KunstGeschichten

KunstGeschichte: Cannabisporzellan

Wertvolle Keramik einmal anders: Um sein Haschisch vor Zollbeamten des Wiener Flughafens zu verbergen, steckt Ignaz Schuster es in die Meissner Suppenterrine seiner Tante. Doch der zuständige Drogenspürhund ist auf Zack und Ignaz muss seinen Koffer samt Terrine zurücklassen. Ein Glücksfall für Sophie Pilnacek, die zwar nichts mit dem Gras, wohl aber mit dem wertvollen Porzellan anfangen kann!

Der Schusternazl büßte seinen Koffer auf dem Flughafen Wien ein, nachdem er mit Germanwings aus Berlin-Tegel gelandet war. Es waren sehr unglückliche Umstände, die zum Verlust des Koffers führten. Denn der Nazl musste ihn mit voller Absicht auf dem Förderband in der Ankunftshalle unbeachtet im Kreis laufen lassen und sich ohne sein Gepäck auf den Weg nach Hause machen.

Der grüne Aktivist mit dem altmodischen Namen Ignaz Schuster hatte in Berlin den Uwe Kappke getroffen und die beiden hatten intensiv Pläne geschmiedet, wie man ihr Projekt vorantreiben konnte. Der Schusternazl strebte nämlich ganz offen die gesetzliche Freigabe für Cannabisprodukte an! Natürlich qualmte der Ignaz das Gras selber ziemlich intensiv. Normalerweise bezog er es hier in Wien von einem gewissen Lemmi aus einer umgebauten Pizzeria in der Nähe des Brunnenmarktes, in der dieser eine ganze Indoorplantage Hanf kultivierte und dies als Geschäft für alte Vinylplatten getarnt hatte.

Aber in Berlin hatte er eine „Kostprobe“ von Uwes Gras bekommen. Das stammte von einem alten Bauernhof in Brandenburg und zeichnete sich durch eine besondere Feinheit im Geschmack sowie einer ganz hervorragenden pharmakologischen Wirkung aus. Überdies hatte er von Grit, einer etwa 65-jährigen Tante, die Gras fast pausenlos in ihrer Pfeife rauchte, ein Geschenk erhalten, das recht wertvoll war. Es war ein sehr altes Stück Meissner Porzellan: Eine Terrine aus dem Schwanenservice der Manufaktur, die das Allianzwappen des sächsischen Premierministers Graf Heinrich von Brühl trug. Das Geschenk sollte eine Anerkennung sein für einen geplanten Auftritt der alten Dame anlässlich eines inoffiziellen Grünen Parteitages, bei dem Frau Grit pausenlos Haschisch in der Pfeife rauchen sollte. Sozusagen als Beweis dafür, dass das Zeug höchst harmlos war.

Dass es sich um ein höchst wertvolles Geschenk handelte, war dem Schusternazl nicht klar, kannte er sich doch weder mit Porzellan noch mit der sächsischen Geschichte aus! Ignaz hatte das Gras der Einfachheit halber in die Meissner Terrine gepackt, den Deckel drüber getan und mit Klebefilm befestigt. Und außerdem hatte er die Terrine selbst mit seinen getragenen Hemden umwickelt und fachgerecht im Koffer verstaut, wusste er doch, wie das Flughafenpersonal mitunter mit dem Gepäck verfuhr. Aber so, wie das Porzellan jetzt untergebracht war, konnte kaum etwas damit passieren.

Germanwings landete auf Runway 34 und rollte zum Terminal 3. Ignaz war einer der ersten, die die Boeing 737 verließen. Unmittelbar neben dem Flugzeug aus Tegel dockte ein Jumbo der Air China an. Und da es eine hektische Zeit am Flughafen Wien war, bekamen die Koffer von Germanwings und Air China dasselbe Gepäckförderband zugewiesen.

Wenn ein Flug aus dem Fernen Osten eintrifft, sind die Zollbeamten zumeist im Alarmzustand. Denn in vielen Koffern befinden sich Drogen! Deshalb war auch heute die Laila von Senftenberg im Einsatz: Ein belgischer Schäfer- und Drogensuchhund der Polizeidirektion Schwechat.

