KunstGeschichten

Erich Wurth: Doublefox' Bart

Neue Kurzgeschichte von Erich Wurth!! Wieder eine Geschichte aus Wien, diesmal geht es um Puffy Westermayer, Doublefox und ein gestohlenes Bild... Viel Spaß und gute Unterhaltung!

Er hätte es gar nicht mitnehmen sollen, das Scheiß – Gemälde.

Nicht nur, dass Puffy Westermayer bei seinem Bruch fast erwischt worden wäre, war auch der Murrer[1] nicht der Rede wert. Es war alles schief gegangen in dieser Nacht.
Puffy, der eigentlich Martin hieß und seinen Spitznamen von seiner Tätigkeit als Faktotum einer Peep Show im Prater hatte, deren „Künstlerinnen“ alle nebenbei noch eine andere, persönlichere Tätigkeit ausübten, hatte in seiner Freizeit diesen Ausflug in den westlichen Wiener Wald unternommen, weil das Objekt viel versprechend aussah. War es aber nicht.
Die Möbel im Wohnzimmer des alten Bauernhauses, das dieser Baumarktbesitzer zu einem luxuriösen Landsitz umgestaltet hatte, waren alle versperrt gewesen und bevor Puffy die Schlösser noch aufbrechen konnte, war der Hausherr heimgekommen. Gott sei Dank hatte Puffy ihn kommen gehört, als jener seinen Wagen in die Garage fuhr. Er hatte nur mehr rasch das Bild von der Wand nehmen können, dann musste er schleunigst verduften.
Und jetzt saß er da mit einem Bild, das kein Hehler haben wollte.
Es sah auch sehr seltsam aus, das Gemälde. Ein kleines, quadratisches Ölbild auf Leinwand in einem altmodischen Rahmen, der viele Schnörkeln und Verzierungen aufwies. In den Ecken war die Leinwand weiß und unbemalt, das Bild selbst war kreisrund und darauf waren Wolken und Engel mit Flügeln abgebildet. Am unteren Rand sah man Bergspitzen, die zum Zentrum des Kreises zeigten und zwischen den Felsen tummelten sich einige leicht bekleidete Gestalten und einige Ziegen. Puffy hatte keine Ahnung, was das Zeug darstellen sollte und warum der Maler diese seltsame runde Form gewählt hatte.
Auf alle Fälle war das ganze große Scheiße, wenn man es nicht zu Geld machen konnte.
An sich hatte Puffy ja schon seine bösen Erfahrungen mit Hehlern, die Kunstwerke übernahmen. Diese Arschlöcher fanden immer einen Trick, den armen Einbrecher reinzulegen. Ließen einen anderen die Arbeit machen und verdienten sich am Murrer eine goldene Nase!
Am liebsten hätte Puffy das Gemälde in die Mülltonne geschmissen. Aber er war derzeit sehr knapp bei Kasse und jeder Betrag für das Bild war ihm willkommen.
Seine Freundin Irene gab ihm dann einen Tipp, wie er das blöde Ding vielleicht doch noch für ein paar Scheinchen loswerden konnte. Der Tipp hieß Doublefox.
Irene war das, was man in Wien ein „Praterfee“ nennt. Also eine jener Damen, deren Einsatzgebiet der Prater ist und die dort nicht nur dem horizontalen Gewerbe nachgehen, sondern jede Gelegenheit ergreifen, ein paar Euro ins Handtäschchen stecken zu können. Irene zum Beispiel arbeitete in der Peep Show, für deren Besitzer auch Puffy tätig war, aber es brachte nicht viel ein, sich dort auszuziehen. Doublefox hatte Irene, deren „Künstlername“ übrigens Mabel lautete, deshalb kennen gelernt, weil dieser Doublefox ein Unikum mit einer etwas seltsamen Vorliebe war.
Doublefox hieß eigentlich Koubek, trug den seltenen Vornamen Adam, war Maler und arbeitete regelmäßig für das Wiener Fälschermuseum. Das ist eines der sehenswertesten Privatmuseen Wiens, gelegen auf der Landstraße[2] in der Löwengasse, gegenüber dem so genannten „Hundertwasserhaus“. Die dort ausgestellten Gemälde sind – vielleicht mit einer einzigen Ausnahme – alle gefälscht. Vermeer, Rembrand, Klimt – eine ganze Menge von Werken anerkannter Künstler hängt hier. Aber echt ist keines. Mit Ausnahme vielleicht eines Matisse, denn bei dieser Winterlandschaft sind die Experten nicht einig.
Das Museum bietet auch eine besondere Dienstleistung an: Interessierte können beim Museum Werke großer Künstler bestellen, die sie selber zeigen. Also wenn Herr Fritz Pimpelhuber von Rembrand porträtiert werden möchte – kein Problem! Ebenso könnte Herr Birnstingel in einem Schlachtengemälde als General erscheinen und Frau Blaschek mit Krone und Zepter auf dem Kaiserthron.
