KunstGeschichten

KunstGeschichte: Weltspartag

Künstler holen oft die Wahrheit ans Licht. Dominik Stadler hat sich dafür zudem ein interessantes Medium gewählt: den Körper seiner Frau Monika. Was sein Body-Painting für einen Fonds-Berater bedeutet, erfahren Sie in unserer neuen KunstGeschichte.

Seit knapp einem Jahr waren Monika und Dominik Stadler nun verheiratet.
Dominik hatte seine Partnerin zur Frau genommen, weil das seine Arbeit kolossal vereinfachte. Er stellte sie nämlich regelmäßig aus. Und zwar als Kunstwerk! Dazu bemalte er ihren Körper mit leicht wieder zu entfernenden Farben und die bemalte Monika stellte eine Attraktion ersten Ranges dar!

Erstens war sie bis auf eine etwas zu lang geratene Nase ausgesprochen hübsch. (Der kleine Nachteil fiel aber erst auf den zweiten Blick auf und beeinträchtigte den Gesamteindruck keineswegs). Und zweitens machte der Dominik tatsächlich sehr schöne, fantasievolle Malereien.
Kennengelernt hatte Dominik Stadler seine Monika in der Kunstakademie, und zwar im Saal für Aktzeichnungen, denn Monika war eines der Modelle gewesen.

Als Aktmodell verdient man nicht gerade viel, aber Monika hatte damals jeden Cent gebraucht und sogar Spaß an ihrer Tätigkeit gefunden.
Dominik, dessen Studium von seinen Eltern finanziert wurde, hatte Monika ganz einfach angesprochen und ihr vorgeschlagen, ihm in ihrer Freizeit als Modell für eine neue Kunstrichtung zur Verfügung zu stehen. Er wollte sie als Untergrund für seine Malerei verwenden.
Irgendwo hatte er einmal (es muss in einer Zeitung gewesen sein) nackte, bemalte Damen gesehen, deren Anblick ihn über die Maßen faszinierte. So was wollte er auch machen!

Der Nachteil dabei war allerdings, dass Monika die Malerei auf ihrer Haut auch vorführen musste. Und dafür hatte Dominik natürlich extra zu bezahlen.

Er prüfte daher zunächst mit einer „Marktanalyse“, wer es sich leisten konnte, ein lebendes Kunstwerk auszustellen. Es gibt natürlich Festivals, die sich geradezu spezialisiert haben auf „Body-Painting“. Allerdings sind das nicht viele und damit Geld zu verdienen ist eine reine Glückssache. Ein paar bemalte Körper werden zwar prämiiert, aber ob man da dabei ist, hängt in erster Linie vom Zufall ab.

Es gibt allerdings eine Branche in dieser modernen Zeit, die es sich einiges kosten lässt, auf etwas ausgefallene Art Aufmerksamkeit zu erregen: Das ist die Werbeindustrie.
Also musste Dominik jemanden finden, der die Monika an Firmen „vermieten“ konnte.
Er hatte da einen alten Schulkameraden, Kenny Körber, dem es gelungen war, bei „Krauskopf und Partner“ eine Stelle zu kriegen. „Krauskopf und Partner“ war eine Werbeagentur und zwar nicht einmal die kleinste in Österreich. Also lud Dominik den Kenny zu sich nach Hause ein.

Monika war gern bereit, sich bemalen zu lassen. Dominik selbst war es, der sie rasierte, also alle Körperbehaarung (mit Ausnahme ihrer vollen, dunkelbraunen Mähne auf dem Kopf) mit Akribie entfernte und dann ein raffiniertes Muster auf ihrer Haut auftrug. Monika fühlte sich hinterher beinahe wie ein Meisterwerk und äußerte, nicht die geringsten Hemmungen zu haben, sich vollkommen nackt zu präsentieren. Denn die kleine Monika, die im Zeichensaal manchmal doch etwas befangen gewesen war, fühlte sich mit dieser Malerei beinahe „bekleidet“ - und das war ein angenehmes Gefühl!

