Ausstellungsbesprechungen

Ans Markus - Hommages aan Couturiers, Eusebiuskirche Arnhem, verlängert bis 4. September 2011

Die Modewelt gehört ja mittlerweile zu den neuesten Lieblingen der Kuratoren. Eine etwas andere Hommage an die Haute Couture präsentieren die Gemälde von Ans Markus, die Cornelia Ganitta im niederländischen Arnhem für PKG studiert hat.

Wo früher Bankreihen standen, schmücken heute 36 lebensgroße Modebilder das Kirchenschiff. Schöne Frauen in wallenden Traumkleidern von Dior, Gaultier, Yamamoto, Westwood, Chanel und Co. Vor überwiegend dunklem Hintergrund, realistisch exakt gemalt, wirken diese im wahrsten Wortsinn großartigen Ölgemälde beinahe wie Fotografien. Als Schwerpunkt einer Ausstellung in der Arnheimer Eusebiuskirche sind sie den Großen der Haute Couture gewidmet. Fast allen Frauen gemein ist, dass ihre Augen verbunden sind. »Ich male Frauen, die frei sein wollen«, sagt ihre Erschafferin, Ans Markus. Bis zu ihrer eigenen "Befreiung", der Scheidung mit 30 Jahren, fühlte sich die Künstlerin von ihrem Mann erniedrigt, verletzt und in ihrer Persönlichkeit unterdrückt. Damals dienten die verbundenen Augen als Kokon, in den sie sich zurückziehen konnte. Eingewickelte oder maskierte Frauen sind seit dieser Zeit ihr Markenzeichen, auch wenn Ans Markus den Kokon nicht mehr nötig hat.

Heute ist die 64-Jährige eine der populärsten und auch kommerziell erfolgreichsten niederländischen Malerinnen. Für ihre Arbeit wurde Ans Markus 2009 von einer Jury aus Museumsfachleuten und Hochschullehrern zur Künstlerin des Jahres gewählt. Als einzige Frau war sie hierfür bisher acht Mal nominiert. Seit einigen Jahren hat sich die stets perfekt geschminkte und elegant gekleidete Amsterdamerin der Modewelt verschrieben. Von Kind auf gelte ihr Interesse der Vielfältigkeit und Leichtigkeit der Mode, sagt Ans Markus. Zu der in der Kirche ausgestellten Serie habe sie allerdings, ihre alte Mutter motiviert: »Sie ist 99, taub, fast blind und hat genug vom Leben. Beinahe jeden Tag besuche ich sie im Altersheim. Das ist so deprimierend, dass ich einen positiven Ausgleich brauchte. Und den habe ich im Malen von Mode gefunden«.

Ihre Roben, die auf Eindrücken von besuchten Modeschauen, Fotografien aus Büchern oder dem Internet basieren, bringt sie in ihrem Amsterdamer Atelier auf die Leinwand. Was diese Bilder auch ausmacht, ist, dass stets ihre eigene Tochter, die ihr innerlich wie äußerlich sehr ähnlich ist, als Modell zum Tragen kommt. »Als ich mit dem Malen angefangen habe, hatte ich kein Geld, um ein Modell zu bezahlen. Also gebrauchte ich mein Kind hierfür. Das ist zu unser beider Vergnügen bis heute so geblieben. Ihr Gesicht ist dabei meistens anonym – versteckt hinter Binden oder Masken«, erläutert Ans Markus.

Neben den Modebildern zählen Stillleben, Geburt und Tod, Jugend und Alter, Christusbilder, leere Räume sowie Porträts – darunter Auftragsarbeiten für Politiker und die Königsfamilie – zu ihren langjährigen Themen. Eine Auswahl dieser Arbeiten ist ebenfalls in der Ausstellung zu sehen. Außerdem ein 24 Gemälde umfassender Lebenszyklus und ein circa sechs Meter langes Bild, auf dem sich 23 Frauen "aller" Hautfarben die Hand reichen – wie häufig in der Kirche zum Abschluss eines Gottesdienstes als Zeichen des Friedens. Auch Ans Markus betont den Friedenswillen: »Ich will, dass die Menschen nach innen schauen, weg kommen von Habsucht, Eifersucht und Eitelkeit«.

Ihre künstlerische Laufbahn begann vor mehr als 30 Jahren mit dem Anfertigen von Porträts auf Kunstmärkten, die sie für 25 Gulden verkaufte. Danach ging es steil bergauf, war sie auf Messen in Köln und Basel vertreten. Heute ist Ans Markus stolz, dass sie ohne akademischen Grad in der Lage ist, zu machen, was sie will. Und der Erfolg gibt ihr recht. Dank ihres jetzigen Mannes, der ihre Geschäfte "in die Hand" genommen hat, vermarktet sie sich gut. Eine Ausstellung im Noord Brabants Museum 2007 bescherte ihr 65 000 Besucher, was die Autodidaktin Markus besonders freut: »Das Publikum hat mich angenommen«. Rund 850 Werke hat sie inzwischen gemalt. Wer eines davon haben will, muss tief in die Tasche greifen: von 1000 bis 75 000 Euro reicht die Spannweite.