In solchen Fällen gingen die Aufträge zur Herstellung der individuell gestalteten Fälschung meist an Doublefox. Er hatte die Gabe, jeden beliebigen Malstil bis ins kleinste Detail kopieren zu können. Dass er alte Meister kopierte, tat übrigens seiner Bewunderung für die Schöpfer der Originale keinen Abbruch. Denn seine Ansicht zu diesem Thema würde er selbst etwa so beschreiben:
„Klar konnte Beethoven Klavier spielen. Sein Genie bestand aber nicht darin, dass er Klavier spielte, sonder was er spielte, nämlich seine eigenen Ideen in Töne umsetzte. Jetzt würde kein Mensch behaupten, eine Beethoven Sonate interpretiert von András Schiff wäre eine Fälschung!“ Und in diesem Sinn verstand Adam Koubek, alias Doublefox, seine Tätigkeit: Er „interpretierte“ alte Meister, nichts weiter!
Die Signatur „FF“, mit der er seine wenigen eigenen, durchaus modernen Werke signierte und die zu seinem Spitznamen Doublefox geführt hatte, lag in seinen beiden hervor stechenden Eigenschaften begründet, zu denen Adam auch voll stand: Er war Fälscher und Fetischist, folglich bedeuteten die zwei Buchstaben „fetischistischer Fälscher“ – Fox-Fox, eben Doublefox. Und diese zweite Eigenschaft, die des sexuellen Fetischismus, hatte ihn mit Mabel alias Irene bekannt gemacht, als er ein gefälschtes Gemälde im Museum abgeliefert hatte und anschließend die kurze Strecke über die Rotundenbrücke in den Prater hinüber fuhr, um nach Möglichkeiten Ausschau zu halten, seine Neigung auszuleben. Prompt traf er da auf Mabel, die vor Antritt ihres Dienstes in der Peep Show ihrerseits nach zusätzlichen Einkünften Ausschau hielt.
In der Rustenschacher Allee stöckelte sie im Bereich der Kreuzung mit der Stadionallee umher. Es war ein relativ kühler, trüber Herbsttag und Mabel trug Leder. Ein Kostüm in schwarz mit engem, sehr kurzem Rock.
Wenn Doublefox auf etwas total abfuhr, dann war es Leder – oder zur Not auch Latex. Nur Uniformen übertrafen bei Doublefox noch das Leder in seiner fetischistischen Wirkung, aber Damen in Uniformen sind meist nicht sehr geeignet dafür, problemlos zu einer unverbindlichen erotischen Stunde – und sei es auch gegen gute Bezahlung - eingeladen zu werden.
Adam Koubek war ausreichend bei Kasse, hatte er doch soeben sein Honorar für ein Gemälde erhalten und Mabel hatte noch zwei Stunden Zeit, bis sie sich in der Peep Show ausziehen musste. Also konnte sie sich vorher noch bei Doublefox ausziehen, der ohne darüber zu verhandeln, Mabels Preis sofort akzeptierte. Doublefox wohnte auf der Wieden[3] und Mabel kam bereitwillig mit in seine Wohnung, zumal Doublefox versprach, sie hinterher wieder in den Prater zurück zu fahren, wo Mabel ihr  eigenes, kleines Auto abgestellt hatte.
Adam Koubek, alias Doublefox, bewohnte eine geräumige Altbauwohnung in der Johann Strauß Gasse und Mabel fühlte sich dort auf Anhieb recht wohl. Auch, dass sie gebeten wurde, zwar die Unterwäsche abzulegen, aber wieder in ihr Lederkostüm zu schlüpfen, empfand Mabel nicht als ungewöhnlich. Sie hatte immerhin genügend Berufserfahrung. Und dieser Maler da, der war echt nett! Mabel blieb weit über eine Stunde bei ihm, bekam noch einen starken Kaffee, nannte ihn mittlerweile „Foxy“ und der Maler wurde ihr immer sympathischer.
Als Doublefox beim Kaffee sein Interesse daran bekundetet, in Hinkunft zum Stammkundenkreis der Mabel zählen zu wollen, bot ihm diese sogar an, sich eine Uniform zu beschaffen, vorausgesetzt, der Maler beteilige sich an den Kosten. Doublefox versprach es und als er Mabel zurück in den Prater fuhr, freute sich diese sehr über ihre neue, viel versprechenden Einnahmequelle.
So kam es, dass Mabel dem Einbrecher Puffy Westermayer, den Rat geben konnte, das Gemälde dem Doublefox für das Fälschungsmuseum anzubieten. Puffy, der mit Mabel schon seit langem befreundet war, nahm den Rat dankbar an und überließ ihr das Gemälde vertrauensvoll, so dass sie dem Kunstfälscher das gute Stück demnächst zeigen konnte.
Mabel versuchte, den Doublefox dazu zu überreden, wieder einmal ihre Dienste in Anspruch zu nehmen, was normalerweise kein Problem für sie darstellte, zumal sie sich die Tracht einer Krankenschwester zugelegt hatte. Ganz in weiß, mit hochhackigen weißen Stöckelschuhen und Schwesternhäubchen wurde dieses Outfit von Doublefox ohne weiteres als Uniform akzeptiert und Mabel hatte sich bereits mehr oder weniger daran gewöhnt, so etwa alle ein bis zwei Wochen einmal den Fälscher zu besuchen.
