Ausstellungsbesprechungen

Picasso und das Theater

Es scheint, als könnte man zu jedem beliebigen Thema eine Picasso-Schau bestreiten. In der Tat gibt das unfassbar große Werk berechtigten Anlass zu allerhand Ausstellungen – Picasso und die Frauen, die Kinder, die Mythen usw. Was bislang in Deutschland noch keine Würdigung erfuhr, ist Picassos Verhältnis zur Bühne.

Das verwundert umso mehr, als der Künstler sich über all seine Phasen hinweg leidenschaftlich mit dem Theater auseinandersetzte, Bühnenbilder und Kostüme entwarf, mit Theatermachern engen Kontakt unterhielt und nicht zuletzt ein grandioser Selbstdarsteller war, dessen Auftritt im realen Leben einem Ideen sprühenden Schauspiel glich. Unter den Typen der Commedia dell’Arte war Picasso selbst Harlekin und Pierrot, Jahrmarktszauberer und Manegenclown in einem, den Stierkämpfer nicht zu vergessen, der hier freilich nur latent vorhanden ist, um klar zu machen, dass Picasso nie die Bühne des Lebens verließ und großes Schauspiel ohne Worte machte.

Zum 125. Geburtstag des spanischen Genies präsentiert die Schirn 140 Arbeiten, von denen manche sogar erstmals öffentlich gezeigt werden. Die monografische Ausstellung greift auf eine Gruppenschau zurück, die vor zwei Jahrzehnten »Die Maler und das Theater im 20. Jahrhundert« im selben Haus vorstellte. Wie nah das Thema an unsrer Zeit ist, zeigt auch die Ausstellung im letzten Jahr »Kunst auf der Bühne«, der zweite Teil der Trilogie »Les Grandes Spectacles« im Museum der Moderne Salzburg.

Eine Entdeckung werden für manchen die Arbeiten sein, die Picasso direkt für das Theater schuf – die Bilder, die sich mit dem Thema auseinandersetzen, tauchen dagegen immer wieder im Gefolge der Gaukler und Zirkusleute vor allem der frühen Schaffensphasen auf. Neben der Zusammenarbeit mit Cocteau, Diaghilew, Massine, Satie und Strawinsky entstanden zahlreiche Werke, die teilweise nur noch in Fotografien dokumentiert sind oder in Skizzen, filmischen Sequenzen oder Rekonstruktionen lebendig bzw. wiederbelebt werden. Da ist es schon spektakulär, wenn der Bühnenvorhang für das Ballett »Mercure« (1925) gezeigt werden kann, mit dem sich der Großmeister der bildenden Kunst letztlich von der Bühne verabschiedet. Oder der Besucher wird auf der Ersatzbühne der Kunsthalle zum Stargast des Balletts »Parade« - Picasso entwirft 1917 das Gesamtkonzept –, der Burleske »Der Dreispitz« (Le Tricorne) oder dem historischen Motiv der »Pulcinella«. Picasso schlägt in seinem Tun, gemeinsam mit seinen Verbündeten, Brücken zum Stummfilm und zum Vaudeville.

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Begleitet wird die sensationelle Schau der Schirn von einem Katalog, der Picassos Theaterseele von allen Seiten beleuchtet. Die Kapitel, die sich historisch und thematisch ins Zeug legen, heißen im einzelnen »Künstler und Gaukler«, »Der Kubismus und die Bühne«, »Rückkehr nach Spanien«, »Picasso und die Ballets Russes«, Commedia dell’Arte, und »Die Wiedererfindung der Antike«. Eingestreut sind »Das Theater als Metapher«, »Picassos Romanze mit dem Ballet Russes«, »Picasso als Dramatiker«, »Picassos Schaffen fur das Theater und die Definition der Skulptur« sowie »Picasso spielt Picasso« u.a.m.

 

 

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Öffnungszeiten
Di–So 10–19, Mi/Do 10–22 Uhr