Als die ersten Koffer auf dem Förderband erschienen, sprang die Laila sofort auf das Förderband und schnupperte am ersten Koffer. Dem Schusternazl wurde etwas schwül! Da hatte er doch angenommen, dass sein Gepäck als aus dem EU-Ausland kommend, nicht kontrolliert werden würde – und jetzt ein Hundsviech!

Schon kam sein alter, abgegriffener, hellblauer Plastikkoffer! Die belgische Schäferhündin war gleich drüber und schnupperte intensiv. Na klar, da roch es ziemlich nach Gras aus dem Ding!
Aber gleich der nächste Koffer roch noch interessanter! Er war aus schwarzem Leder und offenbar ein ziemlich teures Behältnis. Die Laila setzte sich drauf und bellte.

Aber da war Ignaz schon an den Zöllnern vorbei. Er war ganz einfach an dem Beamten an der automatischen Tür vorübergeeilt. Sollten die doch mit seinem Koffer machen, was sie wollten! Um seine Hemden und Unterhosen war es nicht schade! Allerdings um das gute Gras! Und zwar sehr! Na ja, eigentlich auch um das Porzellan der Frau Grit. Das hätte auch ein paar Euro auf dem Flohmarkt gebracht! Na, da konnte man nichts machen. Der Schusternazl wischte sich die Schweißtropfen von der Stirn und verzog sich ins Parkhaus zu seinem alten Honda. Sie hatten ihn nicht gekriegt! Nazl fuhr ohne Aufenthalt nach Hause, in seine kleine Wohnung in Rannersdorf bei Schwechat.

Was sich seit seiner Flucht in der Ankunftshalle abspielte, kriegte Ignaz also nicht mehr mit. Der Zöllner war auf den schwarzen Koffer aufmerksam geworden. Da kam ein kleiner, schnauzbärtiger Chinese und angelte sich diesen vom Laufband. Sofort war der Beamte bei ihm und nötigte den Chinesen, das Gepäckstück zu öffnen. Drin waren 400 Gramm Heroin. Klar hatte die Laila darauf reagiert! Der Chinese wurde von der Polizei festgenommen und die Droge beschlagnahmt. Laila von Senftenberg bekam ein schönes, großes Stück Leberkäse!

Mittlerweile fuhr Ignaz' Koffer weiterhin seine Runden auf dem Förderband. Die Laila hatte ihren Leberkäse gekriegt – und interessierte sich nicht mehr für das Gras in Ignaz' Koffer. Es roch eh nur nach Cannabis. Das brachte ihr normalerweise keinen Leberkäse ein, sondern nur etwas Hundekuchen. Uninteressant!

Nach zwanzig Minuten holte ein Angestellter der Flughafen Wien AG den Koffer des Schusternazls ab und verfrachtete ihn zum Lost and Found. Dort wurde er protokolliert und schließlich in den Lagerraum des Fundbüros überstellt. Und dort blieb er für die nächsten drei Monate. Nach Ablauf dieser Zeit brachte eine gewisse Sophie Pilnacek ihren Freund zum Flughafen. Sophie besaß ein kleines Geschäft für Geschirr und Haushaltsartikel in einer Seitengasse der Nussdorfer Straße im 9. Bezirk und ihr Freund war Angestellter eines Reisebüros. Aus diesem Grund musste Herr Norman Bayerle heute nach Hamburg, um ein gewisses Kontingent an Kabinen für eine Kreuzfahrt von Hapag Lloyd zu buchen. Er sollte am folgenden Tag wieder daheim sein.

Und während Norman in der B 737 von Air Berlin nach Hamburg saß, entdeckte Sophie auf ihrem Weg zurück zum Parkhaus, dass heute eine Versteigerung von aufgefundenen Gepäckstücken stattfinden sollte. Das reizte sie! So eine Versteigerung war natürlich ein reines Glücksspiel. Man wusste nie, was die versteigerten Koffer beinhalteten und bald war ein zu hohes Gebot abgegeben. Aber einmal wollte es Sophie riskieren! So wandte sie sich dem Saal zu, in dem die Versteigerung stattfand. Es war nicht sehr voll dort und die meisten Bieter musste der Zufall hierher gebracht haben, wie es bei Sophie ja auch der Fall gewesen war.

