Kunstbücher für junge Leser

Anna Nilsen: Tatort Kunstauktion. Leg den Fälschern das Handwerk! Gerstenberg Verlag

Es ist bereits das dritte interaktive Kunsträtselbuch – von insgesamt fast 100 publizierten Titeln –, das die vielseitige Autorin, Illustratorin und Kunstpädagogin für kleine Hobby-Detektive geschrieben hat. Die Story ist von Jason Ford in der Art von Comics mit Sprechblasen illustriert. Schauplatz ist das »renommierte Hammer-Auktionshaus«. Alles beginnt – ganz zeitgemäß – mit der E-Mail eines unbekannten Informanten, der den Auktionator Henry Hammer (!) am Vorabend seiner großen Kunstauktion vor einem kriminellen Kunstsammler warnt: Dieser habe vier verschiedene Banden beauftragt, 16 der 34 zur Versteigerung ausgestellten Kunstwerken zu fälschen, um sie gegen die kostbaren Originale einzutauschen. Unsere Rezensentin Stefanie Marschke nahm Freude die Ermittlungen auf...

Cover©Gerstenberg
Cover©Gerstenberg

Als Hilfe fungieren Steckbriefe der Bandenmitglieder mit ihren Erkennungsmerkmalen und Fälschermethoden, die der Informant mitgeschickt hat, und eine Liste der verdächtigen Kunstsammler, die die eiligst kontaktierte Kommissarin Gaby Grips rüberfaxt.
Henry Hammer muss den Betrug über Nacht aufdecken, wenn er die Auktion nicht absagen will. Aber welche Werke sind nun gefälscht? Allein kann er das nicht so schnell herausfinden und benötigt daher die Mithilfe der jungen Leser, die er direkt als Detektive anspricht. Sie sollen die gefälschten Meisterwerke identifizieren, indem sie die »Originale« im Auktionskatalog mit den im fiktiven Auktionshaus ausgestellten Bildern vergleichen, und zwar in Manier der bekannten Fehler-Suchbilder »Original und Fälschung«. Dieser Teil bildet das Kernstück des Buches: Der Clou besteht darin, dass die Seiten hier horizontal geteilt sind, sodass man oben die Fehler in den teilweise gefälschten, chronologisch gelisteten Exponaten suchen kann, während man unten durch den alphabetisch geordneten »großen Kunstauktionskatalog« mit den verkleinerten Abbildungen der »Originale« blättert und sich die Beschreibungen der Maler und Kunstwerke durchlesen kann. Hier wäre eine Lupe – wie in früheren Mitmachbüchern der Autorin vorzufinden – eine zusätzliche Hilfe gewesen.

Wie bei einer echten Kunstauktion trifft man auf berühmte Namen wie Pablo Picasso und weniger bekannte wie Winslow Homer, das Spektrum der 34 vorgestellten Malerinnen und Maler reicht von Fra Angelico und Albrecht Dürer über Mary Cassatt und Paul Gauguin bis zu Andy Warhol und Georg Baselitz. So vermittelt das Buch im Buch auf spielerische Art neben der präzisen Bildbetrachtung das Wiedererkennen eines bestimmten Malstils, denn die Kinder müssen die Gemälde auf der anspruchsvollen Fehlersuche genauestens unter die Lupe nehmen.

Eine Mustertabelle mit einer Schritt-für-Schritt-Anleitung zeigt, wie man bei der Lösungsfindung den Überblick behalten kann. Sowohl über die Anzahl der Fehler, die die Fälscher in ihren Kopien machen, und die davon abhängige Bezahlung des Auftraggebers als auch mithilfe weiterer Informationen der Kommissarin kann schließlich der Täter ermittelt werden – dabei sind übrigens auch Rechenkünste gefragt! Auf der letzten Seite zeigt »Die Stunde der Wahrheit« die Lösungen – leider allzu offen, denn auf den ersten Blick sind sämtliche Fehler ersichtlich, was es den Kindern zu leicht macht und zum Schummeln verführt. Hier hätten schwierigere »Verstecke« wie Briefumschläge oder Ähnliches für mehr Spannung und (noch mehr) Spielerei gesorgt.

Ein ansprechend gestaltetes Bilderbuch, das die alte Spielidee »Original und Fälschung« kreativ aufbereitet und auf unterhaltsame wie originelle Art Kunst, Krimi und Rätselspaß kombiniert. Zu empfehlen für Kinder ab 9 Jahren.

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