Ausstellungsbesprechungen

Lokales. 1948-1970. Der Bildreporter Friedrich Magnussen in Kiel unterwegs, Stadt- und Schifffahrtsmuseum Warleberger Hof Kiel, bis 9. Juni 2014

Der Bildreporter Friedrich »Fiete« Magnussen prägte die Bildlichkeit der Kieler Nachrichten in den 1950er und 60er Jahren mit seinen Fotografien, indem er das Alltagsleben und den Wiederaufbau nach dem Weltkrieg eindrucksvoll dokumentierte. Ein Teil der umfangreichen Negativsammlung im Stadtarchiv wird nun digital aufbereitet - der ideale Anlass für das Stadt- und Schifffahrtsmuseum, dem Fotografen und seinem Nachlass eine Ausstellung zu widmen. Freya Leonore Niebuhr war vor Ort.

Ein Großteil der Fotografien, die in den 1950er und 60er Jahren die Zeitungsartikel der Kieler Nachrichten begleiteten, wurden von Friedrich »Fiete« Magnussen angefertigt. Magnussen wurde 1914 in der Fördestadt geboren und zeichnete mit seinen Arbeiten ein umfassendes fotografisches Porträt seiner Heimatstadt. Das Stadtarchiv Kiel hat es sich zur Aufgabe gemacht, rund 50.000 Fotografien aus Magnussens Nachlass digital aufzubereiten. Das Stadtmuseum Kiel zeigt nun rund 300 ausgewählte Fotografien des Kieler Bildreporters. Seine Aufnahmen dokumentieren eindrucksvoll ein Stück Stadtgeschichte und sind für den heutigen Ausstellungsbesucher deshalb sehenswert, weil sie die historischen Ursprünge aufzeigen, die dem heutigen Kieler Stadtbild zu Grunde liegen. Beim Besuch der Ausstellung lassen sich zudem Ansichten der Stadt Kiel entdecken, die heute nicht mehr erhalten und aus diesem Grunde besonders interessant sind.

Magnussen interessierte sich schon seit seiner Jugend für Fotografie. Im Alter von 13 Jahren bekam er seine erste Kamera geschenkt und zog umher, um sich im Aufnehmen von Bildern zu üben. Auch entwickelte er die Bilder anschließend selbst. Bereits 1934 konnte er erste Bilder in den Kieler Nachrichten veröffentlichen. Obwohl er sich in seiner Freizeit schon länger mit der Fotografie beschäftigt hatte, sollte er aber erst viel später die Möglichkeit bekommen, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Zunächst begann er als Lehrling bei einer Versicherung. Nach dem Zweiten Weltkrieg, an dem er als Soldat teilgenommen hatte, wurde er schließlich freiberuflicher Pressefotograf. Da sich die Wirtschaftslage nach dem Krieg langsam wieder zu stabilisieren begann, war Filmmaterial wieder einfacher zu bekommen. Auch die Zeitungen erschienen wieder regelmäßiger. 1952 wurde Magnussen schließlich als festangestellter Bildreporter bei den Kieler Nachrichten eingestellt und war bis zum Jahre 1977 als hauptberuflicher Fotograf tätig.

So dokumentieren Magnussens Fotografien eindrucksvoll den Kieler Nachkriegszustand. Die Stadt wurde während des Zweiten Weltkrieges schwer beschädigt und nur wenig alte Bausubstanz blieb von Bombenangriffen verschont. Viele Teile des Zentrums mussten nach Kriegsende neu aufgebaut werden. Diesen Prozess dokumentieren Magnussens Fotos Bild für Bild. Er lichtete auch Ruinen und Sprengungen von im Krieg zerstörten Gebäuden ab. Währungsreform und Wirtschaftsaufschwung änderten nach den harten Kriegsjahren schließlich die Konsumgewohnheiten. In der Kieler Holstenstraße, der ersten Fußgängerzone Deutschlands, fand Magnussen neue Motive für seine Fotos. Er lichtete die Menschen beim Einkaufen ab und fotografierte Geschäftseröffnungen.

Als in den Nachkriegsjahren die ökonomische Stabilisierung zunahm und die Bundesrepublik langsam wieder die Aufrüstung für den Kalten Krieg begann, erlebte in Kiel auch der Schiffbau einen Aufschwung. Magnussen integrierte diese Entwicklung in seine Bilder. So zeigen diese z.B. wie neu gebaute Schiffe vom Stapel laufen und wie Warenladungen im Hafen gelöscht werden. Netz flickende Fischer, zahlreiche Segel- und Marineschiffe auf der Förde sowie das Festmachen von großen Schiffen dokumentierte er fotografisch.

Auch das Handwerk findet Berücksichtigung. Seine Bilder zeigen u.a. einen Hufschmied bei der Arbeit, einen Schornsteinfeger auf dem Dach eines Hauses und Maler beim Anlegen eines neuen Zebrastreifens auf einer großen Straße in der Kieler Innenstadt. Das handwerkliche Arbeiten fand in seine Fotografien also ebenso Eingang wie manch großes Event, das dem heutigen Ausstellungsbesucher fast schon unvorstellbar erscheint: so fotografierte Magnussen z.B. die Austragung der Misswahl in Kiel. Er hielt Eindrücke der Olympischen Spiele fest und war bei einer Modenschau im Kieler Yacht Club und bei einer Zirkusvorstellung mit der Kamera dabei.

Den Besuch wichtiger Persönlichkeiten verpasste der Fotograf, der oft mit dem Fahrrad unterwegs war, ebenso wenig. Als Mitglieder der europäischen Königshäuser oder der bekannte Reeder Onassis nach Kiel kamen, war er dabei. Bekannte Gesichter der Unterhaltungsszene wie z.B. die Opernsängerin Maria Callas, den Komiker Loriot und den Filmemacher Alfred Hitchcock bekam er während verschiedener Kielbesuche vor die Linse. Auch damalige politische Größen waren dabei: So präsentiert das Stadtmuseum Kiel dem Besucher ausgewählte Fotografien Magnussens, die Konrad Adenauer, Ludwig Erhard, Theodor Heuss und Willy Brandt bei Aufenthalten in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt zeigen. Allein diese Aufnahmen machen einen Besuch der Ausstellung auch für Nicht-Kieler interessant.

Bis hin zur Zeit der Studentenrevolten fotografierte Magnussen das Gewöhnliche und das Besondere. Seine Bilder halten das alltägliche Leben auf den Werften, im Handwerk sowie das Treiben im Hafen fest. Festliche Anlässe wie die Kieler Woche oder offizielle politische Veranstaltungen sind gleichermaßen Motive seiner Fotografien als auch kleinere Geschehnisse wie z.B. Grundsteinlegungen und Wettkämpfe in lokalen Sportvereinen. Sein fotografisches Werk bietet folglich einen umfassenden Überblick über das damalige Zeitgeschehen in Kiel.

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