Führungs-Check

Führungs-Check: Wien 1900 - Klimt, Schiele und ihre Zeit, Fondation Beyeler Riehen/Basel

Wien um 1900 war eine der Geburtsstätten der Moderne. Die Kaffeehauskultur, Komponisten und Kabarettisten, Freuds Psychoanalyse, die Experimentierfreude in der Wiener Werkstätte, aber auch die Skandale um die Wiener Secession zählen zu den Phänomenen dieser Zeit. Die Ausstellung zeichnet mit 200 Ölbildern, Grafiken, Möbel usw. ein faszinierendes Bild von Wien, in dem Klimt und sein genialer Schützling Schiele als zentrale Lichtgestalten erscheinen. Unsere Autorin Elena Korowin hat eine Führung zur Ausstellung für Sie bewertet.

Allgemeines

  • Name des Museums: Fondation Beyeler
  • Datum der Führung: 3. Oktober 2010
  • Art der Führung: Tour Fixe (öffentliche Überblicksführung)
  • Titel der Führung: Tour Fixe zu "Wien 1900 - Klimt, Schiele und ihre Zeit"
  • Preis: 5 €

Gesamteindruck
»Dramatik und Erotik« – das wurde den Teilnehmern der Führung durch die Jugendstilausstellung versprochen und das bekamen sie auch. Man ging durch die Räume der wirklich gut konzipierten Ausstellung und betrachtete die Entstehung der Sezession, Schieles Akte, Klimts Landschaften und Schönbergs Selbstportraits, während die Führungskraft der Foundation alle Skandalgeschichten über die Künstler auspackte, die sie während ihrer Vorbereitungen gefunden hatte. Die Mitarbeiterin des Museums stellte sich als erfahrene Kunsthistorikerin vor und schürte große Erwartungen, indem sie das Beethoven-Fries von Klimt, das als Reproduktion im Foyer ausgestellt wird, anschaulich erklärte. Doch leider musste sie dann diese erste Betrachtung mit allgemeinen Floskeln verwässern: »Die Kunst allein führt zum ewigen Glück!« – so eine Aussage kann nicht zusammenhangslos ohne erklärende Worte in den Raum geworfen werden. In den nächsten Sälen könnte die Qualität der Führung konstant als »ausreichend« bezeichnet werden. Man merkte, dass viele Inhalte kürzlich einstudiert wurden und dass das Wissen nicht breit genug war, um die Fragen des Publikums zu beantworten. Die Kommentare der Teilnehmer wurden mit einem uninteressierten »Aha« erwidert. Über diese kleinen Patzer könnte man beruhigt hinweg sehen, wenn die ganze Tour fixe gut konzipiert wäre. Die Mitarbeiterin des Museums begnügte sich damit, die Künstler als eine Bande von Verrückten darzustellen, die ihre Libido nicht im Griff hatten – z. B. Schiele, dessen Werke in vier großen Räumen präsentiert wurden, dieser expressive und mitreißende Schiele wurde als ein »Badboy« vorgestellt, der »auch mal im Gefängnis sitzen musste«. Gerstl war ein Betrüger und Selbstmörder und Kokoschka war mit seiner Alma-Puppe der Verrückteste von allen. Es wurden auch viele nützliche Informationen vermittelt, die aber zwischen den Skandalgeschichten zu verschwinden schienen. Die Säle wurden nacheinander abgeschritten, wobei leider nur die Malerei und die Grafiken vorgestellt wurden, ohne in den Saal der Wiener Werkstätte und des Kabaretts »Fledermaus« zu gehen. Damit wurde auch das Konzept des Gesamtkunstwerks außer Acht gelassen, obwohl es für die Jugendstilbewegung fundamental war. Abschließend könnte man sagen, dass die Führung an das Lesen der Bildzeitung erinnerte – man wird unterhalten, bildet sich aber nicht weiter. Meiner Meinung nach ist aber gerade die Bildung ein wichtiger Bestandteil der Museumskommunikation. Die Foundation Beyeler bietet eine sehr vielschichtige Kunstvermittlung, außer der Tour fixe gibt es Montagsführungen, Kunst am Mittag, Architekturführungen, Führungen für Sehbehinderte und Hörgeschädigte. Natürlich kann man auch jederzeit private Einzel- oder Gruppenführungen buchen. Zusätzlich gibt es ein Veranstaltungsprogramm mit Konzerten und Lesungen im extra für diese Ausstellung entworfenem Wiener Kaffeehaus im Souterrain des Museums, das bei der Führung übergangen wurde. Auch der Museumsshop bietet eine große Auswahl an Literatur, um das Thema »Wien 1900« zu vertiefen.

Bewertung

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