Ausstellungsbesprechungen

Tillmann Damrau – CUM HAC GRATIA/1. Malerei, Zeichnung, Druckgraphik. Stuttgart, Galerie Anja Rumig, bis 9. April 2009

Auf der Karlsruher Kunstmesse war das Werk von Tillmann Damrau einer der Hingucker: kein Wunder, denn seine großen Leinwände eröffnen eine ganze Fundgrube an Erkenntnissen. Tiefe und Perspektive variieren je nach Betrachterlaune, was nicht heißt, dass Damraus Kunst leichte Kost wäre, im Gegenteil: Kaum ein anderer Künstler beherrscht die Klaviatur von der Unterhaltungskunst auf höchstem Niveau bis zur philosophisch dichten Beschreibung mit ironischer Tönung.

Doch damit nicht genug der Lorbeeren – auf ein und derselben Leinwand entfaltet er ein malerisches Spektakel, mogelt in seine Unikatschöpfungen reproduzierbare Holzschnitte, und er führt zeichnerisch eine intellektuelle Recherchearbeit durch, die das suchende Auge ständig auf Trab hält. Der Künstler, nach Lehraufträgen und Vertretungsprofessuren in Marburg, Reutlingen und Augsburg seit diesem Jahr an der Technischen Universität Dortmund tätig, schafft in seinen Bildern lauter Alter Ego, mit denen sich zugleich der Betrachter identifizieren kann, und mit einer offenbar kindlichen Freude streut Damrau Chiffren, die die scheinbar vertrauten Szenerien lustvoll verrätseln. Tillmann Damrau ist ein Spieler, der mehr weiß als seine Protagonisten, die er als zwar erstaunte, trittunsichere, aber trotzdem trotzige Zeitgenossen durch die fiktive Welt schickt, dem potentiellen Scheitern ins Auge blickend und doch so liebenswert cool, dass wir gern eine Geschichte hineinlesen. Ob sie wahr ist, mag der Betrachter entscheiden, der mit der Hast des flüchtigen, schnappschussgierigen Passanten oder dem duldsamen Tiefblick des Surrealisten ans Werk geht. Apropos: Der kryptische Titel cum hac gratia, »durch diese Gnade«, zeigt übrigens, wie ernst es Damrau meist ist, wenn er das Glück als Garant des möglichen Gelingens unsres Daseins evoziert.

Die lange Nacht der Museen am 21. März wurde durch Tillmann Damrau enorm bereichert, nicht zuletzt, weil so viel kreative Raffinesse im Gespann mit technischer Brillanz einfach gut tut. Dass er just am selben Tag seinen Geburtstag feierte, passt zu den schelmischen Seitentrieben seiner Bildfindungen. Glückwunsch!
 


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Samstag 11 bis 16 Uhr