Call for Papers

Call for Papers: Re-Konstruktionen. Stadt, Raum, Museum, Objekt. 23. Tagung des Arbeitskreises deutscher und polnischer Kunsthistoriker und Denkmalpfleger, vom 7. bis 10. Oktober 2015 in Poznań

Die Rekonstruktion von Bauwerken und Kunstdenkmälern stellt immer auch eine Konstruktion dar, die durch zeitgenössische Ideen und Forschungsschwerpunkte beeinflusst wird. Welche Folgen das hat, woran man solche Konstruktionen erkennen kann und vieles mehr will die Tagung diskutieren. Einsendeschluss für Exposés: 15. Februar 2015.

In den letzten Jahren haben in Deutschland und in Polen ebenso wie in anderen mitteleuropäischen Ländern Rekonstruktionsvorhaben materieller und virtueller Art Konjunktur, die auf einem Bedürfnis nach Vergegenwärtigung der Vergangenheit basieren. Dies betrifft nicht nur ausgewählte, längst nicht mehr existierende Einzelobjekte, sondern auch ganze Bauensembles und Stadträume. Vergleichbare Prozesse lassen sich im Bereich der Museumsgestaltung beobachten, bei der Inszenierung von Dauerausstellungen ebenso wie bei Wechselausstellungen oder einzelnen Exponaten. Die seit den 1990er Jahren intensiv geführten Diskurse um historisches Gedächtnis und Identität scheinen die Domäne der Ideen und intellektuellen Konzepte zu verlassen und materielle Formen anzunehmen.

Dem erstgenannten Themenkomplex waren bereits zwei Tagungen des Arbeitskreises gewidmet (Visuelle Erinnerungskulturen und Geschichtskonstruktionen in Deutschland und Polen. I: 1800-1939, Berlin 2004; II.: nach 1939, Darmstadt 2006). Ziel der Konferenz 2015 ist die Beschreibung und Analyse materialisierter Geschichtskonstruktionen. Zu fragen ist nach den zugrunde liegenden Intentionen ebenso wie nach den erzielten Wirkungen. Ausgangspunkt der Überlegungen sind re-konstruierte Orte, Räume, Objekte: Auf welche Weise werden das Wissen und die Vorstellung von ihrer Vergangenheit in eine physische, konkrete Form überführt? Welche gesellschaftlichen Prozesse und kulturellen Muster spiegeln sich in den Rekonstruktionsvorhaben? Welche Motive leiten die Akteure, wie verlaufen die öffentlichen Debatten um die Projekte in den jeweiligen gesellschaftlichen Kontexten? Welche Rolle spielen Architektur, bildende Künste, Raumgestaltung und andere Medien, auch neue Technologien, beim Phänomen der Re-Konstruktion?

Die Konferenzbeiträge sollen die Aussagekraft und die Wirkung von Rekonstruktionen analysieren, die als Konstruktionen von Vergangenheit zugleich Indikatoren gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Konjunkturen der Gegenwart sind. Über den regionalen Fokus des Arbeitskreises auf das Gebiet des gemeinsamen kulturellen Erbes von Polen und Deutschen hinaus sind vergleichende Studien, die den größeren Kontext des Phänomens Re-Konstruktion sichtbar machen, sehr erwünscht.

Die Themenwahl ist eng verküpft mit dem Tagungsort Poznań/Posen: Der Raum dieser Stadt wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts von Bauvorhaben geprägt, die explizit der Schaffung von Historizität dienten. Die symbolische Klammer dieser Prozesse bilden das ehemalige Kaiserschloss Wilhelms II. (1905-1910) und das Schloss des Przemysł/Zamek Przemysła (2010-2013).

Folgende Themenblöcke/Sektionen sind vorgesehen:

  • Städtische Ensembles: Wiederherstellung historischer Städtebilder, Ergänzungen der Bebauung, Wiederaufbau von Denkmälern – Objektauswahl bzw. -selektion und damit verbundene Zielsetzungen;
  • Einzelbauten: Rekonstruktion von Burgen, Schlössern städtischen Repräsentationsbauten – Objektauswahl, Funktion, Technologie;
  • Museen: Entstehung neuer historischer Museen, Renovierung bestehender Museen, Modernisierungen von Dauer- und Inzenierung von Wechselausstellungen;
  • Einzelobjekte: Rekonstruktionen beweglicher Kunstdenkmäler.

Neben thematischen Vorträgen (Redezeit max. 20 Min.) bietet die Informationsbörse des Arbeitskreises ein Forum zur Vorstellung aktuell laufender, individueller oder institutioneller Forschungsprojekte zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege (Kurzreferate, max. 10 Min.) im Bereich des gemeinsamen kulturellen Erbes von Polen und Deutschen.

Konferenzsprachen sind Deutsch, Englisch und Polnisch.

Bitte senden Sie ein Exposé Ihres (unveröffentlichten) Beitrags (etwa eine Seite DIN-A 4, 2.400 Zeichen) wie auch für die Informationsbörse, einen kurzen Lebenslauf sowie Angaben zu Ihrer derzeitigen Tätigkeit bis zum 15. Februar 2015 an:

rekonstrukcje_poznan2015@amu.edu.pl

Prof. Dr. Tadeusz J. Żuchowski, Prof. Dr. Jarosław Jarzewicz, Dr. habil. Piotr Korduba, Dr. Michał Mencfel, Institut für Kunstgeschichte der Adam-Mickiewicz Universität Posen
Anna Hryniewiecka, Direktorin des Kultuzentrums „Zamek“ [Schloss]
Dr. Dietmar Popp, Herder-Institut Marburg

Kontakt
Piotr Korduba
Instytut Historii Sztuki, Uniwersytet im. Adama Mickiewicza w Poznaniu, aleja Niepodległości 4,
61-874 Poznań, Polen
rekonstrukcje_poznan2015@amu.edu.pl

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