Da stand ein relativ kleiner Plastikkoffer, hellblau. Rufpreis 20 Euro. Sophie hob ihn hoch und fand ihn relativ leicht. Aber irgendetwas war an dem Koffer dran, das ihn für Sophie interessant machte. Sie nahm sich vor, ein Gebot abzugeben. Schon bald begann die Aktion. Zuerst wurde ein Tauchgerät versteigert und brachte 70 Euro. Dafür hatte Sophie keine Verwendung. Dann folgten ein paar Kameras. Alle gingen weit unter ihrem Wert weg. Und dann kamen die Koffer dran. Erstmals bot Sophie mit – und zu ihrer Überraschung bekam sie einen relativ großen Koffer um 30 Euro. Dann wurde der kleine, blaue Plastikkoffer angeboten. Ein junger Mann bot 20 Euro, ein anderer 30. Dann sagte Sophie: „Vierzig Euro!“ Niemand bot mehr. Sophie glaubte, zu viel geboten zu haben, aber sie übernahm den kleinen Koffer doch mit einer gewissen, gespannten Erwartung. „Es reicht“, dachte sie und zog mit ihren Errungenschaften ab.

Daheim packte sie die beiden Koffer aus. Der schwarze Lederkoffer enthielt nur dreckige Unterwäsche und angebrauchte Kosmetika. Alles nicht zu gebrauchen! Das war ausschließlich für den Abfall. Ohne viel Hoffnung nahm sich Sophie nun den blauen Plastikkoffer vor und fand dreckige Hemden, zu einem Knäuel zusammen geknüllt. Aber in dem Haufen von Hemden steckte noch etwas. Sophie, mit spitzen Fingern drang zu dem vor, was da noch drinnen war: Das war ja Porzellan! Sie konnte es fast nicht glauben, was da zum Vorschein kam! Die gekreuzten Schwerter auf dem Boden der Terrine verrieten ihr die Manufaktur. Und Form und Farben der Terrine sagten ihr sofort, dass es aus der Schwanenserie stammte! Und zwar besagte das Markenzeichen, dass die Terrine zwischen 1722 und 1763 gefertigt worden war!
Die von Johann Joachim Kändler entworfene Form wies nur ganz geringe Gebrauchsspuren auf. Das Geschirr war wohl mehrere tausend Euro wert!

Sophie löste das Klebeband, mit dem der Deckel befestigt war. In der Terrine befanden sich Pflanzenreste in einem kleinen Plastikbeutel, die beinahe wie Heu aussahen. Da Sophie mit diesen Resten nichts anzufangen wusste, beließ sie den Beutel einfach in der Terrine. Dann griff sie zum Telefon und rief ihren Freund Norman an. Er musste mittlerweile in Hamburg eingetroffen sein. Begeistert schilderte sie ihm die wundervolle Terrine. Sie wollte das Stück in ihrem Geschirrladen ausstellen und eventuell um zweitausend Euro verkaufen. „Viertausend“, sagte Norman. „Nicht zu billig, Sophie! Und außerdem sollte man das der NÖN bekanntgeben!“

Die NÖN, die Niederösterreichischen Nachrichten, ist eine Wochenzeitung, die in Sankt Pölten erscheint und auch Nachrichten vom Flughafen Wien bringt, der ja auf niederösterreichischem Gebiet liegt. Und zur NÖN hatte Norman ganz gute Kontakte. Also rief Sophie die NÖN in Sankt Polten an und berichtete den Fall. In der Notiz, die die Zeitung am darauffolgenden Mittwoch brachte, war zwar der Name der Sophie nicht genannt, aber ihr Geschäft im neunten Bezirk wurde erwähnt.

Auch der Schusternazl hatte die NÖN abonniert. Als er die Notiz las, war er völlig von den Socken. Hatte die Polizei seinen Koffer gar nicht in die Finger gekriegt? Trotz dem verdammten Hundsviech? Und so viel war das Porzellan wert? Da hatte die Grit ihm ja ein fürstliches Geschenk gemacht! Gleichzeitig dachte Ignaz an die Möglichkeit, dass sein Gras noch immer in der Terrine sein könnte! Wenn die Bullen den Koffer in Ruhe gelassen hatten, bestand immerhin die Möglichkeit! Der Schusternazl beschloss, sich die Terrine wieder zu beschaffen! Diese sollte sich momentan in einer Seitengasse der Nussdorferstraße befinden. Nun, das musste doch herauszufinden sein, wo genau das war! Er machte sich mit seinem Honda auf den Weg.