An dem Tag, an dem der Kenny kommen sollte, fertigte Dominik die Malerei an. Um halb acht kam der Gast. Monika hielt sich in der Küche auf und brachte dann den recht einfachen Imbiss ins Wohnzimmer. Splitterfasernackt, nur angetan mit ihrer Malerei.

Den Kenny hätte bald der Schlag getroffen!
Nichtsdestoweniger war der Abend ein voller Erfolg!
Kenny begutachtete die Malerei in allen Einzelheiten und er sparte nicht mit Lob! Er drehte die Monika in alle Richtungen und ließ sie die Arme bewegen, um weitere Ansichten der einzelnen Motive zu erhalten – aber Dominik hatte den Eindruck, als ob ihn nicht allein die Malereien faszinierten, sondern deren Untergrund.

Nun, das war ja irgendwie einkalkuliert. Immerhin führte das Studium der Malerei Kenny zum Versprechen, zu tun, „was möglich wäre“. Besonders ein Autohändler kam ihm in den Sinn, der ein neues Modell auf dem Markt einführen wollte.

Dominik versprach, dass der Auftraggeber bestimmen könne, welche Motive die Malerei enthalten würde. Auch mehrere Auftritte der Monika mit wechselnden Malereien wären möglich, kurz, Dominik versprach beinahe mehr, als er zu leisten im Stande war.

Das Ergebnis war ein Engagement beim Autohaus Kaindl. Ein neuer SUV sollte vorgestellt werden. Und zur Vorbesprechung kam ein gewisser Prokurist Blätterteig zu Dominik.
Der wollte, dass Monika mit der Bemalung von zwei Bekleidungen auftreten sollte, um die Brauchbarkeit des Wagens sowohl im Geschäftsbereich als auch in der Freizeit zu demonstrieren: Erstens sollte Dominik der Monika einen seriösen Hosenanzug auf die Haut malen und dann anschließend einen „Rennoverall“. Monika sollte dann den SUV auf dem Firmengelände erstens betont langsam und vorsichtig fahren und später mit sportlichem Gehabe, also etwas flotter und viel riskanter.
Dominik sagte zu.

Nur konnte das die Monika nicht! Sie fuhr einen uralten Renault, der bereits etwas „zusammengeritten“ war, wie man in Wien so plastisch sagt. Ihre „Schüssel“ war einfach nicht sportlich zu fahren und deshalb hatte sie keinerlei Erfahrung damit. Dominik musste daher mit ihr ein Training auf dem Übungsgelände des ÖAMTC in Teesdorf absolvieren, was zusätzliche Kosten verursachte.

Doch dann hatte Monika „den Dreh raus“. Auf dem Firmengelände des Autohauses Kaindl legte sie ein paar Runden im Stil eines Sebastian Vettel hin – und Herr Blätterteig war sehr angetan.

Das Problem mit der Malerei löste Dominik einfach und pragmatisch. Der dunkelgraue Hosenanzug der „Geschäftsfrau Monika“ wurde mit einfachsten Mitteln in einen Overall umgearbeitet und das ganze dauerte keine zehn Minuten.

Die Präsentation des neuen Modells war ein voller Erfolg und die Firma Kaindl konnte bereits während der Vorführung des Wagens neunzehn Bestellungen entgegen nehmen.
Natürlich bezahlte Kaindl anstandslos die von Dominik geforderten 2.000 Euro für die gesamte Aktion. Und Dominik gab Monika davon die Hälfte.

An diesem Abend sprachen die beiden über die Chancen für die Zukunft. Dominik war dafür, beisammen zu bleiben und gemeinsame Kasse zu machen. Und zum ersten Mal sprach Monika von der Möglichkeit, zu heiraten. Und wenn Dominik das so überlegte, kam er immer mehr zu der Ansicht, das wäre keine schlechte Idee.

