Kunstbücher für junge Leser

Klee, Margot: Linus aus Mogontiacum – Geschichten aus einer römischen Stadt, Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2005.

Zusammen mit seinen Eltern lebt Linus um 120 n. Chr. in der römischen Stadt Mogontiacum (heute: Mainz). Obwohl er in einer keltischen Familie aufwächst und gemäß der einheimischen Tradition groß gezogen wird, beobachtet Linus mit Interesse die vielen Veränderungen, die die Römer mit ins Land gebracht haben.

Anders als seine Eltern fasziniert ihn diese fremde Art zu leben und er träumt davon, Soldat in einer römischen Reitereinheit zu werden. Auf einem seiner Streifzüge durch die Stadt lernt er eines Tages den gleichaltrigen Römerjungen Felix kennen. Gemeinsam erkunden die beiden von nun an für sie noch unbekannte Stadtviertel, toben sich in den Thermen der Nachbarstadt aus und erwarten mit Spannung den bevorstehenden Drusus-Tag. Ihre kindliche Neugier hilft den aufgeweckten Jungen, so manches über die Lebensgewohnheiten des anderen zu erfahren und darüber hinaus ihre eigene Kultur besser kennen zu lernen.

Margot Klees Buch für ältere Kinder und „interessierte Junggebliebene“ vermittelt fundierte archäologische Grundkenntnisse, eingebettet in eine Geschichte über Freundschaft: in einzelnen Kapiteln erlebt der Leser den Alltag im römischen Mainz, basierend auf den dort kürzlich neu gewonnenen archäologischen Erkenntnissen. Die Geschichten von Linus und seinem Freund Felix lassen sich jedoch ebenso auf jede beliebige römische Stadt oder Siedlung des frühen 2. Jahrhunderts n. Chr. übertragen und wollen einen allgemeinen Einblick in das damalige Leben vermitteln. Zahlreiche Schwarzweißabbildungen sowie liebevoll farbige Zeichnungen von Lydia Schuchmann unterstreichen die Erzählungen der 21 Kapitel und entführen die Phantasie des Lesers ins römische Reich der Antike.

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Zu Beginn eines jeden Kapitels finden sich Infoblöcke, die knappe Erklärungen zu römischen Fachbegriffen liefern, gezielt über Sitten und Bräuche der Römer Aufschluss geben, aber auch heutige Museumsstätten in Mainz und Umgebung erwähnen. Durch Querverweise am Rande des Textes kann ohne viel Blättern und Suchen die passende Stelle in der Geschichte gefunden werden. Die Innenseite des vorderen Buchdeckels zeigt eine Karte des ehemaligen Mogontiacum und wird in einer übersichtlichen Legende erklärt. So können sich die jungen Leser einen ersten Eindruck von Linus’ Heimatstadt verschaffen und im Buch aufgegriffene Orte wie die Rheinbrücke, den Hafen, aber auch die große Iupitersäule lokalisieren. Der hintere innere Buchumschlag besteht aus einer Zeitleiste. Zwei Seiten umfassen die Jahre zwischen 27 v. Chr. und 138 n. Chr. und verschaffen einen Überblick über zu dieser Zeit in Rom regierende Kaiser, wichtige Ereignisse im römischen Reich, sowie parallel hierzu stattfindende Geschehnisse in Mogontiacum.

Diese formalen Elemente des 120 Seiten umfassenden Buches bilden einen informativen Hintergrund für Linus’ Erlebnisse. Ob er nun seiner Mutter beim Einkaufen auf dem römischen Markt über die Schulter schaut, mit seinem Vater aufs Land fährt um Vorräte für den Winter zu besorgen, zusammen mit Felix die Opferfeier des Drusus-Tages erlebt oder mit dessen Vater wie ein erwachsener Römer liegend essen darf – immer geht Linus wachsam durch Mogontiacum und hält die Augen offen, nach Neuem und Altem, römischen Bräuchen und keltischen Traditionen, erlebt den luxuriösen Lebensstil der Stadt und die einfache Art des Lebens auf dem Lande. Stellvertretend für die jungen Leser hört er sich die spannenden Erzählungen der Händler, seines Cousins, eines Priesters, von seinem eigenen und Felix’ Vater und vielen anderen an. Schließlich können die beiden wissensdurstigen Freunde zusammen zum ersten Mal die Schulbank drücken und Linus berichtet stolz seinen Eltern, was er gelernt hat. Eifrig übt er seine neu gelernten Buchstaben, bereitet sich auf eine Zukunft als gebildeter Römer vor und verleiht so der Geschichte einen runden Abschluss.

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Margot Klees Buch ist für ältere Kinder verständlich geschrieben. Die manchmal etwas lang wirkenden Erklärungen der Erwachsenen und Beschreibungen fremder Gegenstände werden jedoch stets mit kindlichen Erlebnissen und Beobachtungen von Linus und seinem Freund Felix belohnt. So erscheint die Erzählung locker, während sie eine gewisse, für ältere Kinder angemessene Grundlage an Architektur und Archäologie, einen Einblick in die römische und keltische Kultur, sowie wesentliche geschichtliche Kenntnisse der Antike vermittelt. Die einzelnen Kapitel eignen sich darüber hinaus zur Ergänzung des Besuchs einer römischen Stätte und geben wichtige Informationen für Jung und Alt zu verschiedenen Themen des römischen Alltags.

Übrigens: der keltische Junge Linus hat wirklich gelebt. Bei Ausgrabungen in der Römerpassage Mainz wurde ein steinerner Altar gefunden, den er der ägyptischen Göttin Isis geweiht hat und auf dem sich noch heute in der „Taberna Archaeologica“ des Einkaufszentrums seine Widmung bewundern lässt…

 

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