Meldungen zum Kunstgeschehen

Kunst in Wien September 2013

Nach erfolgter Sommerpause starten die Wiener Galerien und Museen erholt in die neue Saison: Von zahlreich vertretenen, österreichischen Größen bis hin zu internationalen Künstlern werden im September 2013 wieder unterschiedliche Kunstformen und bemerkenswerte Verschränkungen gezeigt. Fanny Hauser hat den Überblick.

Kunst in Wien
Kunst in Wien

Christine König eröffnet den September mit einer komplett neuen Ausstellung und präsentiert mit »as if.« zwei österreichische Künstlerinnen: Gabriele Fulterer und Christine Scherrer sticken fast lebensgroße Figurenumrisslinien auf unbearbeitete bzw. weiße Leinwände, um diese schließlich mit Malerei zu überdecken und sich in abstrakten Geflechten zu verlieren.

Auch Michaela Stock präsentiert mit »Common Practice« und den Fototableaus der österreichischen Künstlerin Katharina Struber eine Verschränkung unterschiedlicher Medien. Um das gemeinsame Musizieren (als Beispiel dient ihr das Radio Symphonie Orchester bei der Probe eines John Cage-Stückes) als kollektiven Prozess freizulegen, bedient sie sich einer Kombination von Videofilm und Standfotografie, durch deren reziproke Verwendung sie mittels Fotografie einem filmischen Ablauf nachspürt und im Verarbeiten des Videomaterials für fotografische Bilder dessen Zeitgebundenheit aufhebt.

In der Eschenbachgasse hingegen präsentiert die Galerie Steinek den Künstler Clemens Wolf zum dritten Mal in einer Einzelausstellung. In »Untitled – Die Theatralik der Bedeutungslosigkeit« tragen sämtliche Werke in ihrer sentimental-reduzierten Manier den Titel »Untitled«, um auf eine offensichtliche Bedeutungsebene zu verzichten. Erst bei genauerer Betrachtung offenbart sich die Theatralik der vermeintlich zurückhaltenden Werke durch feine Details, wie Fluchten, Löcher, Stacheldraht, Spiegelung bzw. ihrer Inszenierung im Raum.

Ebenfalls in der Eschenbachgasse vertreten ist die in Wien geborene Künstlerin Svenja Deininger. Sie arbeitet in Lagen und Schichtungen von Farben und Materialien und orientiert sich in ihren neuesten Werken am Leitmotiv des „Pendants“. Deininger machte es auch zum Titel ihrer Schau in der Galerie Martin Janda.

Die Galerie Chobot präsentiert im September zwei Künstler, die sich vor allem der Bildhauerei verschrieben haben, nämlich Bruno Gironcoli und Karl Manfred Rennertz. Erster zeigt assemblageartige Skulpturen aus (Alltags) Objekten, letzter Arbeiten mit charakteristischen keil- und kegelartig herausgesägten Elementen.

Eine weitere österreichische Künstlergröße, deren Arbeiten es im September zu bewundern gibt, ist Jürgen Messensee. Das Bank Austria Kunstforum widmet dem mittlerweile 77-jähirgen Maler eine Einzelausstellung, die Gemälde und Zeichnungen aus seinem aktuellen Schaffen sowie Arbeiten seit den späten 1980er Jahren zeigt. Vorbild seiner Malerei ist seit jeher die Natur, vor allem die menschliche Figur, die Messensee in eine zeichenhafte Form mit deutlicher Tendenz zur expressiven Geste auflöst.

Anders als bei Christine Königs »as if.«-Ausstellung heißt es im Wiener Augarten »What if?«: TBA21 zeigt in ihrer vierten Ausstellung die illuminierenden Arbeiten des Künstlers Cerith Wyn Evans, die von TBA21 über zehn Jahre lang gesammelt wurden. Durch den Einsatz von Film, Licht, Kommunikationstechnologien (wie dem Morsecode), literarischen Fragmenten und Zitationen, kompliziert Evans die Materialität und die strukturellen Aspekte von kodifizierter Kommunikation und Text an den Schwellen der Installation.

Ab 12. September kann nun endlich auch der dritte Teil der Jubiläumsausstellungen der Generali Foundation besucht werden: Während der Kurator Guillaume Désanges den Fokus auf die „Pionierphase“ der Konzeptkunst der 1960er und 1970er Jahre legte, konzentrierte sich Helmut Draxler auf die komplexen Zusammenhänge zwischen den Prinzipien des Sammelns und Ausstellens. Mit der von Gertrud Sandqvist kuratierten Ausstellung »Against Method« findet das Jubiläumsjahr nun seinen Abschluss. Zu sehen sind u.a. Werke von Künstlern wie Andrea Fraser, Martha Rosler, Heimo Zobernig, Dan Graham und Joachim Koester. In ihrer Präsentation versucht Sandqvist die von der Sammlung reflektierten Widersprüchlichkeiten und Paradoxien aufzuzeigen und das Prinzip des „Anything goes“ zu realisieren, um Theorien zwanglos zu entdecken und entdecken zu lassen.

Die letzte Empfehlung gilt der Arbeit des britischen Künstlers Robert Wright, die sich im Theseustempel des Wiener Volksgartens befindet und noch bis zum 29. September besichtigt werden kann. 23 Arbeitstage wendete Wright gemeinsam mit mehreren Assistenten auf, um den Innenraum des Tempels mit Blattsilber zu schmücken. Seit April wurde das die Wand bedeckende Motiv durch das Schwärzen des Silbers im Sonnenlicht greifbarer, um nun, am Ende des Sommers, dennoch vollends zu verschwinden und übermalt zu werden.