Doch diesmal wollte Doublefox nicht so recht. Er war mittlerweile an eine völlig echte Uniform geraten.
Die Trägerin dieser echten Uniform hieß Erika Riha, war Revierinspektor und dem Wachzimmer zugeteilt, das unter anderem auch für die Löwengasse zuständig ist.
Wieder einmal war es ein abzulieferndes gefälschtes Gemälde, das ihn die Bekanntschaft der Frau Inspektor Riha machen ließ. Und zwar hatte Doublefox seinen Wagen an verbotener Stelle geparkt.
Nun ist das Hundertwasserhaus in der Löwengasse eine Sehenswürdigkeit, die in viele Stadtrundfahrten einbezogen wird und damit Ziel einer gehörigen Zahl von Bussen. Zwar hat die Stadt Wien entlang der Weißgerberlände am Donaukanal Parkplätze für Busse geschaffen, die aber an manchen Tagen nicht ausreichen. Frau Revierinspektor Riha sollte ein Auge auf die Busse haben, die den Verkehr in der Löwengasse mitunter behinderten. Dabei fiel ihr der Wagen des Doublefox auf und sie klemmte eben einen Zahlschein unter den Scheibenwischer, als der Maler zu seinem Auto zurückkam.
Doublefox bemerkte sofort, dass da eine ausnehmend hübsche Blondine in der Polizeiuniform steckte. Erst dann bemerkte er den Strafzettel.
Natürlich witterte er sofort eine Chance, mit dieser uniformierten Dame ins Gespräch zu kommen. Er bat sie, die Strafe sofort bezahlen zu dürfen und erklärte, er hätte eben nur ein gefälschtes Gemälde abgeliefert.
Beim Ausdruck „gefälscht“ wurde die Polizistin hellhörig. Das gab Doublefox die Gelegenheit, seine Tätigkeit als Kunstfälscher erklären zu können. Zwischendurch brachte er ein paar Bemerkungen an, wie gut die Uniform der Frau Inspektor stehe und dann bat er um Entschuldigung, er könne nicht umhin, sie zu fragen, wie es ihr gelungen sei, die zwar Respekt einflößende, aber nicht sehr weiblich erscheinende Uniform so umzuarbeiten, dass sie derart sexy und stimulierend wirke.
Erika musste gegen ihren Willen lächeln. Nun, sie habe den Bund der Hose etwas enger gemacht, das wäre alles.
„Tatsächlich? Mit einer solchen Kleinigkeit kann man so viel erreichen? Sie schauen aus wie aus ein’ Film!“
Dann fragte er, ganz bescheiden und schüchtern, ob es denn einmal möglich wäre, die Frau Inspektor in Uniform zu malen?
Diese Frage trug ihm den Missmut der Polizistin ein, denn sie konterte, erst hieße es „in Uniform“, aber dann steuere der Maler wohl auf ein Aktbild hin. Doch Doublefox beteuerte, dass dem nicht so wäre und er fügte hinzu, dass Uniformen ihn faszinierten. Er war in Gesellschaft der reizenden Polizistin in jene Stimmung gekommen, die dazu beiträgt, dass Männer auf Frauen Eindruck machen können und Erika blieb tatsächlich nicht unbeeindruckt. Nach zehn Minuten hatte Doublefox Erikas private Telefonnummer.
Zwei Tage später trafen sie einander in einem Restaurant in der Wiedner Hauptstraße und Doublefox war maßlos enttäuscht, dass Erika in Zivil gekommen war. Sie sah zwar trotzdem blendend aus, aber für einen Uniformfetischisten ist das eben etwas frustrierend.
Der Abend wurde ungeachtet der Kleidung Erikas recht anregend. Doublefox erzählte ehrlich über seine Arbeit und seine Neigungen, stellte seinen sexuellen Fetischismus als normale Spielart menschlichen Lebens dar und sprach dieser Einstellung alles Krankhafte ab. Wenn eine sexuelle Praktik beiden Spaß mache, so wäre das doch nicht krankhaft! Die Psychiater sollten doch zusehen, wie sie andere Typen als Patienten kriegen konnten und nicht harmlosen Fetischisten einreden, bei ihnen wäre eine Schraube locker.
Erika gestand, dass sie selber eine Vorliebe hätte: Sie fände Bärte so unheimlich sexy. Worauf der glatt rasierte Doublefox natürlich umgehend schwor, niemals mehr eine Rasierklinge in die Hand zu nehmen.
Ob er denn vorläufig auch ohne Bart Chancen hätte, fragte er dann naiv schüchtern.
Erika lachte. Na ja, wenn es vorläufig auch ohne Uniform ginge?  
So stellte sich, später  an diesem Abend, heraus, dass es tatsächlich auch ohne Uniform ging. Und zwar in höchstem Maß befriedigend für beide.
Das war der Grund, weshalb Doublefox keinen gesteigerten Wert mehr auf Mabels Outfit als Krankenschwester legte. Es kostete deshalb Mabel einige Überredung, einen Besuch bei Doublefox durchzusetzen. Schließlich stimmte der doch zu, ohne sich etwas davon zu erwarten und mehr aus Gutmütigkeit.
Als aber dann Mabel das Gemälde mitbrachte, bekam Doublefox Stielaugen. Wo Mabel denn das Bild her hätte?
