Call for Papers

Call for Papers: Sehnsuchtslos und postkanonisch? Architektenreisen nach Italien im 20. Jahrhundert, am 3. und 4. Dezember 2015 in Rom

War Italien noch im 18. Jahrhundert ein Sehnsuchtsort, ja fast märchenhaft und Ziel für Künstler und Intellektuelle, erlebte das Land in den letzten 100 Jahren eine regelrechte Touristenschwemme. War es das also mit der künstlerischen Inspiration? Genau dieser Frage will sich sich die Tagung an der Bibliotheca Hertziana widmen. Einsendeschluss für Exposés: 31. Mai 2015.

Als die Touristen kamen, blieben die Künstler und Architekten aus. Palladio und das Pantheon büßten ihre kanonische Stellung ein wie die Zitronenblüten ihre Inspirationskraft. Das Ottocento bezeichnete das Ende der klassischen Italienreise, danach wurden ganz andere Ziele relevant. So lautet der Duktus der meisten Publikationen über Architektenreisen in das Land jenseits der Alpen.
Und dennoch: Frank Lloyd Wright schreibt die Einleitung zu seiner wegweisenden Wasmuth-Publikation von 1910 ausgerechnet in Fiesole, Charles-Edouard Jeanneret (Le Corbusier) reist auf der Suche nach „culture“ zur Villa Hadriana, German Bestelmeyer preist die Romanik Oberitaliens als ein Exemplum Alter Sachlichkeit, und Jahrzehnte später findet Robert Venturi in Rom sein Ideal einer komplexen und widersprüchlichen Architektur. Waren Architekten im 20. Jahrhundert also doch nicht frei von Italiensehnsucht? Existierte nach wie vor ein Kanon von Bauten und Städten, oder wurde er um ganz andere Orte und Aspekte wie die vernakuläre Architektur ergänzt?

Die Tagung „Sehnsuchtslos und postkanonisch? Architektenreisen nach Italien im 20. Jahrhundert“ fragt nach der Bedeutung Italiens als Inspirationsraum für traditionalistische, avantgardistische und postmoderne Architekten. Erwünscht sind Beiträge zu den neuen Reiserouten und -orten, zur gewandelten Rolle des reisenden Architekten als Tourist, Akademiestipendiat, Kriegsteilnehmer oder als Flüchtender in eine Gegenwelt. Welche Rolle hatten dabei die akademischen Lehrer des späten Historismus und die bebilderten Architekturpublikationen? Welche Bandbreite textlicher und zeichnerisch-fotografischer Notate während der Reise gab und gibt es? Wie verlief die Rezeption der politisch heiklen italienischen Moderne? Wie vollziehen sich Pilgerreisen zu Architektenstars wie Aldo Rossi und Renzo Piano? Damit sind einige, aber nicht alle Themenbereiche umrissen, zu denen wir uns Beiträge wünschen.

Wir freuen uns auf die Einsendung kurzer Exposés (ca. 300 Wörter + kurzer Lebenslauf) für einen halbstündigen Vortrag bis zum 31. Mai 2015 an kai.kappel@culture.hu-berlin.de und wegerhoff@tum.de

Die Tagung findet am 3. und 4. Dezember 2015 an der Bibliotheca Hertziana (Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte) in Rom statt. Tagungssprachen sind Deutsch, Italienisch und Englisch.

Organisation:

Prof. Dr. Kai Kappel
Professur für die Geschichte der Architektur und des Städtebaus
Institut für Kunst- und Bildgeschichte der HU Berlin

Dr. Erik Wegerhoff
wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Theorie und Geschichte von Architektur, Kunst und Design
Fakultät für Architektur der TU München

in Verbindung mit

Prof. Dr. Sybille Ebert-Schifferer
Geschäftsführende Direktorin
Bibliotheca Hertziana (Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte), Rom