Ausstellungsbesprechungen

Robert Gober (Werke 1976-2007)

Mit umfangreichen Wanderausstellungen konnte Robert Gober schon 1990 seinem Ruf gerecht werden, zu den wichtigsten zeitgenössischen Künstlern der USA zu gehören. In diesem Jahr zeigt das Schaulager in Basel unter dem Titel »Robert Gober. Work 1976-2007« noch bis zum 14. Oktober rund vierzig Skulpturen, fünf großräumige Installationen und mehrere Zeichnungsgruppen des amerikanischen Künstlers.

Mitte der 1980er Jahre wurde Robert Gober mit Skulpturen bekannt, die auf den ersten Blick aussehen, als seien sie dem Alltag entlehnt. Dabei handelt es sich nie um das originale Alltagsobjekt selbst, sondern immer um eine täuschend ähnliche Nachbildung aus anderen Materialien. In diese Zeit fällt die Phase der Waschbeckenobjekte, welche unter dem Titel »sinks« ihre Zusammenfassung finden und den damals 31-jährigen Künstler in den Blick der Kunstkritiker rücken lässt.

 

Mit dem Bezug auf Gegenstände und Einrichtungen des häuslichen Alltags baut er eine Normalität auf, die trotzdem in sich brüchig ist. Der Künstler führt den Betrachter zunächst auf gewohnte Pfade, um ihn dann durch Verfremdung des Selbstverständlichen ins Nachdenken zu stürzen. Gobers Aussagen sind unmittelbar und kennen keine Tabus. Daher wundert es nicht, wenn der Besucher zu Beginn der Ausstellung diskret darauf hingewiesen wird, dass einzelne Werke die Gefühle sensibler Personen verletzen könnten. Kindheit, Sexualität, Erinnerung, Verlust, Religion und Diskriminierung sind die Themen, die der Künstler in seinen Werken schonungslos anspricht. Das einzige auf Malerei basierende Werk »Slides of a changing« gab schon 1983 die thematische Richtung vor, die Gober in den weiteren Werken immer wieder vor allem plastisch eingeschlagen hat. Dieses bildet damit sinnigerweise den Ausgangspunkt der Ausstellung.

 

Seit den 1990er Jahren fertigte Gober neben den einzelnen Skulpturen auch räumliche Installationen. Äußert umfangreich gestaltet sich eine Anlage innerhalb der Ausstellung, die sich durch zwei ineinander verschachtelte Räume ergibt. Der dunkle Raum, der den innen liegenden umschließt, gibt nur das Wasserplätschern des Innenraums preis. Betritt man den Kern der Installation, offenbart sich einem ein Zimmer, dessen Wände als Waldlandschaft gestaltet sind. An zwei gegenüberliegenden Seitenwänden sind jeweils drei Waschbecken angebracht, aus deren Wasserhahne ununterbrochen Wasser fließt. Die Darstellung der Bäume erinnert an das Tarnmuster einer Militäruniform und die hoch liegenden, kleinen Fenster sind vergittert. Es ist ein Wald, dessen natürliche Geräuschkulisse, technisch erzeugt wird und ein Raum, der mehr einer Zelle gleicht, als einer Waldlichtung. Der zunächst idyllische Eindruck wird durch nüchterne Technik gebrochen.

 

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Die Verwirrung steht auch den neuesten Werken Pate. Es sieht schon recht seltsam aus, wenn ein dünner haariger Schlauch aus Bienenwachs mit beiden Enden von einem Plastikstuhl baumelt. Wenn diese beiden Enden dann noch mit Kindersöckchen und Sandalen »bekleidet« sind und zudem von einem kleinen Pflaster geziert werden, stellt sich die Assoziation schnell ein. Schon von weitem ist man sicher, zwei blasse Beine zu sehen, die ein Kind von der Stuhlkante baumeln lässt. Nun steht man da und fragt sich, wie es sein kann, dass eine solche minimale Anordnung von Dingen ein kleines Kind erahnen lässt. Gobers Objekte sind aus unterschiedlichsten Materialien, geben vor etwas zu sein, was sie nicht sind und weisen auf einen Bedeutungsbereich zwischen Tatsächlichem und Assoziiertem. Schnell wird klar, warum im Zusammenhang mit Gobers Werken von einer großen Suggestionskraft gesprochen wird.

 

Der Besuch der Ausstellung führt chronologisch zu den wichtigsten Stationen und Wendepunkten in Gobers künstlerischer Arbeit. Dabei sind Werke zu sehen, die bisher nur selten oder gar nicht ausgestellt wurde. Auch die steinerne Madonna, die sonst isoliert als Dauerinstallation im Schaulager zu sehen ist, fügt sich nun in den Kontext der übrigen Werke. Die Retrospektive offenbart die dichte Erzählstruktur, die Gobers Œuvre auszeichnet und so bisher nicht erlebbar war.

 

 

 

 

Öffnungszeiten

Dienstag, Mittwoch, Freitag 12 – 18 Uhr

Donnerstag 12 – 19 Uhr

Samstag, Sonntag 10 – 17 Uhr