Mabel bekam ebenfalls große Augen. Der Bart stünde dem Doublefox blendend! Warum sich Doublefox nicht mehr rasiere, wollte sie wissen.
„Bequemlichkeit“, sagte der. „Aber wo, zum Teufel, hast das Gemälde her?
Von einem Bekannten. Stünde zum Verkauf.
Wie viel?
Na, was wäre denn so was wert?
Doublefox war in einer Zwickmühle. Dass das relativ kleine Gemälde, nur etwa sechzig mal sechzig Zentimeter groß, unzweifelhaft den Entwurf für ein Kuppelfresko darstellte, das stand für ihn fest. Seiner Meinung nach musste es um 1760 bis 1780 entstanden sein. Nur das fertige Fresko war ihm nicht bekannt, obwohl er sich viel mit Rokokomalerei befasst hatte. Wahrscheinlich ein Entwurf, der nie ausgeführt wurde. Doublefox hatte Franz Anton Maulbertsch im Verdacht, hier die vergebliche Vorarbeit für ein bedeutendes Werk geleistet zu haben. Aber er scheute sich, den wahren Wert des Bildes einer Nutte wie Mabel bekannt zu geben. Wer weiß, woher sie das Gemälde hatte.
„Na ja, als Stilfälschung könnt’ man so was vielleicht ausstellen“, meinte er. „Fünf Hunderter?“
„Bist gegen die Tür g’rennt?“
„Was? Z’ wenig?“
„Des is mindestens zehntausend wert!“
„Ja, beim Arsch, Herr Karl! Für so was verlang i keine zweihundert!“
„Dann pinsel’ dir’s selber, du Nebbochant.“
Damit machte sich Krankenschwester Mabel enttäuscht wieder davon, ohne dass Doublefox ihre Dienste in Anspruch genommen hätte.
Doublefox ließ die Sache aber keine Ruhe. Wie kam eine Praterfee zu so einem Kunstwerk? Die Angelegenheit schien nicht ganz legal zu sein. Also rief er die Frau Revierinspektor Riha an.
„Erika, Zuckergoscherl, ich hab a Bild angeboten gekriegt. Das kommt mir verdächtig vor. Ich glaub, das war ein Maulbertsch. Kommst einmal vorbei, damit wir das besprechen können?“
Seltsamerweise war Erika sofort damit einverstanden. „Gut. Nach’m Dienst, in Uniform“, sagte sie und Doublefox war der Mabel und ihrem Gemälde plötzlich höchst dankbar. „Musst mir alles drüber erzählen“, verlangte Erika noch, bevor sie das Telefonat beendete.
Nun, darüber war Doublefox weniger erfreut. Er konnte doch seiner neuen Freundin nicht sagen, dass er sich regelmäßig mit einer Praterfee getroffen hatte! Also musste er sich eine Geschichte ausdenken, einen „Schmäh“, den er Erika servieren konnte.
Nun war Doublefox nicht der Typ, sich mit Lügen herum zu schlagen. Zeit seines Lebens hatte er es nicht der Mühe wert gefunden, Ausreden zu suchen. Dass er Fetischist war, gab er ja auch ganz offen zu. Aber an der Erika lag ihm viel und er fürchtete, sie könnte seinen Kontakt zu einer Prostituierten übel nehmen. Schließlich erfand er einen Unbekannten, der ihn vor dem Fälschermuseum angesprochen hätte.
Als Erika in ihrer schmucken Uniform abends endlich kam, wurde zunächst über die Sache mit dem Bild nicht viel gesprochen, sondern Erika legte erst den Beweis dafür ab, dass eine Uniformbluse und die Uniformkappe auch gut aussehen, wenn man keine Hose dazu trägt. Über den inzwischen ansehnlichen Stoppelbart des Doublefox zeigte sie sich höchst erfreut.
Als sie dann entspannt nebeneinander lagen, verlangte Erika eine detaillierte Beschreibung des Gemäldes. Ein Maulbertsch wäre bei einem Einbruch in der Nähe von Neulengbach gestohlen worden und glücklicherweise habe der Besitzer das Bild vorher fotografiert. Für die Versicherung. Eine Fahndung mit Foto wäre erst vor ein paar Tagen bei ihr im Wachzimmer eingegangen.
Doublefox beschrieb das Bild, so gut er konnte.
„Das is es. Ein Entwurf für ein Kuppelfresko für’s Kloster Lilienfeld. Aber die Kuppel is gar net ’baut worden. Wer hat’s dir an’boten?“
Doublefox zog seinen Schmäh ab. Die Personenbeschreibung des Unbekannten macht ihm allerdings Schwierigkeiten und er versuchte sich dahingehend auszureden, dass er Gesichter nicht beschreiben könne.
„Komisch. Malen kannst G’sichter, aber beschreiben net?“
Nun, er wäre eben grafisch begabt, aber nicht sprachlich.
Mit der Hilfe Erikas gelang dann allerdings doch so etwas, wie eine Beschreibung. Doublefox sagte halt abwechselnd „ja „ und „nein“, wenn Erika ihre Fragen stellte. Demnach hatte der Unbekannte schließlich eine Glatze, schlechte Zähne, eine breit geschlagene Nase und dichte, braune Augenbrauen.
