Meldungen zum Kunstgeschehen

#kunstjagd: Provenienzrecherche quer durch alle Medien

In diesen Tagen sind Kunstdetektive in Deutschland unterwegs: Das Projekt #kunstjagd ruft die Öffentlichkeit auf, die Journalisten bei ihrer Recherche zu unterstützen und berichtet auf verschiedenen Kanälen von der Jagd nach einem in der NS-Zeit verschwundenen Gemälde.

Wird das verschollene Gemälde wieder auftauchen? © ZAZA Uta Röttgers
Wird das verschollene Gemälde wieder auftauchen? © ZAZA Uta Röttgers

Die Geschichte

Am Morgen nach der Reichspogromnacht 1938 wird der jüdische Kaufmann Jakob Engelberg von der Gestapo verhaftet und ins KZ Dachau verschleppt. Seine Familie bleibt zurück.

Bis dahin hatte sich Engelberg einen bescheidenen Wohlstand erarbeitet, in seinem Besitz befanden sich sogar zwei Bilder des heute fast vergessenen Künstlers Otto Theodor Stein. Eines davon nimmt Paula Engelberg zwei Wochen, nachdem ihr Mann verschleppt wurde, von der Wand und trägt es aus dem Haus, so erinnert sich der Sohn Edward Engelberg. Einige Stunden später kehrt sie ohne Bild, aber mit einem Visum für die Schweiz zurück. Damit erreichte sie die Freilassung ihres Mannes und einen Tag nach seiner Heimkehr überqueren die Engelbergs die Schweizer Grenze. Der Vater bricht in Tränen aus.

Nach kurzer Zeit in Zürich flieht die Familie Engelberg weiter nach Amerika, wo sie heute über das ganze Land verstreut lebt. Sie ist davon überzeugt, dass sie nur am Leben ist, weil Paula Engelberg das Stein-Gemälde hergab. Das verbliebene Bild hängt im Wohnzimmer Edward Engelbergs. Im Familienjargon heißt es »unsere Mona Lisa«. Es zeigt das Porträt einer Frau, auf dem Schoß ein Buch. Das verschwundene Pendant ist eine Variation dieses Motivs – und niemand weiß, wo es sich heute befindet.

Was ist die Kunstjagd?

Am 21. Mai startete die Kunstjagd. Die Journalisten von Follow the Money berichten in verschiedenen Medien über ihre Suche nach dem verschollenen Bild. Sie folgen den Spuren des Gemäldes und des Visums und hoffen, dass sie am Ende das Kunstwerk finden werden. Dabei suchen sie sich Hilfe bei Provenienzforschern, Kunsthistorikern und Historikern, aber auch in der Öffentlichkeit: via E-Mail, Twitter, Whatsapp, Facebook und Co. kann jeder, der glaubt, einen Hinweis zu haben, diesen mitteilen. Follow the Money geht den Tipps nach und berichtet wöchentlich mit einem Podcast über die Recherche, über Irrwege und Erfolge. Eine Fernsehdokumentation, die voraussichtlich am 9. November, dem Jahrestag der Reichspogromnacht, und ein Feature im Deutschlandradio runden das Medienprofil von #kunstjagd ab.

Die wichtigste Frage dabei ist natürlich, ob die Journalisten die »Mona Lisa der Engelbergs« wirklich ausfindig machen können, doch genau diese Unsicherheit macht auch den Reiz des Ganzen aus. Und selbst wenn sie verschollen bleibt, so sensibilisiert die Kunstjagd für das Thema »enteignete und geraubte Kunst«, zeigt welchen Herausforderungen sich Provenienzforscher stellen müssen. Auch illustriert die Recherche das Schicksal jüdischer Deutscher im Nationalsozialismus, denn während Familie Engelbert die Flucht gelang, wurde Otto Theodor Stein schließlich ins Lager Theresienstadt deportiert. Keine reine Spaßveranstaltung also, nein, ein hochspannendes, innovatives Recherprojekt!

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