Ausstellungsbesprechungen

Webers Mecki. Igel-Bilder von A. Paul Weber aus sechs Jahrzehnten, A. Paul Weber-Museum, Ratzeburg, bis 31. Juli 2012

Zweifellos, A. Paul Weber war einer der bissigsten Satiriker des 20. Jahrhunderts, aber er konnte auch anders, er konnte gemütlich und nett sein. Diese Seite des großen Künstlers stellt nun das A. Paul Weber-Museum in Ratzeburg in den Vordergrund. Weber war Igel-Fan, und in Fortsetzung der Mecki-Ausstellung des letzten Jahres zeigt eine kleine Ausstellung »Webers Mecki«. Stefan Diebitz hat sich die Blätter angesehen.

Schon früh, Ende der dreißiger Jahre, versuchte sich Weber ein erstes Mal an Igel-Darstellungen. Ausgangspunkt war die Geschichte vom Wettlauf zwischen Hase und Igel (»Haas und Swinegel«), die kurz zuvor durch den Trickfilm der Gebrüder Diehl von 1938 noch einmal populär geworden war. Und es ist schon auf dieser frühen Lithografie der Weber, den wir kennen: Gehässig feiert der Igel in »zu Tode gelaufen« seinen Sieg auf dem verendeten Hasen. Im Vergleich zu späteren Igel-Bildern ein sehr dunkles Blatt. Viele spätere Bilder sehen aber eher nett aus und zeigen einen spießig-selbstzufriedenen Kleinbürger mit Pfeifenstummel im Maul, der verdächtig nach dem Mecki der Hörzu aussieht.

Überwältigend ist die Konstanz der Motive im Werk Webers. Der Igel ist eines davon, und vielleicht nicht das unwichtigste. 1947 wurde der Künstler von der britischen Besatzungsmacht zurückgepfiffen, die sein Projekt »Haas und Swinegel« »typisch deutsch« nannte und deshalb nicht genehmigen mochte. Weber reagierte mit einer »Hochgericht« genannten Lithografie, auf der Hase und Igel am Galgen hängen. Anfang der fünfziger Jahre arbeitete er dann aber doch an einer Serie, die er nur deshalb nicht abschließen konnte, weil es ihm an Steinen für seine Lithografien mangelte. Und noch 1980, in seinem Todesjahr, gestaltete er einen Zyklus unter dem Titel »Aus Igelhausen«, in dem ein netter Igel mit einer netten Familie im Mittelpunkt steht.

Zum ersten Mal auf einer Ausstellung gezeigt werden in Ratzeburg die Neujahrskarten, die Weber zwischen 1954 und 1979 für den Ingenieur Karl Rieger zeichnete. Rieger trug einen Igelschnitt, und selbstverständlich zeigt jede der Karten einen Igel.

Auf manchen Bildern scheint der Igel von Wilhelm Busch inspiriert zu sein, der ja auch das Leben der Insekten als Zerrbild einer biedermeierlichen Welt nahm, und wie bei Busch treten Grillen und Frösche auf, zum Beispiel wenn ein Igel sich auf der Toilette von vorbeimarschierenden Tierchen gestört sieht. Insgesamt sind es drei Blätter, auf denen die beiden kleinen Tiere am Igel vorbeigehen, so dass wir hier fast Bewegungsstudien vor uns haben. Auf Bewegung hat der Zeichner Weber nämlich besonders geachtet. Eine seiner Zeichnungen hat er selbst zensiert, als er die »Armhaltung zu lang und zu steif« nannte: ein interessanter Einblick in den selbstkritischen Umgang eines Künstlers mit seinen eigenen Arbeiten.

Hase und Igel spielen selbstverständlich auch Schach, denn Schach war eines der Weberschen Lieblingsmotive. Die Arroganz, mit der der Hase am Brett sitzt (schief, die Beine übereinander geschlagen, im Auge ein Monokel), ist ebenso perfekt getroffen wie die biedere Haltung des bedächtig seine Pfeife schmökenden Igels; in jedem deutschen Schachverein kann man diese Typen beobachten.

Die liebenswerte Sonderausstellung sollte daher ein zusätzlicher Grund sein, nach Ratzeburg in das A. Paul Weber Museum zu fahren. Ein Besuch lohnt sich immer!

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