Call for Papers

Call for Papers: Tagung: Grabmalskapelle, Kirche und Friedhof Frankreichs, vom 23. bis 25. Oktober 2015 in Düsseldorf

Das Grabmal als repräsentatives Bauwerk, aber auch als Spielwiese bedeutender Künstler ist in der Kunstgeschichte oft unterrepräsentiert. Die Tagung will das ändern und die Rolle bedeutender Künstler für die Grabarchitektur im 18. und 19. Jahrhundert untersuchen, aber auch den gegenseitigen Einfluss von Sepulkralkultur und Kunst inn den Blick rücken. Einsendeschluss für Abstracts: 15. Januar 2015.

Das französische Grabmonument des 18. Jahrhunderts führt immer noch ein kunsthistorisches Außenseiterdasein - von Erwin Panofsky als erfindungsarm abgestempelt, von der Mentalitätsgeschichte vor allem zur Illustration prärevolutionärer Todes- und Jenseitsvorstellungen herangezogen, von der kunsthistorischen Denkmalsforschung weitestgehend ausgeklammert. Dabei ist es wohl nicht vermessen zu sagen, dass gerade das elitäre Grabmal in den großen politischen, intellektualitätsgeschichtlichen, religiösen und künstlerischen Kontexten im 18. und 19. Jahrhundert eine gewichtige Rolle spielte.

So sind nahezu alle großen französischen Bildhauer des 18. Jahrhunderts an Grabmalsprojekten beteiligt gewesen. Gerade das prominent elitäre, innerkirchliche Grabmonument war im Laufe des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts Gegenstand einer urbanistisch geprägten, auf hygienischen Erwägungen basierenden Diskussion, die schließlich in der Auflösung der althergebrachten Memoriapraxis - einer seit Jahrhunderten sowohl verteidigten, als auch kritisch gesehenen Allianz von Kirche und Grabmal - mündete und eine Umorientierung der Aufgabe des Grabmonuments zur Folge hatte. Darüber hinaus galten doch gerade die Grabmäler als vorderste Symbole verhasster Protagonisten des Ancien Régime, waren erste Ausstattungsstücke von Alexandre Lenoirs "Musée des Monuments français" und avancierten dann mit Verlagerung auf den außerstädtischen Friedhof zu künstlerischen Highlights in touristischen Friedhofswegweisern.


An das Plädoyer für die Untersuchung des Grabmals im genannten Zeitraum schließt sich eine Reihe von unterschiedlichen Fragestellungen an. So wäre zu diskutieren, ob eine intellektuelle Bewegung wie die Aufklärung überhaupt als historisch verortbare Kunstrichtung gelesen werden kann und wenn ja, wie deren Charakteristika aussehen sollten? Existiert - nun aus der Sicht des artifex gelesen - eine Künstlersozialgeschichte der Aufklärung; wissen wir - anders formuliert -, welche Möglichkeiten sich dem Bildhauer in Bezug auf das Grabmal als Aufgabe boten? Gerade im spezifischen Falle der Sepulkralkultur treffen nämlich unterschiedlichste Faktoren zusammen: zwischen den Gattungen "Grabmal" und "Denkmal" kommt es mehr und mehr zu einer Durchmischung, es finden sich zahlreiche Hybridformen beider Gattungen ausgebildet. Auch die Frage, wie im postrevolutionären Frankreich mit dem Tod, dem Totengedenken und christlicher Motivik umgegangen wurde, erscheint noch nicht als ausreichend beantwortet, wird doch diese Entwicklung entgegen dem Prinzip resilienter Prozesse im Falle der Aufklärung als mehr oder weniger fiktiver Wendepunkt gedeutet, ab dem der Mensch sich nun in einer säkularisierten Welt anderen oder neuen Formenspektren in der Grabmalskunst bedient habe. Wie, so ist zu fragen, hat Alexandre Lenoirs "Musée des Monuments français" das Verständnis vom Grabmal verändert oder beeinflusst? Ein besonderes Desiderat der Forschung bildet schließlich die Kunst auf Friedhöfen, somit jenseits von Kirche und Grabkapelle. Wie - so wäre zu fragen - entwickelt sich die Friedhofskultur in dieser Zeit, welche Möglichkeiten erlaubte der spezifische Raum "Friedhof" im Gegensatz zum spezifischen Raum "Kirche" dem ausführenden Künstler und auch dem Stifter des Kunstwerks? Welchen Einfluss hatten Akademie und Zünfte in Bezug auf die Sepulkralskulptur?

Mit dieser Skizzierung der zeitgenössischen Kontexte und dem aufgeworfenen Fragenkatalog soll das weitgefasste Untersuchungsinteresse der Tagung aufgezeigt werden, das sich sowohl auf Fallbeispiele einzelner inner- und außerkirchlicher Grabmonumente sowie einzelner Ikonographien oder Stile in den unterschiedlichen Kontexten des 18. und 19. Jahrhunderts, auf inner- wie interdisziplinär angelegte Beiträge zur Bestattungspraxis, zum Totengedenken, zum Künstlerselbstverständnis oder zur Wissenschaftsgeschichte beziehen kann.

Die Tagung wird vom 23. bis 25.10.2015 im Tagungshaus der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Schloss Mickeln, stattfinden. Die Veranstalterinnen bemühen sich um Drittmitteleinwerbung zur Deckung der Tagungskosten. Eine Publikation der Beiträge ist geplant. Vortragsvorschläge auf Deutsch, Englisch oder Französisch von ca. einer Seite samt einer Seite Kurzvita und Publikationsliste werden bis zum 15. 01. 2015 erbeten an:

muench@uni-trier.de und windorf@phil.hhu.de

Veranstalterinnen:
Dr. Birgit Ulrike Münch
Akademische Rätin
Lehrstuhl für Kunstgeschichte
Fachbereich III
Universität Trier
54286 Trier

Dr. Wiebke Windorf
Akademische Rätin
Institut für Kunstgeschichte der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Universitätsstr. 1
40225 Düsseldorf

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