Ausstellungsbesprechungen, Meldungen zum Kunstgeschehen

Frans II. Francken – Die Anbetung der Könige und andere Entdeckungen, Kunstmuseum Basel, bis 18. April 2010

Über mehrere Generationen hinweg bildeten Mitglieder der Malerfamilie Francken das Rückgrat der Antwerpener Kunstproduktion des Frühbarock. Das Baseler Kunstmuseum erhielt 2004 mit "Die Anbetung der Könige" ein Gemälde des bedeutendsten Vertreters Frans II. Francken (1581–1642) als Vermächtnis. Mit Detailfreude, Fantasie und Witz schildert Frans Francken dort die Anbetung des Christuskindes durch die Weisen aus dem Morgenland in jener lockeren und schwungvollen Lasurmalerei, die für sein Spätwerk charakteristisch ist. Günter Baumann hat die Ausstellung für PKG rezensiert.

Es scheint offenbar an der Zeit, die Vita einzelner Kunstwerke als solche zu begreifen: In Wien steht Vermeers »Malkunst« im Rampenlicht, Duisburg stellt Giacomettis »Frau auf dem Wagen« in den Vordergrund – und Basel widmet sich der »Anbetung der Könige« von Frans II. Francken (1581–1642). Der Antwerpener Künstler kann zwar nicht auf eine Ausstrahlung bauen, wie sie den beiden anderen eigen ist, aber als bedeutendster Vertreter einer Malerdynastie führt er immerhin einen Namen, der Aufmerksamkeit verdient. Basel feiert Francken als Star, mit einer so kleinen wie spektakulären und beispielhaften Schau, die das Gemälde von der »Anbetung der Könige« zum Anlass mancher Entdeckungen macht. Mit signifikanten Eyecatchern wie den über vierzig unsachgemäß in das Bild geschlagenen Nägeln, die dem Werk einen Stützrahmen beifügen sollten – die Restauratoren hatten es zu gut gemeint, und als das Gemälde aus dem Nachlass der Baseler Archäologin Margot Schmidt 2004 an das Kunstmuseum kam, freute man sich nicht nur über ein Hauptwerk des Meisters, von dem das Haus bereits Arbeiten besitzt, sondern man erhielt auch die Verantwortung für den Erhalt des Bildes: Dazu mussten die Nägel raus, die über die Jahr(hundert)e hinweg schon Schaden angerichtet hatten. Nachdem das Opus wieder in seinem alten Glanz erstrahlt, widmet das Kunstmuseum dem Künstler diese Ausstellung. Die Nägel ruhen auf einem Kissen in der Vitrine. Sie erzählen eine eigene Geschichte, weil man automatisch die Folter Christi damit assoziiert.

Zwei Handvoll Gemälde gruppieren sich nun um die mittlerweile wieder makellose, von Nagellöchern befreite »Anbetung«, teilweise haben sie hier sogar ihren ersten öffentlichen Auftritt, sofern es sich um Privatbesitz handelt. Eingebettet mit auserlesenen Arbeiten von Zeitgenossen entsteht so auf kleinstem Raum ein Panoptikum flämischer Maltradition, die an Zeiten erinnert, als der Name Francken noch nicht im Künstlerlexikon nachgeblättert werden musste. Dabei ist es auch heute noch ein Genuss, die Bilder Frans Franckens zu lesen, im Sinne des Wortes: Denn seine erzählerische Gabe offenbart etliche anekdotische Szenen, die anregen, auch noch die Physiognomien der entfernt dargestellten Figuren zu entschlüsseln. Und was das Kolorit angeht, weckt es Erinnerungen an die Peinture eines Peter Paul Rubens. Wenn die Wörter Kabinettausstellung oder gar Kunstkammer-Ästhetik schon einen vornehmen Klang haben – in der Baseler Präsentation dürfen sie ihrer Bezeichnung alle Ehren machen.

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