Beinahe eine Stunde suchte er das Geschirrgeschäft. Er fand es schließlich in der Pulverturmgasse und es war ein sehr kleiner Laden mit nur einer Auslagenscheibe. Sophie Pilnacek stand über der Eingangstür und der Laden war verschlossen. Mittagspause. Ignaz fuhr wieder heim und nahm sich vor, die Frau Pilnacek am Nachmittag anzurufen. Vielleicht gab sie ja die Terrine freiwillig heraus! Das Telefonat entwickelte sich aber eher unerfreulich.
„Geschirr Pilnacek“, meldete sich Sophie.
„Sie, Sie haben da eine Porzellanterrine in einem Koffer ersteigert. Ich wollte Ihnen nur sagen, das Ding gehört mir!“, versuchte es Ignaz.
„Ah, das war Ihr Koffer?“
„Genau. Ich würde mir gerne das Porzellan wieder holen!“
„Die stinkenden Hemden können Sie haben. Aber das Porzellan gehört jetzt mir! Dafür hab ich bezahlt!“
„Um wie viel haben Sie denn den Koffer ersteigert?“
„Vierzig Euro. War ein Glücksfall!“, sagte Sophie.
„Gut, ich zahle Ihnen vierzig Euro dafür!“, bot Ignaz an.
Die Antwort war ein fröhliches Gelächter. „Das Ding kostet dreitausendfünfhundert!“, sagte Sophie. „Das ist eine Terrine aus dem Meissner Schwanenservice, ungefähr aus dem Jahr 1750 und von Johann Joachim Kändler entworfen!“
Für zwei Sekunden schwieg Ignaz. „Gut“, sagte er dann, „dann zahl ich gar nix dafür!“ Und dann war die Leitung tot.
Sophie nahm das Telefonat aber nicht tragisch. Da hatte es halt irgendein Typ probiert, ihr die Terrine abzuluchsen... Na, sie war jedenfalls nicht drauf reingefallen!

Um 23 Uhr desselben Tages parkte dann ein Honda an der nächsten Straßenecke zum Geschirrgeschäft. Ignaz ging mit einigen Sperrhaken in der Tasche zum Laden der Sophie Pilnacek und untersuchte die Glasplatte der Auslagenscheibe. Die Scheibe war nicht sonderlich gesichert. Das teuerste Ausstellungsstück im Schaufenster war ein elektrischer Eierkocher – und dafür trifft man keine Sicherheitsmaßnahmen. Es gab am unteren Metallrahmen der Fensterscheibe zwei Schlösser und Ignaz versuchte die Sperrhaken. Der fünfte, den er probierte, passte. Vorsichtig hob Ignaz die Scheibe nach außen hin an, sie klappte ganz leicht nach vorne und Ignaz brauchte sie nur noch mir einem Kochlöffel aus den ausgestellten Küchengeräten abzustützen. Dann griff er nach der Terrine, die in der Mitte platziert war und tatsächlich ein Preisschild mit der Zahl 3.500,- trug.

Die Schaufensterscheibe wieder zuzumachen und abzusperren, benötigte nur wenige Sekunden. Dann verzog sich Ignaz in seinen Honda und sah erst einmal nach dem Gras, das da drin gewesen war. Nichts mehr da! Ignaz fluchte ein bisschen und angelte nach einem selbst gedrehten „Ofen“ in seiner Jackentasche. Jetzt musste er erst einmal ein bisschen Haschisch haben! War schon verdammt, dass diese Frau Pilnacek das Cannabis offenbar entsorgt hatte! Der Schusternazl fuhr heim nach Rannersdorf und freute sich, dass er die Terrine wieder hatte. Wenigstens das hatte er geschafft!

Am nächsten Tag gab es die komplette Aufregung im Geschirrgeschäft der Sophie Pilnacek! Die Terrine war einfach verschwunden! Die Polizei konnte nur feststellen, dass offenbar die Schaufensterscheibe geöffnet worden war. Ein Ermittler konnte außerdem herausfinden, dass etwa um Mitternacht ein Honda an der Ecke geparkt hatte – und das Kennzeichen war auch bekannt. Bei einem Telefonat des Ermittlers konnte Sophie auch den Namen des Verdächtigen erlauschen: Es handelte sich um einen gewissen Ignaz Schuster aus Rannersdorf. Der sollte am nächsten Tag vernommen werden. Aber Norman Bayerle, ihr Freund, war dagegen, so lange zu warten und plädierte dafür, diesen Schuster heute noch zu besuchen! So setzte sich Sophie also an den Computer. Auf Facebook gab es einen Ignaz Schuster, einen Aktivisten der Grünen und ansonsten, im Zivilberuf, einen Schlosser.

