Ausstellungsbesprechungen

Ruth Engelmann-Nünninghoff, Malerei

Die in Acryl gefertigten Werke Ruth Engelmann-Nünninghoff, die vom 17. Februar bis 24. März 2008 in der Galerie des Neunkircher Künstlerkreises präsentiert werden, dokumentieren flink und sicher zu Papier gebrachte Gefühle, deren Preisgabe etwas sehr Intimes und für den Betrachter Bewegendes transportiert. Die von Farbe durchglühten Arbeiten zeugen dabei sowohl von inneren Spannungen und Verve als auch von Harmonie und Ruhe, wodurch die Künstlerin eine Balance in der Gesamtkomposition erzielt.

Für Ruth Engelmann-Nünninghoff ist künstlerisches Schaffen stets ein von Emotionen getragener Prozess. Der erste Impuls genügt bereits, damit der mit Farbe bedeckte Spachtel sich verselbständigt und mal temperamentvoll und leidenschaftlich, mal sanft und schwebend über die Leinwand gleitet. Es sind – so die Künstlerin selbst – »Emotionen von Trauer, Freude und Problemen«, die sie in ihren abstrakten Bildern verarbeitet. Wir treffen also auf Formationen, die ihre Körperlichkeit verloren, die – sozusagen – eine Verwandlung ins Stofflose der Kunst und damit einhergehend eine ungemeine Ästhetisierung erfahren haben.

 

Klare Linien stehen Auffächerungen, amorphe Gestalten kristallinen Gebilden gegenüber und ein kreisender, sanft fließender Spachtelduktus findet seinen Antipoden in einer geraden, strengen Komposition. Die Künstlerin führt uns die Bandbreite phantasievoller Formensprache vor Augen: Diese ist geprägt von Harmonie und geordnetem Chaos, von versonnener Stille und kraftvoller Impulsivität. Und genau diese Polarität wirkt sich auch auf das Auge des Ausstellungsbesuchers aus, denn es wird sowohl mit einem aufbäumenden Sträuben als auch einer sanften Hingabe der Formen konfrontiert.

Fortsetzung von Seite 1

Neben dem strukturalen Zusammenwirken ist für Ruth Engelmann-Nünninghoff in gesondertem Maße die Farbe Stimmungsträger. Hierzu greift die Künstlerin auf reine, leuchtende Farben zurück. Diese kommunizieren zumeist auf dem Papier miteinander, verbinden sich und entwickeln so ein innovatives koloristisches Experimentierfeld. Da tummelt sich ein atmosphärisch aufgeladenes Blau, werden vulkanisches Rot und Orange in ihrer ganzen Glut entladen oder es bahnen sich gelbe Lichtstrahlen ihren Weg. Allerdings lässt die Künstlerin diese Farbondulationen nicht ausufern, sondern setzt ihnen Grenzen – nicht selten mit einem selbstbewussten, schwarzen Lineament.

 

Ruth Engelmann-Nünninghoff formuliert mit ihrer Malerei »Seelenlandschaften« im doppelten Sinne: zum einen vermag die Künstlerin die tief in ihr schlummernde Bildidee auf Papier zu bringen und zum anderen werden wir als Betrachter von jenem tief empfundenen, fluidalen Farbspiel berührt. Caspar David Friedrich, einer der bedeutendsten Maler der Romantik, brachte diese künstlerische Transformation auf den Punkt, wenn er schreibt: »Schließe dein leibliches Auge, damit du mit dem geistigen Auge zuerst siehest dein Bild. Dann fördere zutage, was du im Dunkeln gesehen, daß es zurückwirke auf andere von außen nach innen.«

Fortsetzung von Seite 2

Mit der Ausstellung der Werke Ruth Engelmann-Nünninghoffs ist der Galerie des Neunkircher Künstlerkreises ein Griff in die Schatzkiste aktueller Malerei im Saarland gelungen. Die Arbeiten gewähren dem Ausstellungsbesucher den Freiraum, sie unter dem Einfluss der eigenen Empfindungen und Eindrücke zu erkunden und schließlich in eigene Deutungsmuster zu übersetzen. Es bedarf nur der Ruhe und Zeit, die jedoch für einen solchen Augenschmaus unbedingt aufgebracht werden sollten!

 

Die Ausstellungseröffnung findet am 17. Februar 2008 um 11 Uhr statt.

 

 

 

Öffnungszeiten

Sa 11-15 Uhr