Erika war hoch erfreut. Damit konnte sie beim Wachzimmerkommandanten bestimmt punkten. Dieser Chauvinist gäbe den Funkwagen immer lieber dem Piribauer, als ihr und sie selber schicke er stattdessen zu Fuß auf Streife. Jetzt konnte sie dem Kommandanten endlich zeigen, dass auch sie ihr Gehalt wert war!
Doublefox freute sich darüber, dass er seiner Frau Inspektor mit der sexy Uniform behilflich sein hatte können – und er ging sogar noch einen Schritt weiter. Er glaube, den Unbekannten bereits vorher einmal gesehen zu haben, bekannte er, und zwar bei einem Würstelstand drüben im Prater. Dort werde er jetzt öfter vorbeischauen und versuchen, den Mann wieder zu finden. Ob er das Gemälde in diesem Fall kaufen sollte?
„I will net das Bildl, i will den Dippler[4] “, sagte Erika mit Bestimmtheit. Doublefox solle in diesem Fall sofort die Polizei verständigen.
Doublefox wurde auf einmal sehr still. Er dachte nach, wie er seiner Erika einen Erfolg verschaffen könne, ohne sein Geheimnis mit Mabel preiszugeben. Ihm fiel aber nichts ein.
Dann verließ Erika ihn, nicht ohne ihm nochmals einzuschärfen, nichts auf eigene Faust zu unternehmen, sondern ihre Kollegen einzuschalten.
Zum selben Zeitpunkt fand zwischen Mabel und Puffy, der eben einen Besoffenen aus der Peep Show geschmissen hatte, eine Unterredung statt. Mabel hatte das Bild bedauernd retourniert. Der Fälscher Doublefox wäre offenbar doch nur ein Negerant[5] und zahle nicht mehr als mickrige fünf Hunderter.
„Besser als a heißes Blech am Arsch“, meinte Puffy. „Probier’, ob er net do mehr zahlt. Du machst das schon, Mauserl.“ Und damit drückte er der Mabel das Gemälde wieder in die Hand.
Was dazu führte, dass Mabel am nächsten Tag den Doublefox anrief. Der Eigentümer des Bildes sei verhandlungsbereit, trotz des lächerlichen Angebots.
„Aha. Also hat’s da was“, stellte Doublefox sachlich fest. „Wem g’hört der Schinken? Ein’ Kunden von dir oder dein’ Vickerl[6] ?"
„Geht di nix an!“
„Wenn i brennen soll, will i wissen, von wem i’s kauf“, beharrte Doublefox. „Sonst schieb dir’s ins geile Arscherl, des Bildl.“
„Das g’hört ein’ Freund von mir.“
„Also dein’ Alfons. Kannst das net gleich sagen?“
„I hab kein’ Alfons! I bin selbständig!“
„Jawohl, Schwester Mabel. Aber i will mit dein Vickerl selber verhandeln!“
Eine zeitlang war Schweigen am Telefon. Dann sagte Mabel leise: „I sag’s ihm“ und legte auf.
Bereits am nächsten Tag rief Mabel noch einmal an. An der Kreuzung Rustenschacher Allee und Stadionallee, in dieser begradigten Kurve, wo die alte Fahrbahn noch asphaltiert wäre, wo man leicht parken könne und wo immer, auch tagsüber, Kolleginnen von Mabel anzutreffen wären, würde ihr Bekannter, dem das Bild gehöre, am Dienstag um 15 Uhr warten. Er säße in einem Kleinwagen, Marke Suzuki. Und dann gab Mabel noch das Kennzeichen bekannt, betonte aber, dass sich unter einem Tausender für das Bild nichts abspielen würde.
Doublefox frohlockte. Da konnte er also den derzeitigen Besitzer des Gemäldes seiner geliebten Frau Inspektor auf dem Präsentierteller darbieten. Dafür musste sich aber Erika aus Dankbarkeit noch eine zweite Uniform zulegen, auch wenn die dann nicht echt wäre!
Sofort rief er Erika an.
Er hätte den unbekannten Mann am Würstelstand erkannt und ihn angesprochen. Dieser würde am Dienstag um 15 Uhr mit dem Gemälde in der Rustenschacher Allee sein, um den Kauf auszuhandeln. Ob denn Erika nun zufrieden wäre? Er habe da eine Idee für eine Stewardessenuniform, die sich ganz leicht herstellen ließe. Und ob ihr der Name „Trans Globus Airways“ für das Namensschild auf der Uniformjacke zusage?
Erika beteuerte, der Name der Airline wäre Spitze. Allerdings hatte sie am Dienstag keinen Dienst. Ob denn nicht er, Doublefox, sie privat zu dem Treffen mitnehmen könne? Sie würde die Kollegen vom zweiten Bezirk informieren und man könne dann die Verhaftung des Besitzers des gestohlenen Maulbertsch wie im Theater aus der ersten Reihe verfolgen.
„Und nachher fahr’ ma zu mir nach Haus, feiern?“
„I bin aber am Dienstag net in Uniform“, gab Erika zu bedenken.