Eine Woche später ärgerte sich Dominik darüber, dass er dem Autohaus Kaindl die Aktion für „ein Butterbrot“ gemacht hatte. Denn eine Firma, die Schwimmbäder an Eigenheimbesitzer lieferte, zahlte gut das Doppelte für die Präsentation, bei der Monika in vier gemalten Badeanzügen posierte. Für Dominik etwas schwierig, denn da Monika ins Wasser hüpfen musste, wurden die Farben jedes Mal abgewaschen und Dominik musste sie komplett erneuern, wobei die Malerei natürlich jedes Mal anders aussehen sollte.

Für Monika bedeutete es keinen Stress, einfach ins Wasser zu springen und sich neu bemalen zu lassen. Aber Dominik kam ganz schön ins Schwitzen!

In dieser Woche bestellte Dominik das Aufgebot.
Und nachdem Dominik bei einem Body-Painting-Festival in Bratislava den zweiten Preis gewonnen hatte, heirateten Monika und Dominik.
Dafür gab ihnen Kenny Körber einen guten Tipp und unterstützte seine Freunde auch ausgiebig dabei. Er lud Reporter der Presse zur standesamtlichen Hochzeit ein – und Monika ließ sich nackt trauen, aber so bemalt, dass die Berichterstatter was davon hatten! Das war eine ausgezeichnete Reklame für die zwei Stadlers!

Den Sommer über machten Monika und ihr Maler ausgezeichnete Umsätze. Krauskopf und Partner buchten die beiden, wo immer es möglich war (dahinter steckte natürlich der Kenny).

Im Juni hatten sie eine neue Filiale eines Modehauses zu eröffnen und diesmal musste Monika in diverse gemalte Modelle der Firma schlüpfen, aber das war natürlich kein Problem. Im Juli bemerkte Monika, dass sie einiges an Gewicht zugelegt hatte. Dominik bat sie, etwas weniger zu essen.

Monika, die ihren „Beruf“ sehr ernst nahm, tat ein Übriges und buchte in einem Fitness-Center. Die Kilos purzelten wieder. Und da sie ohnehin schon dabei war, nahm sie sich einen Trainer, der sie in Gymnastik unterrichtete. Monika hatte sich vorgenommen, bei ihren Auftritten einige „Highlights“ einzubauen. Und mit dem Herrn Wu-Tsi aus der Mongolei trainierte sie, sich zu verbiegen. In kurzer Zeit hatte sie es gelernt, sich zurückzubiegen, bis der Kopf den Boden berührte und den Spagat machte sie auch mühelos.

„Die Stadlers“ wurden ein Begriff in Wien und es gab kaum eine Eröffnung eines neuen Betriebes, an dem Monika und Dominik nicht teilnahmen.
Im September eröffnete ein neu renoviertes Schwimmbad. Ein moderner Saunabetrieb war angeschlossen worden – und natürlich hatte die Gemeinde Wien Monika gebucht. Nur diesmal musste sie wiederum mit wasserfester Farbe bemalt werden, da sie sich hauptsächlich in der Sauna und im Abkühlbecken aufhalten sollte.
Dominik verpasste ihr also einen bunt gemusterten Bikini und malte den so sorgfältig, dass ihre Nacktheit überhaupt nicht auffiel.

So trieb sich also Monika im Saunabereich herum, sprang anschließend ins kalte Wasser des Abkühlbeckens und legte sich in eine der Liegen am Rande.

Da wurde sie von einem Herrn Johannes Stelzer angesprochen. Der hatte das Kennzeichen PB, das Monika auf den Bauch gepinselt trug, richtig interpretiert. Es sollte painted body heißen, also Monika als das kennzeichnen, was sie hier im Bad ja tatsächlich war, eine bemalte Nackte.