Nach Geschäftsschluss ging es los. Über die Ostautobahn fuhr Sophie nach Schwechat und dann ging es auf der Brauhausstraße und der Lanzendorfer Straße nach Rannersdorf. Norman saß ganz still neben Sophie und redete ihr gar nichts drein, was das Autofahren betraf. Ihm war nicht ganz wohl, wenn er an die Unterredung mit dem Schuster dachte! Als sie angekommen waren, läutete Sophie und als sich Ignaz Schuster an der Haussprechanlage meldete, sagte sie: „Herr Schuster, Sophie Pilnacek. Wir kommen uns nur die Meissner Terrine abholen.“ Der Schusternazl war so überrascht, dass er nur wortlos den Türöffner betätigte.

In die kleine Wohnung im ersten Stock gelangte man durch ein Miniaturvorzimmer und die Wohnungstür stand bereits offen. Im dahinter befindlichen Wohnzimmer stand die Terrine auf dem Esstisch.
„Kann ich irgend ein Papier zum Einwickeln haben?“, fragte Sophie.
„Die Terrine bleibt da!“, sagte Ignaz.
„Dann darf ich Sie um die dreitausendfünfhundert Euro bitten?“, verlangte Sophie.
„Bitten dürfen Sie, aber kriegen werden Sie's nicht!“, sagte Ignaz bissig.
„Woher haben Sie eigentlich das schöne Stück?“, fragte Sophie, ohne auf den letzten Satz des Ignaz einzugehen.
„War ein Geschenk, das ich in Berlin gekriegt hab.“
„Nobel!“, bemerkte Sophie. „So was kriegt man doch nicht so ohne Weiteres geschenkt.“, sagte Norman.
„Es war eine Anerkennung.“, gestand Ignaz. Und dann erzählte er von seinen Bestrebungen, die Freigabe des Suchtmittels Cannabis in der EU zu erreichen und von Grit, die vorhatte, das Zeug pausenlos in der Pfeife zu rauchen. „Das tut nämlich gar nix, höchstens ein bisserl beruhigen.“, erklärte er.
„War das vielleicht Cannabis, was da in der Terrine war?“, fragte Sophie.
„Ja. Was haben Sie denn damit gemacht?“
„Liegt in meiner Schreibtischlade.“, sagte Sophie. „Ich hab das Zeug nicht erkannt und es für irgend so was wie Heu gehalten.“
„Kann ich das zurückhaben?“, fragte Ignaz.
„Wenn ich die Terrine wiederhaben kann, dann sicher.“, meinte Sophie.
„Das ist nämlich Haschisch aus einer Plantage in Brandenburg. Sehr feines Haschisch!“
„Gut“, sagte Sophie. „Sie geben mir jetzt die Porzellanterrine und das Zeug können Sie sich jederzeit bei mir abholen!“
„Das Porzellan kostet aber was!“
„OK. Ich geb' Ihnen 50 Euro dafür. Und das Cannabis! Bedenken Sie, ich könnte das auch der Polizei geben! Und Cannabis ist noch nicht freigegeben! Da kriegen Sie dann Probleme!“
„Hundert Euro!“, sagte Ignaz. Offenbar hatte ihn die Drohung der Sophie doch beeindruckt.
„Schön hundert Euro. Letztes Angebot!“, sagte Sophie.
Dann übergab sie dem Ignaz einen Hunderter und nahm die Terrine an sich. Anschließend verabschiedeten sich Norman und sie von dem Schusternazl. Im Auto meinte Norman: „Wie du mit dem umgesprungen bist! Das war großartig! Wie hast du rausgefunden, dass er erpressbar ist?“
„Na, wenn er mir nicht vom Cannabis erzählt hätte, wär's ganz anders gekommen! Der Hunderter ist verschmerzbar!“
„Ja. Sophie, ich gratuliere Dir!“

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