Ausstellungsbesprechungen

Axel Geis

Die figurative Malerei hat viele Stars – Leipzig ist überall. Doch während manche davon fast schon entnervt sich dem Rummel samt manchen Pflichten entziehen wollen (Neo Rauch lässt grüßen), hat die Zunft längst im Verborgenen hochinteressante Seitenzweige kultiviert.

Einer davon ist der 1970 in Limburg an der Lahn geborene Axel Geis, der in Karlsruhe und Mainz studierte und seit etwa 2000 die Kunstszene in Berlin belebte und mittlerweile in den USA wahrgenommen wird.

Kein Wunder, denn gleich zwei Felder belegt Geis bravourös: das Porträt und – man staunt – das Historienbild, von dem wahrlich kaum die Rede mehr war, seit einer halben Ewigkeit. Impulsgeber für diese wie jene Sujets sind Velazquez, Goya und Manet, die einen soliden Grund bieten, auf dem das Werk von Axel Geis gedeihen kann.

Die porträtierten Personen wirken spontan wie Vertraute aus der nächsten Umgebung eines jeden Betrachters – Typ »Mädchen mit Tasche«, der ganz gezielt unsere flüchtige Wahrnehmung aufs Korn nimmt: denn die Beliebigkeit, mit der wir glauben, grade diese Menschen alltäglich zu Gesicht zu bekommen, tun uns den Gefallen des interesselosen Wohlgefallens nicht. Bei genauerem Hinsehen fällt uns rasch der ausweichende Blick der Dargestellten auf, sofern man von Blick sprechen kann. Fast unheimlich bekommen sie von der Warte aus etwas von Widergängern ihrer selbst. Kein Schatten ist zu sehen und das zunächst allzu bekannte Tun der Protagonisten erschließt sich letztlich nicht. Der »Mann mit Kind«, mehr noch der »Mann mit Baby« lassen die Intimität vermissen, die der Szenerie nahe liegen würde. Geis begnügt sich allerdings nicht bei dieser inhaltlichen Befremdlichkeit, formal arbeitet er mit der Verfremdung: Bilder wie der »Mann mit weißem Hemd« entpuppen sich als bloß gemalte Hirngespinste. Die sind jedoch betont anfällig für Geheimnisvolles, in dem der Maler schwelgen kann.

Wenn Axel Geis auch die Person bzw. die Persönlichkeit in den Porträts als verloren darstellt (meist steht ihm die Verwandtschaft Modell), ist man überrascht über die anekdotischen Ansätze, die er ihnen angedeihen lässt. In lapidaren Szenerien wie »Mann und Frau und Schüssel« oder »Mann und Mann im Schatten« spinnt sich die Betrachterphantasie eine Geschichte zusammen, die keineswegs im Bild selbst belegbar sein dürfte. Von hier aus führt eine Spur zum Historienbild, einem pathos-bestimmten Genre, das aus verständlichen Gründen kaum noch eine Rolle spielt. Aber was macht Axel Geis daraus! In einer Serie von Figurengruppen »vor Pfeiler« stellt er fiktive Veteranenverbände ins Bild – auch hier betont malerisch als Bild in der bemalten Fläche – und bringt gleich mal das gemutmaßte Denkmal um den Hauptgegenstand. Übrig bleibt ein skulptural-architektonisches Beiwerk, das jegliches Pathos ins Leere führt.

Mit dem Katalog liegt nun auch ein ausgezeichnetes Verzeichnis der jüngeren Arbeiten vor, die bislang kaum greifbar waren.

 

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Dienstag – Sonntag 11.00–18.00 Uhr