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Der verschwundene Arnold Topp

Im 2. Weltkrieg verschollen und 1961 für tot erklärt, so sieht das Schicksal eines bedeutenden Expressionisten und Kubisten aus. Auch sein Werk geriet bis zur Wende in Vergessenheit. Anlässlich seines 125. Geburtstages am 8. März erinnern wir an Arnold Topp.

»Franz Marc und Arnold Topp gehören zusammen. Seit Franz Marcs Erscheinen ist keiner aus Deutschland so jung und so reich ins Blaue geritten wie Arnold Topp«, sagte einst der Architekt und Publizist Adolf Behne über den Künstler.

»[…] Arnold Topp ist […] ein Mann der gezüchteten Phantasie«, schrieb Oscar Bie 1915 für den Berliner Börsen-Courier anlässlich einer »Sturm«-Ausstellung. Er notierte weiter:»Seine Blätter und Bilder, teils Bibel, teils Varieté […], Salome, Selbstmörderin, Karussell, Tauwetter, sind üppig an Vorstellung und gefüllt im Rahmen. Mittelding zwischen Wirklichkeitsanregung und futuristischen Expressionen […]. Am charakteristischen ist ›Golgatha‹, das Motiv der Kreuzigung in ein blutig schönes Trauerspiel von Farben aufgelöst, das zwischen den Träumen Grünewalds und van Goghs schwebt. An solchem Bilde, reif im Räumlichen, frei im Wirklichen, klingend im Farblichen, assoziativ im Formalen, kann das Ideal der Modernsten abmessen«.

Das Herausragende an Topps Bildern ist, dass sie immer ein Stück Weltenraum sind. So mancher programmatische Titel wie »Weltenwanderer « deutet bereits darauf hin. Insbesondere die Farbe ist Trägerin des architektonischen Empfindens, ist die Seele des Bildes. Reine Farben bringen es à la Kandinsky zum klingen. Geometrische Farbflächen geformt wie Flügel dynamisieren die Motive. Wichtig ist für Topp, ein Bild unter dem Eindruck eines augenblicklich herrschenden Gefühls zu schaffen. Es gilt, die Stimmung mit in das Bild hineinzunehmen.

Seine doppelte Profession als Maler und Lehrer, sein Brotberuf, zog Topp in die großen Kunstzentren. Schon früh pflegte der 1887 in Soest Geborene Kontakt zu Herwarth Walden und seiner legendären Galerie »Der Sturm« in Berlin. Während der regelmäßigen Berlinaufenthalte entstanden Freundschaften mit Künstlerkollegen wie Bruno Taut und Georg Muche. 1918 wurde Topp Gründungsmitglied des Arbeitsrates für Kunst. Dieser hatte sich zum Ziel gesetzt, die aktuellen Entwicklungen und Tendenzen in der Architektur und Kunst einer breiten Bevölkerung nahe zu bringen. Der Arbeitsrat arbeitete u. a. eng mit dem Deutschen Werkbund zusammen. Bis 1930 ist Topp in zahlreichen Ausstellungen in Deutschland, aber auch in den USA, Russland sowie Japan vertreten.

Trotz seines Eintritts in den NS-Lehrerbund 1933 wird Topp schließlich als entarteter Künstler gebrandmarkt. In den Akten des Reichspropagandaministeriums ist er mit acht Werken aufgeführt. 1940 erfolgte die Versetzung nach Meseritz im heutigen Polen. Im letzten Kriegsjahr wurde er zum Volkssturm eingesetzt. Seit einem Kampfeinsatz desselben Jahres gilt er als verschollen. Er geriet vermutlich in sowjetische Kriegsgefangenschaft. In den darauf folgenden Jahrzehnten kümmerte sich niemand um ihn, er wurde ein Vergessener. Dies nicht zuletzt, weil sein gesamter Nachlass als Totalverlust gilt.

Eine Rückkehr erlebte Arnold Topp durch Rainer Enders, der 2006 eine Biografie samt Werkverzeichnis im VDG Weimar veröffentlichte. Dieses Werkverzeichnis bewahrt alle Facetten seiner Kunst: Das Tiefgründige, Anrührende und Heitere. Arnold Topp ist wieder da — pünktlich zur großen »Sturm«-Ausstellung in Wuppertal!