„Macht nix. Bis dahin stell i eine z’samm’ für private Anlässe. Die musst halt immer tragen, wenn wir was z’ feiern haben.“
„Einverstanden. Aber mach s’ net zu deppert, die private Stewardessenuniform, ja?“
Nach diesem Telefonat begann Doublefox, sich auf den Dienstag zu freuen und die nächsten beiden Tage verbrachte er mit „Shopping“, um die Uniform für seine Erika zusammen zu stellen.
Es wurde eine dezente, dunkelblaue Uniform. Mit engem, kurzem Rock, einem breiten Gürtel und einem eleganten Blazer, dazu eine weißen Bluse und hochhackige Schuhe in der Farbe zur übrigen Kleidung passend. Die Konfektionsgrößen seiner Erika kannte er ja mittlerweile. Als er alle diese Dinge zu Hause hatte, musste Doublefox grinsen. Da lag ihm so viel daran, dass eine Frau sich anzog, bevor sie ins Bett gingen. Anzog, nicht auszog! Aber das war eben seine persönliche Note. Und er konnte sich glücklich schätzen, dass Erika nichts gegen seine ungewöhnliche Neigung hatte. Die Frau war richtig! Sein Bart juckte zwar, aber als Gegenleistung für die Uniform im Bett war das eine geradezu lächerliche Belastung…
Termine haben die Eigenschaft, unerbittlich heranzukommen. Und so wurde es ziemlich schnell Dienstag und Erika erschien, in Jeans und Pullover, wobei nichts an ihrer Kleidung auf die Polizistin hindeutete.
Sie fuhren im Wagen von Doublefox zum Treffen. Am Heumarkt staute es sich ein bisschen, aber dann waren sie in der Stadionallee.
Sie waren zu früh. An der Kreuzung mit der Rustenschacher Allee gab es um diese Tageszeit nur eine einzige „Dame“, die über hundert Kilo auf die Waage brachte und offenbar einen speziellen Kundenkreis zu betreuen hatte. Kein Kleinwagen Marke Suzuki.
Doublefox parkte vor dem Happel – Stadion und Erika unterzog ihre Waffe einer letzten Überprüfung. Das Ding war geladen und Doublefox empfand einen Schauder, der seinen Rücken entlang fuhr, als Erika die Pistole durchlud.
„Für was brauchst den Dreck?“, fragte Doublefox.
„Man kann nie wissen“, sagte Erika und steckte das Ding weg.
Dann war es tatsächlich fünfzehn Uhr und Doublefox fuhr zur Kreuzung zurück.
Der Suzuki stand jetzt da.
Doublefox stellte seinen Wagen genau vor dem japanischen Kleinwagen ab. Die vorderen Stoßstangen berührten einander fast. Dann stieg Doublefox aus und ließ den Zündschlüssel stecken. Erika blieb im Auto.
Am Steuer des Japaners saß Mabel. Himmel, Arsch und Wolkenbruch! Was hatte die da zu suchen? Das ging sie doch nichts mehr an!
Neben Mabel saß Puffy Westermayer, der das Fenster herunter kurbelte, als Doublefox näher kam.
„Na, großer Meister? Mach’ ma den Deal? Zweitausend.“
„Sonst noch Wünsche?“, fragte Doublefox. „Zwaa Hunderter. Oder geh in’ Arsch damit.“
„Du fangst glei’ eine, dass dir der Schädel rotiert wie a Plattenspieler“, drohte Puffy.
„Dazu g’hören aber Leut’, kane Windelscheißer“, gab Doublefox zu bedenken, der ja seine Erika als bewaffnete Eingreiftruppe in seinem Wagen wusste. Aus den Augenwinkeln sah er überdies, dass diese ihr Handy am Ohr hatte, also offenbar mit ihren Kollegen von der Polizei sprach.
Das stieg Puffy Westermayer aus und Doublefox wunderte sich, dass so ein Lackel in so einen kleinen Wagen gepasst hatte. Folgerichtig ergriff er die Flucht. Es hatte keinen Sinn, sich auf Handgreiflichkeiten mit einem Typen einzulassen, dem man es ansah, dass er es gewohnt war, unliebsame Zeitgenossen so sehr zu verdreschen, dass sie mit dem Arsch auf die Uhr schauten.
Als Doublefox an seinem Auto vorbei in Richtung auf die Stadionallee zu lief, öffnete Erika die Beifahrertür, stieg aus und richtete die Waffe auf Puffy.
„Stehenbleiben! Polizei!“, rief sie. Puffy nahm sie aber offenbar nicht ernst.
„Erzähl des der Wetti-Tant unter’m Wasser“, meinte er, als er unbeeindruckt an ihr vorbei rannte und sie dabei beiseite stieß.
Erika schoss natürlich nicht. Man hatte ihr auf der Polizeiakademie eingebläut, nur im äußersten Notfall abzudrücken. So ein eherner Grundsatz, immer wieder wiederholt, sitzt tief. Erika nahm stattdessen  die Verfolgung auf.
