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Digitale Möglichkeiten für Museen

Die moderne Technik hält mittlerweile Einzug in jeden Winkel unseres Lebens. Tablet-PCs sollen nun mit speziellen Programmen das eingestaubte Museum ins 21. Jahrhundert führen. Kann das wirklich funktionieren? Während eines Gespräches auf der Messe »DLD14« erläutern Max Hollein, Direktor von drei Frankfurter Museen, Thomas Alt, Geschäftsführer von Metaio, und Sophia George, Game Designer in Residence im Victoria & Albert Museum in London, die Möglichkeiten und Grenzen der augmented reality im traditionellen Museum.

Wissensvermittlung im Museum durch Conexio, ein Projekt an der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd.
Wissensvermittlung im Museum durch Conexio, ein Projekt an der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd.

Max Hollein, Direktor der Schirn Kunsthalle, des Städel Museums und des Liebieghauses in Frankfurt, argumentiert für die Nutzung von digitalen Möglichkeiten im modernen Museum. Jedoch sieht er auch in Zukunft keinen Ersatz für den persönlichen Besuch des Museums vor Ort. Ein Fehler von Museen in der Vergangenheit war, dass sie versuchten, ein virtuelles Abbild der Institution zu erstellen. Das kann nicht funktionieren.
Der Besucher investiert ganz individuell Zeit in einen persönlichen Museumsbesuch. Durch das Bestellen der Tickets über das Internet kann man wissen, wann er kommt und welche Ausstellungen er sehen möchte und könnte. So ist es möglich, bereits vor dem Besuch Kontakt auszunehmen und über Onlineangebote wie Artikel und Videos den Besuch vorzubereiten, um durch Hintergrundinformationen das Erlebnis des Museumsbesuchs um weitere Ebenen zu erweitern. Die Zukunft des Museums sieht er einerseits in der Erweiterung des Informationsangebots durch digitale Geräte und Programme, andererseits in einer Bildungsplattform im digitalen Raum.

Thomas Alt, der Geschäftsführer der Medienfirma Metaio, die sich bereits einen Namen in der Sparte der augmented reality gemacht hat, sieht diese ebenfalls nur als Erweiterung des persönlichen physischen Besuchs. Sie ist kein virtueller Ersatz für das Museum. Der individuelle Besucher soll lediglich die Möglichkeit haben, sich mit seinem persönlichen digitalen Gerät zusätzliche Informationen jeglicher Art zu Objekten seines Interesses zu beschaffen.

Sophia George, Games Designer in Residence am Victoria and Albert Museum in London, unterstreicht trotz ihrer Position die Bedeutung eines persönlichen Besuchs. Den kann kein virtuelles Angebot ersetzen. Ihre Aufgabe liegt lediglich darin, für die Generation der digital natives neue Formen der Informationsvermittlung zu finden.

Der Besucher bekommt durch die Tablets die Möglichkeit, seine Wahrnehmung des Kunstwerks zu erweitern. Der originale Kontext kann in der virtuellen Realität um das Kunstwerk selbst wieder entstehen. Wichtige Details können betont und in den Fokus des Besuchers gerückt werden. Es können sogar für den Besucher unsichtbare Dinge sichtbar gemacht werden. Aber alle sind sich einig: es gibt keinen Ersatz für den persönlichen Besuch und das Erlebnis eines Museums.

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