„Kann man Sie für den Weltspartag buchen? Einunddreißigster Oktober. Wir planen eine Werbeaktion für einen Investment Fonds.“
Monika überlegte kurz. Ihres Wissens nach war noch nichts geplant.
„Soviel ich weiß, haben wir noch nichts vor“, sagte sie. „Was können wir denn da machen? Werbung für einen Fonds ist nicht so ganz unsere Spezialität!“
„Ich hab mir vorgestellt, Sie werden mit einem Werbeprospekt bemalt und stehen für Verkaufsgespräche zur Verfügung. Wir sind die Z+Z Privatbank, Zornberg und Zetsche GmbH und machen am ersten Oktober die Zentrale im ersten Bezirk auf.“
„Müsste schon gehen“, meinte Monika.
„Und Sie haben tatsächlich nichts an, jetzt?“
„Nur Farbe. Aber diesmal wasserfeste.“
„Darf ich einmal hingreifen? Probieren, ob man was spürt?“
„Warum nicht?“ Monika drehte sich zu ihrem Gesprächspartner herum. Der griff langsam an ihre Brüste und versuchte, den aufgemalten Bikini-Top abzuwischen. Aber die Farbe hielt diesmal und ließ sich nicht abreiben. Dann zupfte der Mann an ihren Brustwarzen. „Phänomenal! Da sieht man nichts, spürt es aber deutlich, dass da noch was ist“, sagte er.

„Mein Dominik ist ein Experte, was die Malerei betrifft“, meinte Monika.
„Auch was das Rechtliche betrifft? Haben Sie einen Standardvertrag?“
„Nein. Wir sprechen uns vorher ab“, gab Monika Auskunft.
„Diesmal brauchen wir einen Vertrag“, sagte Herr Stelzer. „Ich werde den vorbereiten lassen.“

Es wurde eine recht lukrative Aufgabe für Dominik und hätte ganze fünftausend Euro bringen sollen. Vierzehn Tage vor dem 31. Oktober bekam er die Vorlage für seine Malerei. Er sollte womöglich alle Fotos in der Broschüre auf Monikas Haut malen und das Wichtigste vom Text obendrein. Und dann wollte die Bank die Monika fotografieren. In allen Einzelheiten. Kam ein Vertrag mit einem Kunden zustande, wollte die Bank dem Investor die Fotos überreichen.

Dominik hatte eine Menge Arbeit zu leisten. Er malte auf Monikas Haut blühende Felder, die mit Raps und anderen Früchten bestellt waren, dunkle, romantische Waldabschnitte und auf dem Rücken trug Monika eine Flusslandschaft mit vielen Sandbänken. Seine Frau verwandelte sich in eine Ansammlung von romantischen Landschaften, die nicht eines eigenartigen Reizes entbehrten.
Auch auf den Fotos sah sie hervorragend aus!

Und dann kam der Weltspartag.
Der einunddreißigste Oktober war ein sehr windiger und ungemein kalter Tag. Das Thermometer zeigte leichte Minusgrade.
Die Bank befand sich auf der Seilerstätte und Dominik brachte Monika mit seinem Wagen zu ihrem Einsatzort. Monika trug für die Fahrt einen dicken Mantel.

In der Seilerstätte folgte die Überraschung. Dominik ließ Monika nur aussteigen und fuhr dann zurück. Monika betrat das angegebene Haus. Die Bank hatte das Geschäftslokal im Hoftrakt, der durch eine breite Hofeinfahrt zu erreichen war.
In dieser Hofeinfahrt hatte man ein kleines Podest errichtet und einen Lehnstuhl darauf gestellt. Hier sollte Monika residieren und ihre Malerei dem Publikum präsentieren.

Monika zog sich also aus und nahm Platz. Sie hielt es auf dem Sessel aber gerade einmal fünf Minuten aus, dann schlüpfte sie wieder in ihren Mantel. Es wehte in dieser Einfahrt ein äußerst unangenehmer Wind und nach den fünf Minuten waren Monikas Lippen blau. Sie fror auf ihrem Sessel zum Gottserbarmen.

Klar, wenn man bei etwa minus zwei Grad nur mit einer etwa 0,2 Millimeter starken Farbschicht „bekleidet“ ist, bietet diese „Kleidung“ keinen guten Kälteschutz.

