Meldungen zum Kunstgeschehen

Adam Bartos »Yard sale« und Jessica Backhaus »New work« – Parallelausstellung in der Galerie Robert Morat in Hamburg, bis 25. Juni 2011

Die nahe des Hamburger Hafens gelegene Robert Morat Galerie präsentiert bis 25. Juni 2011 in einer spannenden Gegenüberstellung die fotografischen Werke der beiden international etablierten Künstler Adam Bartos und Jessica Backhaus. Eine Ausstellungsempfehlung unserer Autorin Verena Paul.

Der 1953 geborene Fotograf Adam Bartos, dessen Werke in international renommierten Ausstellungshäusern bereits zu sehen waren, wurde in Deutschland vor allem durch seine Straßenaufnahmen und urbanen Landschaften aus Los Angeles und Paris bekannt. Für seine in Hamburg ausgestellte Serie »Yard sale« unternahm Bartos zwischen 2005 und 2007 regelmäßig Spaziergänge über Flohmärkte und besuchte private Garagenverkäufe. Die zufälligen Arrangements von bisweilen obskuren Gegenständen, die zum Verkauf angeboten werden, nutzt er um formale Bildbaustudien über Proportionen, Farbflächen und Linienführung anzustellen. Und so findet er im Wirrwarr der verschiedenen Artikel Ordnungsgefüge, Verschmelzungen von Gegensätzen, die schließlich in seinen Aufnahmen eine ästhetische Aufwertung erfahren. Gleichzeitig sind die in diesen Stillleben dokumentierten Objekte natürlich mit Erinnerungen und Assoziationen aufgeladen und zeugen dergestalt von großer narrativer Kraft. Sie erzählen gleichermaßen die Geschichte ihrer Vorbesitzer als auch die der amerikanischen Alltagskultur der vergangenen 30 Jahre.

Die 1970 geborene Jessica Backhaus gilt heute als eine der wichtigsten Vertreterinnen zeitgenössischer Fotografie aus Deutschland. Ihre Fotoarbeiten werden international ausgestellt und publiziert und finden sich in wichtigen privaten und öffentlichen Sammlungen wie dem Museum of Fine Arts, Houston, der Margulies Collection in Miami oder der Sammlung der Deutschen Börse in Frankfurt. Wie schon in ihren früheren Serien, etwa »Jesus and the Cherries« (2005) oder »What still remains« (2008), entwickelt die Fotografin auch in ihren aktuellen, in der Robert Morat Galerie präsentierten Serien »I wanted to see the World« (2010) und »Once, still and forever« (2011) einen starken Sinn für die Melancholie des Alltäglichen und die Kraft von Farbe und Licht als emotionalem Ausdrucksmittel. Mit »I wanted to see the World« begegnet uns eine Reihe großformatiger Wasserreflektionen, die das abstrakte Farb- und Lichtspiel der Wasseroberflächen einfangen. Diese „weichgezeichneten“ Motive fängt Backhaus mit einem unglaublichen Feingefühl ein und verwandelt die der Wirklichkeit abgelauschten Elemente in einen surrealen Reigen. Mit der aktuellen Serie »Once, still and forever«, die bislang noch nicht publiziert und nun zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert wird, kehrt Jessica Backhaus zurück zum klassischen Stillleben. Dabei rückt sie Alltagsgegenstände, wie bunte Wäscheklammern oder sich kreuzende Lichterketten, in unspektakulärer, aber sehr wirksamer Manier ins Zentrum ihrer Arbeiten.

Eine wunderbare und – wie ich finde – absolut sehenswerte Parallelausstellung, die Sie für Ihren nächsten Hamburgaufenthalt einplanen sollten.

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