Porträts

Das Kolumba – ein Museum, das Altes und Neues miteinander verbindet

Das Kolumba gehört zu den Museen Kölns, die beeindrucken. Und neben dem Walraff-Richartz Museum gehört es zudem zu den Ältesten. Nichtdestotrotz beeindruckt es aber vor allem durch seine moderne Architektur, entworfen von Peter Zumthor, die ganz auf die Werke der Sammlung eingeht und vom sich verändernden Tageslicht geprägt wird. Doch auch die Sammlung des Hauses muss sich nicht verstecken und liefert die breite Grundlage für ein Jahresthema. Ein Porträt von Sabrina Tesch.

Schon von außen wird deutlich: Hier bilden alt und neu eine Einheit. © Erzbistum Köln Aus den Überresten der Kirche »Madonna in den Trümmern« entstand der Neubau des Kolumba. © Erzbistum Köln
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Klare architektonische Linien und eine einfache, funktionale Form, imposant in seiner Schlichtheit. In die moderne und zahlreich ausgezeichnete Architektur, die nach einem Entwurf des Schweizer Architekten Peter Zumthor entstand, sind alte architektonische Überreste, Ruinen der spätgotischen Kirche St. Kolumba und der Kapelle »Madonna in den Trümmern« (1950) integriert. Der Name »Kolumba« bezieht sich auf diese historischen Architekturen, die in den Neubau des Museums, der am 15. September 2007 eröffnete, eingegliedert wurden. Die Grundsteinlegung war am 1. Oktober 2003.

Charakteristisch sind die großen, bodentiefen Fenster, die aus dem Gebäude heraus den Blick auf die Welt und die Stadt um das Museum frei geben. Sie scheinen mit dem Gemäuer zu verschmelzen. Der besondere Lichteinfall schafft zum im Gebäude eine harmonische und ruhige Atmosphäre. Auf künstliche Lichtquellen verzichtet das Kolumba dabei bewusst. Die Schlichtheit der Museumsarchitektur verleiht ihm die besondere Aura; sie ist frei, unbegrenzt und offen. Die präsentierten Werke rücken in den Vordergrund und wirken dadurch betonter. Sie erhalten den Raum, in dem sie wirken können. Im Inneren bestehen die Treppen, Wände und Böden aus Beton, glatt und grau, ohne Dekoration, doch nicht kühl. Nicht protzig, eher schlicht und ästhetisch. Ablenkung vom Wesentlichen findet sich hier nicht. »Die wechselnden Proportionen der Räume, Licht und Schatten sowie die Haptik der Materialien schaffen einen eigenen Erlebnishorizont.«, so beschreibt die Besucherbroschüre die Idee hinter dem architektonischen Konzept.

Das Kolumba ist das Kunstmuseum des Erzbistums Köln und wurde bereits 1853 als Diözesanmuseum Köln vom christlichen Kunstverein gegründet; seit 1989 wird es vom Erzbistum getragen. Hier entsteht in den jährlichen Wechselausstellungen eine Verbindung zwischen alt und neu, einstig und zeitgenössisch, Erinnerung und Moment. Die Kölnische Rundschau beschrieb es so: »…dass Ausstellungen von Kolumba nicht nur Kunst zeigen, sondern selbst Kunstwerke sind.« (15.9.2015). Die ausgewählten Werke ergeben eine harmonische Gesamtkomposition im Gefüge der Ausstellung. Alles ist so aufeinander abgestimmt, dass der Grundgedanke und der rote Faden erkennbar bleiben. Es gibt keine Ablenkungen, der Besucher bleibt ganz in der Ausstellung und kann sich seinen Gedanken hingeben.

Gezeigt wird eine Mischung aus Kunstwerken aller Epochen und Techniken, von der Spätantike bis hin zur Gegenwart, von Malerei über Skulptur bis hin zu großen Rauminstallationen. Gegenübergestellt werden die Werke, die von kirchlichen Reliquiengegenständen über mittelalterliche Tafelmalereien bis hin zu einfach gerahmten Zeichnungen des 20. Jahrhunderts reichen. So entsteht ein subtiler Dialog zwischen Altertum und Heute, zwischen Kunst, Fantasie, Alltag und Realität, der nicht durch Kennzeichnungen und Beschriftungen gestört wird. Stattdessen erhält der Besucher ein kleines Heft, das alle Werke vorstellt und genügend Auskunft gibt, wenn man denn während eines Besuches lesen möchte. Er nicht möchte, kann sich ganz auf die Wirkung der Kunst fokussieren. Führungen, ein Leseraum mit verschiedenster Literatur zu den wechselnden Jahresthemen und unterschiedlichen Veranstaltungen eröffnen die Möglichkeit zur Vertiefung und näheren Beschäftigung mit der gezeigten Kunst.

Auf Spezialisierungen in der Sammlung wird weitestgehend verzichtet, um einen möglichst großen Umfang künstlerischen Schaffens darstellen zu können. Das Museum setzt sich mit dem zur Kunst gewordenen Leben auseinander und versteht sich dabei als »Museum der Nachdenklichkeit«. So werden auch Gegenstände gezeigt, die den Alltag repräsentieren. Der Besucher kann sich die Frage stellen, ob das Leben an sich oder das eigene Leben vielleicht schon Kunst sind. Auch die Werke können im Umkehrschluss hinterfragt werden. Mit seiner Arbeit überzeugt das Kolumba auch Sammler und konnte so seine Bestände mit unterschiedlichen Schenkungen erweitern. Aufsehen erregte vor allem die Übergabe der Schenkung Härle mit zahlreichen bedeutenden mittelalterlichen Skulpturen.

Auch Werke der klassischen Moderne wie Arbeiten Gerhard Macks oder Alexej von Jawlenskys bereichern die Sammlung und ermöglichen so künstlerische Diskurse. Zeitgenössische Kunst findet sich daneben auch wieder. Vertreten sind Künstlerinnen wie Louise Bourgeois, Leiko Ikemura (die größte Sammlung ihrer Werke ist hier zu finden), Rebecca Horn oder Agnes Martin. So entsteht ein künstlerischer Diskurs zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Das Kolumba versteht sich selbst als »lebendes Museum« und die Kuratoren unterscheiden hier nicht zwischen ständiger Sammlung und Wechselausstellung. Jährlich zum 15. September – vorher ist das Kolumba für den Aufbau zwei Wochen geschlossen – wechselt die Ausstellung und zeigt Werke der Sammlung in unterschiedlichen Kontexten und zu verschiedenen Themen und dies ganz unabhängig von Chronologie, stilgeschichtlichen oder medialen Zusammenhängen. Es gibt einige Kunstwerke, die ihren festen Platz gefunden haben, aufgrund ihres Bezugs zum Museumsraum oder aufgrund der Bedeutung für das Haus, und um diese herum wechseln andere Werke. Über allem schwebt das Thema der Jahresausstellung. Für Abwechslung und Ergänzung zu dem Jahresthema sorgt der »Raum 10«. Hier werden im vierteljährlichen Wechsel lediglich zeitgenössische Positionen präsentiert.

Das Kolumba ist eine Besonderheit unter den Museen Kölns: Jedes Jahr eine neue Ausstellung und jedes Jahr eine Mischung aus Alt und Neu, aus Geschichte und Gegenwart, manchmal mit Blick in die Zukunft. Dabei strahlt es stets nachdenkliche Stille, Besonnenheit und Besinnlichkeit aus. Wer es nicht kennt, sollte es also unbedingt einmal kennenlernen. Ein Besuch lohnt sich immer, und schön ist auch, dass es im Gegensatz zu den anderen Museen montags geöffnet hat.