In der Manteltasche steckte Monikas Handy. Natürlich rief sie Dominik an.
„Dominik, ich erfriere!“
„Wo bist du denn?“
„Bei der ZZ Privatbank. Aber im Freien. Na, nicht ganz, Dach hab ich. Aber hier hat's so gegen minus zehn Grad!“
„Ich komm' sofort!“ Dominik war bereits auf dem Weg nach Hause gewesen und durchfuhr soeben die Neustiftgasse, als ihn der Anruf erreichte. An der Zieglergasse bog er links ab und fuhr über die Burggasse zurück.

Er erreichte Monika, als dieser soeben von einem verbissen aussehenden älteren Herrn eine Standpauke gehalten wurde, wobei er Monika mit dem Vertrag vor der Nase herumfuchtelte.

„Laut Vertrag haben Sie an dem Ihnen von uns zugewiesenen Ort Ihre Malerei zu zeigen! Da steht das ganz klar und deutlich! Und wir haben Ihnen diesen Platz zugewiesen! Also, ziehen Sie sich gefälligst aus!“
„Aber hier ist das unmenschlich! Die Kälte! Ich hab ja nichts an!“
„Das ist aber Ihr Problem!“
„Man hat mir ja nichts von den Zuständen da gesagt!“
„Wir können ja nichts für die Witterung!“

Dominik mischte sich ein: „Na, so schwierig kann das ja nicht sein, der Monika da einen anderen, wärmeren Standort zu geben!“
„Das kann sie selber entscheiden“, sagte der ältere Herr, „Sie braucht nur einen Kunden für den ZZ Special Bio Found zu interessieren und schon übersiedelt sie mit dem Kunden ins warme Büro des Herrn Zetsche zum Beratungsgespräch!“

„Ah, das ist der Grund für das Ganze! Der Monika soll kalt werden, damit sie Kunden anspricht!“
„Angenehmer Nebeneffekt. Und sicher nicht verboten!“
„Aber gemein!“
„Wir bezahlen doch dafür!“
Monika seufzte und zog den Mantel wieder aus.

„Sehr schön“, sagte Herr Zornberg, denn um den handelte es sich. „Na, wollen wir sehen, ob nicht bald ein Interessent kommt.“
„Ist schon da“, sagte eine nette, ältere Dame, die unbeteiligt in der Nähe gestanden und die Unterhaltung mitgehört hatte. „Sagen Sie, handelt es sich da um Aktien?“
„Darf ich sie weiter bitten zu unserem Kollegen Zetsche?“, fragte Herr Zornberg. „Kommen Sie mit, Frau Stadler!“

Und als Zornberg mit seinen Begleiterinnen den Innenhof betrat, sagte er noch zu Dominik: „Sie sehen, alles halb so wild. Aber wenn sich Ihre Frau weigert, da zu sitzen, zahlen Sie die Konventionalstrafe laut Vertrag!“

Dominik eilte zurück zu seinem Wagen, der im Halteverbot stand. Dort rief er sämtliche Freunde an, deren Telefonnummern er auf seinem Handy gespeichert hatte. Alle bat er, zur Z+Z Privatbank zu kommen und sich über den ZZ Special Bio Found beraten zu lassen. Allerdings warnte er davor, einen Vertrag abzuschließen.

Immerhin sagten vier seiner Freunde zu. Sie würden innerhalb längstens einer Stunde erscheinen.
Beruhigt fuhr Dominik diesmal nach Hause.

Im kleinen, aber gemütlichen Büro des Direktor Zetsche führte dieser eine ganz gemäß den Beratern aufgezogene Werbeaktion durch.
Ja, es handle sich hauptsächlich um Aktien, das Risiko sei aber sehr gering. Der Fonds habe großteils solche Aktien im Portefeuille, die mit völlig natürlichen Produkten zusammenhingen, nach denen auf dem Markt große Nachfrage herrsche. Es könne fast nicht sein, dass zum Beispiel die Bio Kartoffel AG in Schwierigkeiten geraten könne. Und solche Gesellschaften wären der Hauptteil im gesamten Found.
Die ältere Dame wurde nachdenklich. Herr Zetsche stellte auch die Gewinnaussichten allzu verlockend dar.

