Meldungen zum Kunstgeschehen

Kunst in Köln Mai/Juni 2014

Spannende neue Ausstellung können derzeit in den Kölner Galerien und Museen bewundert werden und locken aus dem Grünen in die Ausstellungsräume. Film- und Lichtkunst, aber auch Bildhauerei, facettenreiche Sammlungen und Retrospektiven gibt es hier nämlich zu entdecken. Rebecca Baasch hat Ihnen einige Empfehlungen zusammengestellt.

Kunst in Köln
Kunst in Köln

Noch bis zum 13. Juli zeigt das Museum Ludwig die erste Retrospektive des französischen Künstlers Pierre Huyghe (*1962). Kombiniert werden Arbeiten der vergangenen 20 Jahre mit neuen Exponaten, die eigens für die Ausstellung erstellt wurden. Variantenreich setzt sich Huyghe unter anderem in Filmen, Fotografien, Zeichnungen und Performances mit universellen Themen auseinander und hinterfragt dabei die geltenden Konventionen. Etwa, indem er die Wände des Centre Georges Pompidou, an denen die Arbeiten zuvor zu sehen waren, aussägen und in das Kölner Museum verlegen lässt. Lebendige Tiere wie Ameisen, Spinnen oder Human, der Hund mit dem pinken Bein, verwandeln das Museum in ein Ökosystem mit eigenem Lebensrhythmus und den Ausstellungsbesuch in ein ungewöhnliches Erlebnis.

Die Ausstellung »Kasper König – The Formative Years« zeichnet noch bis zum 1. August anhand von Bild- und Textdokumenten den Werdegang einer der spannendsten Persönlichkeiten der internationalen Kunstszene nach. Im August 2012 übergab der damalige Direktor des Museum Ludwig sein umfangreiches Privatarchiv an das Zentralarchiv des internationalen Kunsthandels (ZADIK). Hier lagert es seither auf fünfzig Regalmetern und wird nun erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Ausstellung, welche bereits auf der diesjährigen Art Cologne zu sehen war, dokumentiert die Entwicklung der internationalen Kunstwelt und der Persönlichkeit Kasper König (*1943) in den Jahren 1962 bis 1979.

Seit 2006 nutzt die Jablonka Galerie die profanierte Kirche St. Ursula des Kölner Architekten Gottfried Böhm als Ausstellungsraum. In der südlich von Köln gelegenen Böhm Chapel zeigt sie noch bis zum 28. September Arbeiten des britischen Bildhauers Richard Deacon (*1949). Wie schon in früheren Arbeiten thematisiert Deacon auch in den monumentalen Werken der Serie »I remember« das Verhältnis von Form und Umraum. Die vier Meter langen Holzstreben wurden in sich gedreht, die gewundenen Holzbalken werden nur mit Hilfe von Schrauben und Stahl-Beschlägen zusammengehalten. Die Werke strotzen vor Spannung und treten in einen interessanten Dialog mit der außergewöhnlichen Architektur des Ausstellungsraumes. Ein Ausflug nach Hürth Kalscheuren lohnt sich!

Die Filmemacherin Sandra Schäfer (*1970) setzt sich in ihren Arbeiten mit der Repräsentation von Gender, Urbanismus und Postkolonialismus auseinander. Zusammen mit der türkischen Journalistin Ayşe Çavdar (*1975) hat sie eine Mehr-Kanal-Videoinstallation produziert, die sich mit der städtebaulichen Umstrukturierung Istanbuls auseinandersetzt. Im Fokus der Arbeit steht der Stadtbezirk Başakşehir, welcher sich zum neuen Zentrum der Metropole entwickelt und hauptsächlich von der neuen neoliberalen islamischen Mittelschicht bewohnt wird. Ab dem 15. Mai ist die Ausstellung im GLASMOOG – Raum für Kunst und Diskurs zu sehen.

Der US-amerikanische Light and Space-Künstler Robert Irwin (*1928) hat für seine erste Einzelausstellung in der Galerie Thomas Zander sieben ortsbezogene Lichtinstallationen konzipiert. Die Arbeiten bestehen aus farblichen Leuchtstoffröhren, welche unterschiedlich geschaltet werden und so kühle, sinnliche oder energiegeladene Farbbilder erzeugen. Die spezifischen Atmosphären werden nicht nur durch das Licht der Werkstoffe erzeugt, Irwin setzt auch die Schatten, Reflektionen und Farben als zentrale Gestaltungsmittel gezielt ein. Bis in den August hinein kann die Ausstellung besucht werden.

Mit seinen Arbeiten wagt sich der spanische Künstler Aitor Ortiz (*1971) an nichts geringeres als an das Dilemma zwischen Darstellung und Wahrnehmung. Seine Fotografien lassen kaum Rückschlüsse auf die abgelichteten Objekte zu, vielmehr sind sie Sinnbild für die Möglichkeit der Fotografie, die Wirklichkeit zu verändern. Ortiz fordert den Betrachter auf, sich auf Wahrnehmungsverschiebungen einzulassen und macht visuelle und kognitive Aspekte erfahrbar. Seine Arbeiten sind faszinierende Erlebnisse in schwarz/weiß, die den Betrachter staunend und positiv irritiert zurücklassen. Die Galerie Stefan Röpke zeigt Ortiz' Arbeiten noch bis zum 7. Juni.