Die Kreuzung zwischen Rustenschacher Allee und Stadionallee, gelegen im zweiten Wiener Gemeindebezirk, könnte genau so gut im einsamsten Nationalpark liegen. Da gibt es, außer Bäumen, nichts. Grünland in allen Himmelsrichtungen, kein Bauwerk weit und breit. In die Innenstadt sind es zwar nur knapp zwei Kilometer, aber der Prater ist eine grüne Lunge in der Millionenstadt Wien und man hat seit Jahrzehnten peinlich darauf geachtet, dass hier nur ja nichts gebaut würde. (Außer einem harmlosen Atomreaktor, aber der liegt immerhin am Rand, am Ufer des Donaukanals, damit die Bewohner des dritten Bezirks auch was davon haben, wenn drüben im zweiten der Reaktor in die Luft fliegt.)
Doublefox drang deshalb in Richtung Südosten vor, durch’s Gebüsch, einer Baumgruppe zu, wo er hoffte, einen Ast als Prügel zu finden, den er dem Verfolger über die Birne hauen konnte. Aber er hatte nicht mit dem Stadtgartenamt gerechnet, das solche Prügel akribisch genau entfernt. Immerhin liegt das Happel – Stadion gleich um die Ecke und Hooligans könnten Prügel möglicherweise dazu benutzen, ihrem Ärger Luft zu machen, wenn die österreichische Nationalmannschaft wieder einmal zwölf zu null gegen San Marino verloren hat.
Erika, die ihren Doublefox in Richtung Stadion rennen sah, lief um den Wagen herum, setzte sich hinters Steuer und wendete in bester US Krimi Manier. Mit quietschenden Reifen brauste sie los. Als sie zur Ampel bei der Stadionallee kam. näherte sich von rechts der Streifenwagen der Kollegen vom zweiten Bezirk. Erika fluchte, als das Polizeifahrzeug mit Blaulicht und Folgetonhorn in die Rustenschacher Allee abbog und sie warten musste, obwohl die Ampel grün zeigte.
Dann fuhr sie in Richtung Nordost und versuchte, den links im Gebüsch rennende Doublefox nicht aus den Augen zu verlieren. Dass sie selber vom Suzuki verfolgt wurde, bemerkte sie gar nicht.
Und dann hatte der Mann, der Doublefox verfolgte, ihn eingeholt und stieß ihn zu Boden. Erika fuhr den Wagen seitwärts ins Gebüsch, zog ihre Dienstwaffe und lief über die Fahrbahn hinüber zu der Stelle, an der Doublefox soeben seine „Tetschen“ bezog. Noch bevor sie dort eintraf, wurde sie von einer Frau überholt, der man die Prostituierte schon von Weitem ansehen konnte. „Foxy!“, rief diese. Und „Hör auf, Puffy!“ Sie brüllte so laut, dass das „Stopp! Polizei!“, das Erika rief, glatt übertönt wurde.
Puffy Westermayer stellte auch tatsächlich die Tätigkeit des „Abwatschens“ ein, als zwei Frauen auf ihn zugerannt kamen, deren eine seine Freundin Mabel, alias Irene war. Doublefox lag auf dem Boden und stöhnte. Nicht so sehr wegen der Hiebe, die er bezogen hatte, sondern weil nun unweigerlich Erika und Mabel aufeinander treffen mussten. Zu allem Überfluss kniete sich Mabel an seine Seite und wischte dem Doublefox mit einem Taschentuch über die blutende Nase.
Erika stand ganz verdattert da. „Du kennst die Pflasterschwalben? Die g’hört zu dir?“, fragte sie dann leise.
„Mabel, hau di’ über d’ Häuser“, verlange Doublefox. Und zu Erika sagte er: „I erklär dir’s glei’, Zuckergoscherl. “ Dabei stand er mühsam auf.
„Verzichte auf Erklärungen“, sagte Erika, aber ihre Stimme klang nicht sehr fest. Dann fischte sie die Polizeimarke aus der Tasche ihrer Jeans und hielt sie dem Puffy Westermayer vor die Nase. „Sie sind vorläufig festgenommen.“
Aber der begann zu rennen. Zurück in die Richtung, wo vorhin Mabels Wagen gestanden hatte.
„Puffy! Der Wagen steht nimmer dort!“, rief Mabel ihm nach und setzte sich selber in Richtung auf die Stadionallee zu in Bewegung. Puffy schlug daraufhin einen Haken nach links und dann waren die beiden weg.
Erika machte gar nicht den Versuch, die zwei zu verfolgen. Sie sicherte ihre Waffe und steckte sie ein. „Na, das war’s dann“, meinte sie und bemühte sich dabei, ihre Stimme möglichst gleichgültig klingen zu lassen.
„Erika, lass mi erklären“, bat Doublefox und versuchte, die Polizistin zu umarmen.
„Pfoten weg, du Hurenbock“, sagte Erika, trat einen Schritt zurück und drehte sich um. Als sie mit entschlossenen Schritten in Richtung auf die U-Bahn Station Stadion ging, lief Doublefox ihr nach.
„Erika! Bitte! Du bist ja Polizistin. Du weißt ja, dass für jeden bis zur Verurteilung die Unschuldsvermutung gilt! Lass mi’ erklären!“
„Auto steht in der Stadionallee“, sagte Erika. „Schlüssel steckt.“
„Erika! Zuckergoscherl! Die Hur’ hab i nimmer g’sehn, seit i dich kenn’! Ich schwöre!“
Erika antwortete nicht. Aber Doublefox hörte sie aufschnupfen.