Schließlich unterschrieb die Kundin einen Vertrag über 50.000,- Euro.
Monika durfte noch in Zetsches Büro bleiben, bis die Kundin die Papiere erhalten hatte, dann jagte sie Herr Zetsche wieder zurück auf ihren Sessel in der kalten Zugluft.

Dort wartete aber schon einer von Dominiks Freunden. Monika führte ihn sofort in Zetsches Büro.
Wieder legte Zetsche die Walze mit dem Verkaufsgespräch auf. Aber Dominiks Freund, Vic Handler, unterbrach ihn dauernd. Als Zetsche wieder einmal die Bio Kartoffel AG erwähnte, verlangte Vic, die Liste der Aktien zu sehen, die der Found umfasste. Herr Zetsche sträubte sich. Es handle sich um einen ausgewogenen Fonds und da müsse man ein gewisses Spektrum an verschiedenen Unternehmen einbeziehen. Vic könne sich aus der Liste der teilnehmenden Unternehmen keine fundierte Meinung bilden!

Allerdings bestand Vic auf seinem Verlangen. Er würde das Gespräch sofort beenden, wenn ihm Zetsche die Liste nicht vorweisen wolle.
Monika machte sich schon bereit, wieder hinaus in die kalte Hauseinfahrt zu müssen, da gab Zetsche endlich nach.
Er telefonierte und ließ sich die gewünschte Liste bringen.
Vic nahm sie sorgfältig unter die Lupe.
Die Bio Kartoffel AG war dabei, ebenso eine Firma „Hofstätter Bio Farming AG“ und einige andere, deren Namen einen recht guten Eindruck auf ihn machten, aber ebenso die „Kommunalkredit“ und die „Hypo Alpe Adria“, also die beiden Pleitebanken, die der Staat schon seit zwei Jahren loswerden wollte.

„Und da sehen Sie Chancen? Der Fonds ist doch von vornherein ein Pleitefall!“
„Die beiden Banken werden wir sanieren!“, behauptete Zetsche. „Das nehmen wir selber in die Hand! Der Herr Zornberg und ich!“
„Monika, für den Fonds darfst du keine Werbung machen! Du machst dich damit strafbar! Ich ruf sofort den Dominik an, damit der dir andere Bilder malt!“

Monika stand auf und zog ihren dicken Mantel an. „Ich steige aus.“
„Das können Sie doch nicht machen, Frau Stadler! Lassen Sie uns nicht hängen! Ich stell' Ihnen auch ein eigenes, warmes Büro zur Verfügung!“
„Brauch' ich nicht. Der Dominik malt mir was anderes auf die Haut und dann gehe ich vor Ihrer Bank spazieren! Die Kälte ist mir egal!“

Na, und so war es dann auch. Dominik kam wie die Feuerwehr, malte in seinem Auto der Monika einige Szenen auf die Haut, die die Pleite symbolisieren sollten, und dann wanderte Monika, zwar sehr frierend, aber voller Enthusiasmus die Sailerstätte entlang.
Das Fernsehen war rasch zur Stelle, ebenso eine Schar Zeitungsreporter und bereits am gleichen Abend hatte Wien einen neuen Skandal! Eine nackte, bemalte Dame hatte die Öffentlichkeit gewarnt vor der Hinterlist einiger Finanzjongleure! Und das bei einer Temperatur von minus 2 Grad!
Keine Frage, die Stadlers waren ab sofort Berühmtheiten.
Zwar bekamen sie kein Honorar von Z+Z, aber sie brauchen sich trotzdem finanziell keine Sorgen mehr zu machen!

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