszeiten
Dienstag–Sonntag, Feiertag 10–18
Donnerstag 10–21 Uhr