„Tschuldigung, Irrtum. I hab sie doch noch einmal g’sehn. Da wollt’s mir das Mistviech den Maulbertsch andrehen. Aber da war nix mehr!“
Jetzt drehte sich Erika um und Doublefox sah die Tränen, die in ihren Augen standen. „Ah ja?“, sagte sie. „Da war nix? Foxy heißt bei ihr, net? Gibt’s jetzt uniformierte Huren aa schon? Oder hat s’ gar ka Uniform braucht? War dir des nur bei mir wichtig, weil i net so toll ausschau wie des Hurenweib?“
„A Krankenschwerterg’wandl hat s’ ang’habt“, gestand Doublefox. „Aber das war eh nix.“
Erika drehte sich wieder um und marschierte wortlos weiter zur U-Bahn. Doublefox folgte ihr. Sie kamen aus dem Wald heraus und Erika wandte sich nach links, die Fahrbahn entlang.
„Wo willst denn hin?“, fragte Doublefox.
„U-Bahn“, sagte Erika kühl und marschierte weiter.
„Gibt’s dort ein’ Friseur? Für Huren brauch i nämlich kein’ Bart mehr.“ Das sagte Doublefox so resigniert, dass Erika doch stehen blieb, sich umdrehte und ihm ins Gesicht sah. Ihr Blick wanderte zwischen Doublefox’ bereits sehr ansehnlichem Bart und seinen traurigen, verzweifelten Augen hin und her.
„Is so a Gesichtsmatratzen so unangenehm?“, fragte sie.
„Juckt“, sagte Doublefox und fuhr mit der Hand über seine Barthaare. „Hab i nur für dich stehen lassen. Aber jetzt bist stinkert auf mich, obwohl i gar nix dafür kann. Da kann i mi ja wieder rasieren. Himmelfix no einmal! Hätt i dir nur nix g’sagt von dem Scheiß Bildl! Dabei wollt i dir nur helfen. Mir selber is doch scheißegal, ob der Eindippler ins Häfen kommt, oder net!“
Erika musste nun doch, trotz ihrer maßlosen Enttäuschung über ihren Freund Doublefox, lächeln. „Stimmt“, sagte sie. „Wenn du’s mir net erzählt hättest, hätt i mi nie mit dem Maulbertsch beschäftigt.“
„Na, siehst! Und die Mabel, die Hur, die kenn i seit ein’ halben Jahr. Weil i niemanden sonst g’habt hab. Seit i dich kenn, is das vorbei! Stell dir vor, ich kenn jetzt a Frau, die tatsächlich, ganz echt, Schmäh ohne, in einer Uniform umeinand rennt! Und die nix gegen mein’ Spreck[7] hat! Die mi net als Psychopathen bezeichnet! Da sollen doch alle Huren miteinander in’n Gatsch hupfen! Verstehst du das, Zuckergoscherl? Du bist die Einzige für mich in der ganzen Scheißstadt! Was sag ich, auf der ganzen Welt!“
Und als Erika keine Antwort gab, drängte Doublefox: „Darf i mein’ Bart net do’ stehen lassen, Zuckergoscherl? I hab die Handynummer von der Hur, das Kennzeichen von dem Suzuki, i weiß wo s’ hackelt, die Mabel und du hast sie und den Besitzer von dem Bildl selber g’sehn. Da kannst doch was machen draus, oder?“
„Du, im Verhör finden die Kollegen aber sicher raus, ob da noch was war mit der Hur, seit du mi’ kennst“, warnte Erika.
„Dann sollen s’ die Dame verhören, dass die Fetzen fliegen! Kann mir nur recht sein! Habt’s ihr no Daumenschrauben? Dann setzt’s die ein! Aber fest zuschrauben!“
Da begann Erika, zögernd in die andere Richtung zu gehen. Dorthin, wo sie Doublefox’ Wagen abgestellt hatte.
Doublefox seufzte tief und erleichtert auf. Wie ein Hündchen folgte er ihr.
„Hast die Stewardessenuniform schon fertig?“, fragte Erika, die plötzlich ein ganz anständiges Tempo vorlegte.
„Klar! Dunkelblau! Wird dir hervorragend stehen!“
Erika lachte. „Dann zah an[8] Dass wir den Abflug net verpassen.“
Und dann fühlte sich Erika von Doublefox herum gerissen.
Übrigens wunderten sich die Autofahrer, die durch die Stadionallee fuhren, dass da zwei am Fahrbahnrand eng umschlungen standen und eine derart intensive, gekonnte Kussszene hinlegten, obwohl keinerlei Kamera eines Filmteams dabei zu erkennen war.
 
 
 
 


[1] Beute
 
[2] dritter Gemeindebezirk
[3] Der vierte Gemeindebezirk
[4] Einbrecher
[5] jemand, der „neger“, also abgebrannt ist
[6] Viktor, Alfons oder Lude sind in Wien Spitznamen für Zuhälter
[7] Marotte
[8] beeile dich

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