Ausstellungsbesprechungen

Grell war gestern – die Art Basel 2012

Schnell stellte sich heraus, dass die Galeristen auf der Art Basel schon nach den Preview-Tagen sichtlich zufrieden sein konnten. Große Namen verkaufen sich eben gut und in Zeiten unsicherer Aktienkurse gilt das Kunstwerk eben als echte Wertanlage. Vom 14. bis 17. Juni 2012 lud die „bedeutendste internationale Kunstmesse“ daher sehr erfolgreich nach Basel zum Kauf ein. Christine Spies war vor Ort.

Besonders einladend empfing der Messeplatz seine Besucher zur 43. Art Basel nicht. Wie schon im letzten Jahr war es nicht die „Public Art“, die den Kunstinteressierten den Weg zur Messehalle wies. In diesem Jahr tat sich nun auch ein Bauzaun auf, der dennoch Einblicke auf ein spannendes Projekt gewährte. Das Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron ist für den Entwurf des neuen Messeplatzes verantwortlich, der hier entstehen wird. Daher passte auch der temporäre Pavillon „Schaulager Satellit“ wunderbar ins Bild, dessen Vorlage aus der Feder der prominenten Architekten stammt.

Im Innern der Messehallen ging es wie jedes Jahr sehr geschäftig zu. Wieder waren es 300 Galerien, die zeigen konnten, was sie als besonders kaufwürdig einstuften. Das ließen sich, wie schon in den Vorjahren, 65.000 Besucher nicht entgehen. Die ersten spektakulären Verkaufsmeldungen nahmen gleich in den Preview-Tagen einige prominente Werke für sich in Anspruch. So erzielte Gerhard Richters Gemälde »A.B. Courbet« den stolzen Preis von 25 Millionen Dollar. Ob das unbetitelte Ölgemälde von Rothko zum schwindelerregenden Preis von 78 Millionen Dollar den Besitzer bis zum Ende der Messe gewechselt hat, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Das Angebot für sich sagt jedoch schon viel über die Bedeutung der Art Basel für den Kunstmarkt aus.

Es waren nicht nur die großen Namen, die die Besucher nach Basel lockten. Schließlich nutzen die Galeristen die Kunstmesse publikumswirksam, um ihr Haus in bester Gesellschaft präsentieren zu können. Das künstlerische Spektrum könnte also nicht breiter sein. Aus Besuchersicht eine komfortable Situation, da auf der Art Basel jedes Jahr für jeden Geschmack – und auch fast jeden Geldbeutel – etwas geboten wird.

Im Übrigen stellte sich heraus, dass die Trennlinie zwischen der präsentierten Kunst im Erdgeschoss und dem ersten Obergeschoss deutlich unschärfer geworden ist. Wenn in vorherigen Jahren das erste Obergeschoss sehr offensiv provokative grelle Kunst in den Fokus stellte, so reiht sich diese inzwischen fast schon als Relikt vergangener Jahre in die Klassiker ein, die vornehmlich im Erdgeschoss gezeigt werden. Andy Warhols Werk »Repent And Sin No More!« verschriftlichte den gefühlten Zeitgeist sehr treffend. Deutlicher könnte ein Appell an das Publikum kaum sein. Die zwei Nackten, die sich in Marina Abramovics Performance »Imponderabilia« im Eingang eines Messestandes gegenüberstanden, machten da fast schon einen „Skandal“ aus.

In diesem Jahr zeigte sich die präsentierte Kunst ganz offensichtlich von einer ernsteren Seite. Das wurde auch in der Halle der Art Unlimited deutlich. Hier präsentierte eine Galerie die eigentlichen Spaßmacher Gilbert & George mit ihrer Arbeit »CRIME« aus dem Jahr 2011, welche unmissverständlich auf die dunklen Flecken der Gesellschaft hinwies. An der poltischen Debatte führt auch in der Sphäre dieser Kunstmesse kein Weg vorbei.

Der Weg hat sich also wieder einmal gelohnt. Nach einem verregneten Auftakt stellte sich heraus, dass die Stadt am Rheinknie nicht nur mit einer Kunstmesse von Weltrang, sondern auch mit bestem Wetter aufwarten kann. Seit diesem Jahr müssen die Besucher und Galeristen dennoch nicht mehr nur den Weg nach Europa oder in die USA antreten. Die Art in Basel leistet sich inzwischen neben Miami Beach auch einen Ableger in Hong Kong. Ob das „Basel“ somit bald aus dem Namen herausgelöst werden kann, wird sich herausstellen.